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Das Rennen abgekürzt

Nie gesehen, aber als Erste im Ziel: Die Triathletin Julie Miller sieht sich mit happigen Vorwürfen konfrontiert.

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Hat sie oder hat sie nicht? Julie Miller bestreitet, dass sie den Ironman Canada abgekürzt hat.
Hat sie oder hat sie nicht? Julie Miller bestreitet, dass sie den Ironman Canada abgekürzt hat.
Screenshot Ironman Canada

Sie kennen den Gedanken sicherlich von früher, damals als man noch Stafetten lief und plötzlich den Geistesblitz hatte, abzukürzen, den Weg durch die Hecke zu nehmen, ja zu mogeln. Nur fehlten einem meist Mut und man hatte Skrupel, um den Gedanken Wirklichkeit werden zu lassen. Dieses Problem kennt Julie Miller nicht, eine ehemalige Weltmeisterin im Langstreckentriathlon in ihrer Altersklasse 40–44.

Am Ironman Canada vom vergangenen Juli gewann sie ihre Alterskategorie mit grossem Vorsprung, fünf Minuten nahm sie der Zweitplatzierten Susanne Davis nach 3,9 km Schwimmen, 180 km Velofahren und 42 km Laufen ab.

Nie gesehen und doch Erste

Diese Davis kam ins Ziel und dachte, sie hätte gewonnen, erzählte sie der «New York Times». Doch bei der Rangverkündigung traf sie der Schlag, sie glaubte es kaum, sie hörte ihren Namen auf dem zweiten Platz. Eine war schneller, die Julie Miller, aus dem Nichts aufgetaucht und nun Erste. Davis fragte die Dritt- und Viertplatzierte, auch sie hatten Miller nie gesehen.

Also suchten Davis und ihre Kolleginnen die offiziellen Rennfotos ab, kontrollierten die Zwischenzeiten, es schien, als ob Miller nicht alle Streckenposten passiert hatte, beweisen konnten sie es nicht. Tage und Wochen vergingen.

Die beschuldigte Miller stritt und streitet die Vorwürfe nach wie vor ab, es sei eine Schmierkampagne von neidischen Kolleginnen. Sie habe in der Vergangenheit nur eines falsch gemacht – neben zu häufigem Gewinnen: Sie habe ein paarmal ihren Zeitchip verloren.

Und tatsächlich, auch am Ironman Canada hatte sie den Chip verloren. Ein stringentes Verfolgen ihres Laufs ist daher ein Ding der Unmöglichkeit. Doch die Konkurrentinnen gaben nicht auf, sie suchten weiter nach beweiskräftigen Bildern, analysierten sie und kamen zum Schluss, Miller müsse die Laufstrecke in unglaublichem Tempo gelaufen sein. So schnell, wie es nur Weltklasseathleten bei den Männern machen.

Neue Videobilder

Ihre Erkenntnisse leiteten sie weiter, Miller wurde disqualifiziert. Ihre früheren Rennen wurden zudem analysiert und siehe da, wieder tauchten Unregelmässigkeiten auf. Man strich diese Resultate ebenfalls (so auch den Weltmeistertitel von 2014). Gar ein Mountainbike-Rennen in den Bergen löste Verdachtsmomente aus.

Miller bestreitet ihr Mogeln noch immer. Neue Videobilder kamen diese Wochezum Vorschein, sie belasten Miller noch schwerer. Sie schweigt.

Miller ist mit ihrem Betrügen nicht die Einzige. Rosie Ruiz gewann 1980 den Boston Marathon, weil sie die U-Bahn genommen hatte. Oder da gibt es Kip Litton, ein Zahnarzt, der von sich sagte, dass er regelmässig Marathons unter drei Stunden lief. Um dies zu belegen, ging er so weit, dass er einen Fake-Marathon in Wyoming erfand, mit einer Fake-Website, Fake-Funktionären und einem Fake-Gewinner.

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