«Man kann sich Titel kaufen»

Nach dem vierten Platz im Vorjahr steht Swica Volley Münsingen vor der Saison der Bestätigung. Trainer Marc Gerson erwartet gegenüber dem Vorjahr einen Rückschritt und hadert mit der fehlenden finanziellen Unterstützung.

Mit einer «Schweizer Mannschaft» will Swica Volley Münsingen in der neuen Saison gegen die vornehmlich mit Ausländern agierende Konkurrenz bestehen. Im Kader von Trainer Marc Gerson befinden sich mit dem kanadischen Zuzug Kyle Joslin und Carlos Guerra (Mexiko) nur zwei ausländische Verstärkungsspieler – wobei Guerra mit einer Knieverletzung noch für unbestimmte Zeit ausfällt.

Auf Grund eines vergleichsweise kleinen Budgets waren für die Münsinger auf dem Transfermarkt keine grossen Sprünge möglich. Die Aaretaler setzen in ihrer dritten NLA-Saison nach dem Aufstieg 2006 vor allem auf lokal ausgebildete Spieler – gleich 8 Berner figurieren im 12-Mann-Kader der Münsinger.

Stagnation gleich Rückschritt

Nach dem vierten Platz im Vorjahr steht Swica Volley Münsingen vor der Saison der Bestätigung. Coach Marc Gerson warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen. «Wir können uns nicht mit den besten Schweizer Vereinen vergleichen. Mir steht ein Amateurkader zur Verfügung, sodass ich praktisch nie mit allen Spielern gleichzeitig arbeiten kann.» Gerson zeigt sich vor allem über das Verhalten des Münsinger Gewerbes enttäuscht. «Der Klub ist auf einem guten Weg, wir haben ein Fundament an Schweizer Spielern, auf dem sich aufbauen lässt. Aber ohne grössere finanzielle Unterstützung aus der Region ist der Schritt an die Spitze nicht zu vollziehen. Nun muss ich meine Ambitionen nach unten schrauben.» Der Luxemburger lässt kein gutes Haar am NLA-Reglement, das (noch) von einer Ausländerbeschränkung absieht. «Man kann sich im Hallenvolleyball die Titel mittlerweile kaufen, dazu stehe ich», sagt er energisch. «Die tägliche Arbeit ist dadurch etwas frustrierender geworden, die Liebe zum Volleyball schwindet ein wenig.»

Sinnvolle Transfers

Mit den Schweizer Spielern Fortschritte zu erzielen, daraus schöpft Gerson nun seine Motivation. «Es ist wie im richtigen Leben, du musst mit jenen Frauen tanzen, die im Saal sind», erzählt der 54-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Die Saisonvorbereitung wurde durch den Umstand erschwert, dass sich die meisten Münsinger während der Sommermonate ihre Sporen im Sand abverdient und sich aufs Beachvolleyball konzentriert haben. «Die Spieler kommen dadurch in einem körperlich guten Zustand zu uns zurück, aber es bleibt weniger Zeit, die neuen Automatismen zu trainieren.» Die Abgänge von Captain Patrick Trachsel, den beiden Zuspielern Philipp Reinmann und Adrian Abplanalp sowie Libero Hannes Wyder (Weltreise) hat Münsingen quantitativ kompensieren können. Nationalspieler Mike Morgenthaler (von Sursee) wird die Libero-Position einnehmen, der 2,05-Meter-Riese Samuel Büschi stiess von Näfels zu den Münsingern, nachdem er bei den Glarnern in der letzten Saison nur vereinzelt zum Einsatz gekommen war und keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte. Der Einheimische Michel Kertai wird vorerst den Platz des verletzten Guerra einnehmen.

«Ich habe im Moment nur wenig Alternativen», sagt Gerson, der sich nicht auf ein konkretes Ziel fixiert hat. «Ich muss die ersten paar Spiele abwarten, dann werde ich mehr wissen.»

Keine Europacup-Teilnahme

Die starke letzte Saison hat bei Swica ihre Spuren hinterlassen, das finanzielle Defizit bewegt sich im tiefen fünfstelligen Bereich, sodass sich die Vereinsverantwortlichen notgedrungen zu einem Rückzug aus dem Europacup-Wettbewerb entschieden. «Ich kann den Entscheid der Klubführung schon verstehen, aber der Motivation der Spieler ist er sicher nicht förderlich», sagt Gerson.

Für die Münsinger scheint ein Mittelfeldplatz realistisch, zumindest Aufsteiger Andwil, Sursee und auch Lugano sollten in Reichweite liegen. Gegen Sursee starten die Aaretaler morgen vor Heimpublikum in die neue Saison. Ein Sieg der Münsinger würde die Gemütslage von Marc Gerson mit Sicherheit etwas verbessern.

Berner Zeitung

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