FC Thun

Kampf um die Macht im Stadion

FC ThunIm Vorfeld der Generalversammlung der FC Thun AG vom Dienstag werfen die Stadioninvestoren der AG Vertragsbruch vor. Der im Mai neu gewählte Verwaltungsrat wiederum schliesst einen Rücktritt nicht aus.

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Vor der Generalversammlung (GV) der FC Thun AG vom nächsten Dienstag ist zwischen dem Verwaltungsrat der AG und der Genossenschaft Fussballstadion Thun-Süd ein «Positionsgerangel» (Zitat Thuns VR-Präsident Markus Stähli) im Gang. Von den Investoren des geplanten Stadions, welche auch die Interessen der Genossenschaft vertreten, erhalten die Thuner während dreier Jahre ein Darlehen von 1 Million Franken pro Saison. Nur dank dieser Summe konnte Anfang Jahr der Spielbetrieb der ersten Mannschaft aufrechterhalten werden. Liegt die Baubewilligung für das Stadion in Thun-Süd vor (voraussichtlich im Frühling 2009), wird das Darlehen in eine Schenkung umgewandelt.

Das Stadion ist nach der Fertigstellung – wohl 2011 – im Besitz der Genossenschaft beziehungsweise von deren noch zu gründenden Tochterfirma, der Stadion Betriebs-AG. Die Genossenschaft schloss mit dem früheren Verwaltungsrat der FC Thun AG um Kurt Weder einen Vertrag, wonach sie der FC Thun AG für 500000 Franken einen Drittel der 10'000 Aktien (3334) abkauft. An künftigen Generalversammlungen wäre es für die Genossenschaft so ein Leichtes, Statutenänderungen, für die der VR eine Zweidrittelmehrheit benötigt, abzulehnen. Dieses Szenario passt Stähli, der im Mai 2008 zum VR-Präsidenten gewählt wurde, nicht. «Die Investoren, die Genossenschaft und die FC Thun AG sollten drei möglichst paritätische Kräfte darstellen», sagt er. Er wolle der AG die Selbstständigkeit bewahren. «Mit dem Erwerb der 3334 Aktien käme die Genossenschaft für relativ wenig Geld zu sehr viel Einfluss. Den Vorwurf, wir hätten den FC Thun verkauft, wollen wir uns nicht gefallen lassen müssen.»

VR plant Statutenänderung

Ferdinand Locher, der die Interessen der Investoren Arco Real Estate und HRS AG vertritt, sieht darin einen Vertragsbruch: «Der Verkauf hätte schon lange vollzogen werden müssen. Der FC Thun hält sich nicht an die Vereinbarungen.» Stähli widerspricht: «Der Verkauf wurde nicht auf einen bestimmten Termin festgelegt. Zur ursprünglichen Vereinbarung wurde später sogar ein Zusatzvertrag entworfen, der besagt, dass die Aktien vorerst nicht verkauft werden.» Dies sei zu Gunsten der Genossenschaft geschehen, weil diese als Käuferin im Frühjahr nicht sicher sein konnte, dass die FC Thun AG den Konkurs vermeiden kann.

Stähli gibt zu, dass dem neuen Verwaltungsrat auch die Besetzung der Genossenschaftsverwaltung Probleme bereitet. Mit Carlos Reinhard und Marc Zahnd, dem Ex-Finanzchef, sitzen dort zwei ehemalige Verwaltungsräte aus der Ära Weder.

Der Verwaltungsrat versucht an der GV, einem Machtgewinn der Genossenschaft entgegenzuwirken. Mittels Statutenänderung will er eine Stimmkraftbegrenzung einführen. Ein Aktionär könnte demnach höchstens die Stimmen von zehn Prozent aller Aktien abgeben, egal, wie gross sein Aktienpaket ist. Damit soll verhindert werden, dass Grossaktionäre – wie es die Genossenschaft nach der Übernahme der 3334 Aktien wäre – zu viel Einfluss auf die AG erhalten. Mit einer sogenannten Vinkulierung will der VR zudem eine Kontrolle über das Aktionariat herstellen. Die Übertragung von Namensaktien dürfte nur mit Zustimmung der AG vollzogen werden. Die Übertragung würde etwa dann verweigert, wenn jemand mehr als zehn Prozent aller Namenaktien auf sich vereinigt. «Das ist nicht in unserem Sinn. Wenn wir den FC Thun finanziell über Wasser halten, wollen wir auch den entsprechenden Einfluss», sagt Locher. Abstimmen können die Investoren an der GV nicht, sie besitzen keine Aktien.

Die Drohung der Investoren

Wenn die Aktionäre der Statutenänderung zustimmen – wovon Locher ausgeht –, überlegen sich die Investoren das weitere Vorgehen. Locher schliesst nicht aus, dass die Geldgeber die finanziellen Zuwendungen an den FC Thun stoppen und sich auf den Bau des Stadions konzentrieren. «Ich weiss nicht, ob der Verwaltungsrat das möchte» Das Klügste sei daher, wenn der Verwaltungsrat noch vor der GV die beiden Statutenänderungen von der Traktandenliste streiche.

Die AG signalisiert der Genossenschaft (und damit den Investoren) Kompromissbereitschaft, indem sie bereit wäre , die 3334 Aktien zu verkaufen, wenn deren Stimmkraft zu gleichen Teilen zwischen Arco Real Estate, HRS AG und Genossenschaft aufgeteilt würde. So, meint Stähli, wären die Machtverhältnisse ausgeglichener. «Diesem Vorschlag stimmen wir allenfalls zu», sagt Locher. Die Genossenschaft hält heute eine Versammlung ab, an der auch Stählis Vorschlag diskutiert wird. Vielleicht findet sich also noch vor der GV eine Lösung. Ansonsten könnten beim heute überschuldeten FC Thun noch unruhigere Zeiten anbrechen. Möglicherweise müsste wieder eine neue Führung gefunden werden: «Wenn die Entscheide nur noch von der Genossenschaft und den Investoren gefällt werden, braucht die FC Thun AG keinen eigenen Verwaltungsrat mehr», sagt Stähli, «und es könnte sein, dass wir die Ämter zur Verfügung stellen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.10.2008, 08:39 Uhr

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