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Ärztin bleibt Radprofi«Sport ist nicht lebensnotwendig»

Radprofi Marlen Reusser bereitet sich weiterhin auf die Olympischen Spiele vor. Im Notfall fährt die Ärztin in der eigenen Wohnstube Velo.

Schweizer Meisterin Marlen Reusser fährt seit diesem Jahr für das Schweizer Team Bigla-Katusha.
Schweizer Meisterin Marlen Reusser fährt seit diesem Jahr für das Schweizer Team Bigla-Katusha.
Sean Robinson/Velofocus.com

Erst vor einem Jahr hat Marlen Reusser ihre Karriere als Radprofi gestartet. Vorher war sie als Amateurin erfolgreich unterwegs und hatte parallel ihr Medizinstudium abgeschlossen und arbeitete als Assistenzärztin. Eine Rückkehr ins Spital kam für die Chirurgin trotz der Coronavirus-Krise bis anhin noch nicht infrage. Nach der Richtigkeit des aktuellen Vorgehens der Behörden gefragt, meint sie: «Ich bin nicht Virologin. Ich vertraue den Fachkräften und finde, die Schweiz geht vernünftig mit der Situation um.»

Volkskurs in Händedesinfektion

Gedanken macht sich die 28-Jährige aus Hindelbank dennoch. «Die Leute sind teilweise zu wenig vorsichtig. Meine Beobachtungen zeigen: Ein Volkskurs in Händedesinfektion wäre nötig.» Reusser hält jedoch fest: «Panik ist jetzt fehl am Platz. Nur richtiges und vernünftiges Verhalten hilft.»

Die aktuelle Schweizer Meisterin auf der Strasse und im Zeitfahren setzt derzeit ihr Training fort. «Noch habe ich keine Einschränkungen. Aber Velo fahren kann ich notfalls auch im Wohnzimmer auf der Rolle.» Denn noch immer hofft Reusser auf ihre ersten Olympischen Spiele, die am 24. Juli in Tokio beginnen sollten. Mit ihren Leistungen im ersten Profijahr 2019, als sie das Zeitfahren der European Games gewann und an der WM den 6. Rang erreichte, holte sie für die Schweizer Frauen zwei Quotenplätze für Japan. Prognosen seien derzeit schwierig, meint die Emmentalerin, aber solange die Sommerspiele nicht abgesagt seien, bereite sie sich so vor, als würden diese stattfinden. Der Formaufbau passt jedenfalls. Im Februar hat sie an der viertägigen Rundfahrt um Valencia einen 4. Etappenplatz und den 5. Gesamtrang erreicht. Reusser hatte dabei in ihrem neuen Team Bigla-Katusha die Rolle als Helferin für die Leaderin Clara Koppenburg perfekt wahrgenommen. Die Deutsche wurde Gesamtzweite.

Fortschritte im Feld

Auch die Auftritte zuletzt bei den Frühlingsrennen in ihrer Heimat haben Reusser gezeigt, dass sie gut unterwegs ist. Die (Anfangs-)Zeit der vielen Stürze scheint vorbei zu sein. «Ich spüre, wie ich Fortschritte mache, mich im Fahrerfeld immer besser positioniere.» Der Fahrplan stimmt also. Und dennoch könnte der Traum von den Olympischen Spielen platzen. «Natürlich wäre ich bei einer Absage traurig, aber ein menschliches Schicksal wäre das nicht.» Diesbezüglich hat Reusser nicht zuletzt als Ärztin anderes gesehen. Pragmatisch hält sie fest: «Sport ist schön und gut, aber bestimmt nicht lebensnotwendig.»