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Warten und Bangen beim FC ThunSpäter Rückschlag

Der Corona-Fall bei Xamax liess die Thuner am Mittwoch lange im Ungewissen. Trotzdem überzeugten sie in Lugano zunächst, wurden danach aber für ihre Passivität bestraft.

Premiere: Nias Hefti erzielt in Lugano sein erstes Tor in der Super League überhaupt. Doch den Thunern sollte das Lachen später noch vergehen.
Premiere: Nias Hefti erzielt in Lugano sein erstes Tor in der Super League überhaupt. Doch den Thunern sollte das Lachen später noch vergehen.
Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Der FC Thun spielte am Mittwoch gegen den FC Lugano. So banal diese Feststellung auch sein mag, so nötig scheint sie in diesen Tagen, an denen quasi täglich Spielverschiebungen bekannt gegeben werden. Seit letzte Woche die Coronafälle beim FC Zürich publik wurden, ist die hiesige Fussballwelt wieder ins Wanken geraten, nach demjenigen am Dienstagabend bei Xamax noch etwas mehr.

Es ist dieser Moment, der auch in den Reihen der Thuner eine gewisse Unsicherheit auslöste, denn schliesslich hatten die Oberländer noch am Sonntag gegen die Neuenburger gespielt, sich mit dem 3:0-Erfolg Luft verschafft im Abstiegskampf. Doch übers Sportliche reden die meisten dieser Tage wieder nur noch in Nebensätzen. «Klar», sagt Andres Gerber. «Diese Situation beschäftigt uns alle.» Der Thuner Sportchef erzählt im Cornaredo vom mühsamen Warten, das alle Beteiligten den ganzen Tag über begleitet habe. Das Warten darauf, was die Liga betreffend Xamax entscheiden würde. Denn was, wenn die Neuenburger alle in Quarantäne müssten?

Den Thunern blieb am Dienstag keine Zeit, alle Spieler und Staffmitglieder eines Coronatests zu unterziehen, bis anhin wurde dies vonseiten der SFL auch nicht vorgeschrieben. Gerber sagt, man halte sich diesbezüglich an die Weisungen der Liga. «Die Situation ändert sich ständig, aber wir wollen und müssen uns aufs Fussballspielen fokussieren.»

Passivität wird bestraft

Es ist eine Aussage, die zeigt, dass die Vorbereitung aufs Kerngeschäft momentan nicht einfach ist. Und doch lässt sich am Mittwochabend um 22.20 Uhr konstatieren: Der FC Thun spielt beim FC Lugano 1:1 und holt einen Punkt im Abstiegskampf. So lässt es sich positiv formulieren. Denn eigentlich sah es lange danach aus, als würden die Thuner gar drei Punkte mitnehmen können – etwas, das in Anbetracht der mehrheitlich schwachen Auftritte auf fremdem Terrain seit dem Wiederbeginn einer mittelgrossen Überraschung gleichgekommen wäre.

Nias Hefti hätte sich in diesem Fall als Held feiern lassen können. Der junge St. Galler ist seit fünf Spielen wieder gesetzt im Team von Marc Schneider, nicht nur wegen seiner defensiven Qualitäten, sondern auch wegen seines Vorwärtsdrangs, den er nach 55. Minuten einmal mehr unter Beweis stellte. Der 20-Jährige zog von links in die Mitte, wurde von Miguel Castroman bedient und schloss überlegt in die nahe Torecke ab. Es war das erste Tor in der Super League für Hefti. Eines, das in den Reihen der Thuner zwar überschwängliche Freude auslöste, aber gleichzeitig auch lähmend zu wirken schien.

Der Angriff zu viel

Denn nach dem Führungstreffer zog sich die Equipe von Marc Schneider immer mehr zurück und überliess den Luganesi das Spieldiktat. Doch Passivität kommt dem Spiel der Thuner nicht gut an. Es ist eine Feststellung, die Schneider schon oft machen musste. Und trotzdem igelten sich seine Spieler immer mehr im Strafraum ein. Das ging lange gut. Nikki Havenaar und Chris Kablan retteten mehrfach in höchster Not, und als Alexander Gerndt aus sechs Metern nur die Latte traf, schien endgültig klar, dass Fortuna an diesem Abend Thunerin sein musste.

Zwei Minuten vor dem Ende kam er dann, der Angriff zu viel für die Thuner Defensive. Stefano Guidotti behielt im Gewühl die Übersicht und drückte den Ball zum Ausgleich über die Linie. Es ist ein später Dämpfer für den FCT, der mit einem Sieg bis auf vier Punkte an die Tessiner hätte rankommen können. Dennoch ist gut möglich, dass dieser eine Punkt im engen Abstiegskampf ein entscheidender Schritt Richtung Ligaerhalt sein wird. Am Sonntag steht das Heimspiel gegen den FC St. Gallen an. Für diejenigen, die das Sportliche überhaupt noch interessiert.