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Folgen des CoronavirusSozialhilfebezüger trifft es hart

Treffpunkte und Lebensmittelabgabestellen sind in Burgdorf geschlossen: Viele Angebote für Sozialhilfebezüger haben den Betrieb eingestellt. Das stellt den Sozialdirektor der Stadt vor ganz neue Herausforderungen.

So sah das Vereinslokal der Randständigen bei der Eröffnung im vergangenen Sommer aus. Nun ist es geschlossen.
So sah das Vereinslokal der Randständigen bei der Eröffnung im vergangenen Sommer aus. Nun ist es geschlossen.
Foto: Marcel Bieri

Für jene, die am Rande der Gesellschaft stehen, ist es besonders schwer, Tag für Tag zu Hause zu bleiben. Denn sie leben in bescheidenen Sozialwohnungen. Ein Zufluchtsort ist für die Burgdorfer Randständigen ihr Vereinslokal. Im vergangenen Jahr konnten sie dieses in der Garage neben der alten Butterzentrale einrichten.

Doch letzte Woche hat die Stadt das Lokal geschlossen. Aus demselben Grund, aus dem so viele Lokale schliessen mussten: eine Massnahme gegen die Verbreitung des Coronavirus. «Die Randständigen haben verständnisvoll reagiert», sagt Peter Leuenberger, Leiter der Sozialdirektion. Auf der Rampe vor der Butterzentrale könnten sie in Zweiergruppen und mit der nötigen Distanz aber weiterhin verweilen. «Die Rampe abzusperren, wäre kontraproduktiv», sagt Leuenberger. Denn sonst würden sie sich andernorts treffen. «So haben wir einen Ort, an dem wir sie ansprechen können.»

Peter Leuenberger, Leiter der Burgdorfer Sozialdirektion.
Peter Leuenberger, Leiter der Burgdorfer Sozialdirektion.
Foto: Thomas Peter

In diesen Zeiten einen Ansprechpartner zu haben, sei für die Randständigen wichtig, so Leuenberger. Die Mitarbeiter von der Suchthilfestiftung Contact sind nach wie vor zweimal in der Woche vor Ort, bieten Beratung an.

Doch nicht nur für die Randständigen, auch für andere Menschen, die Sozialhilfe beziehen würden, sei die Situation momentan besonders schwierig, sagt Leuenberger. «Jetzt sind sie noch mehr sozial isoliert.» Viele Menschen telefonieren nun mit Freunden und Angehörigen oder treffen sich über Skype zu einem Schwatz. «Sozialhilfebezüger haben aber oftmals nur beschränkte Kommunikationsmittel und beispielsweise kein WLAN.»

Keine kostenlosen Lebensmittel

Zudem fallen nun einige Angebote weg, die ihnen das Leben etwas leichter machten. Beispielsweise hat «Tischlein deck dich» den Betrieb eingestellt. Die Organisation gibt auch in Burgdorf gespendete Esswaren von Lebensmittelgeschäften kostenlos an Sozialhilfebezüger ab. «Tischlein deck dich nimmt den Schutz seiner Freiwilligen sowie seiner Kundinnen und Kunden sehr ernst. Auch wir sind in der Verantwortung, unsererseits einen Beitrag zu leisten, um dem Coronavirus möglichst eine geringe Angriffsfläche zu bieten und Gruppenbildungen zu vermeiden», schreibt die Organisation auf ihrer Website.

«Wir haben 30 Prozent mehr Anrufe.»

Peter Leuenberger, Leiter Sozialdirektion

Zwar können die Lebensmittelkarten nun bei Caritas-Läden eingelöst werden. In Burgdorf gibt es allerdings kein solches Geschäft, das nächste befindet sich in Bern. «Dann müssen sie sich ein Zugbillett kaufen, das hält viele ab», ist sich Leuenberger bewusst.

Die Sozialdirektion biete Hilfe an, so gut sie könne, sagt Leuenberger. Telefonisch sind die Mitarbeitenden für Beratungsgespräche erreichbar, in Härtefällen können auch Termine vor Ort vereinbart werden. Das Angebot stösst derzeit auf besonders grosse Nachfrage. «Wir haben 30 Prozent mehr Anrufe.» Viele kommen von Selbstständigerwerbenden, die um ihre Existenz fürchten. Und von Sozialhilfebeziehenden, die ihre Auflagen nicht erfüllen können. «Sie können keine Bewerbungen schreiben, weil es in vielen Branchen schlichtweg keine Stellen gibt.» Deshalb gebe es von der Sozialdirektion Burgdorf derzeit keine Auflagen zur Anzahl Bewerbungen mehr, so Leuenberger.