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Soundcheck aus WorblaufenSoul mit Hand und Fuss

Ein entspannter 1. August ohne Reden und Ermahnungen, dafür mit Soul-Musik: Irina & Jones spielten im Wagen zum Glück.

Kultivieren mit minimalen Mitteln einen satten Soul-Sound: Irina & Jones
Kultivieren mit minimalen Mitteln einen satten Soul-Sound: Irina & Jones
Susanne Keller

Ein 1. August mit Hudigäggeler und Alphorngebläse? Das war einmal. Dass in den Städten eine multikulturelle Gesellschaft lebt, das hört man in Bern auch am Schweizer Nationalfeiertag. Vor allem an den kleinen Quartierfesten und Zusammenkünften, denen der förmliche Charakter abgeht. Und das sind – aufgrund der Absage der offiziellen Feiern – eigentlich alle.

Auf der Velofahrt von Bern nach Worblaufen dröhnen einem, neben den üblichen Böllern und Knallfröschen, die verschiedensten Musikstile entgegen: mexikanische Polka, Technobeats, Afrofunk und 80er-Oldies. Anything goes. Auch musikalisch sucht sich heute jede und jeder seine Heimat selber.

Im Wagen zum Glück, direkt an der Aare und ganz nahe an der Tiefenaubrücke in Worblaufen, kann man sich durchaus zu Hause fühlen. Der Abend ist sommerlich warm, die Stimmung locker, die Gäste sind meist jung, der Nachwuchs ist noch klein. Und auf der Bühne steht (beziehungsweise sitzt) das Duo Irina & Jones, das mit minimalen Mitteln einen satten Soul-Sound kultiviert.

Da ist Jonas «Jones» Zahnd, ein Berner Musiker und Studiotüftler. Er hat an diesem Abend nicht nur alle Hände, sondern auch alle Füsse voll zu tun. Ein Eigenbaukonstrukt aus Pedalen und Schläuchen erlaubt es Jones, gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug zu spielen. Wer nun einwendet, dass solche One-Man-Bands in der Strassenmusik ja längst gang und gäbe seien, wird der Sache nicht gerecht. Die Beats von Jones mögen manchmal hinken, aber dann tun sie es mit Absicht.

Jones schlägt mit den Füssen knackige Funkbeats mit progressiver Attitüde, er verschleppt die Schläge und scheut keinen Rhythmuswechsel. Dazu spielt er eine trockene, vorwärtstreibende Gitarre, die er in besonderen Momenten in üppig ausstaffierte Soundlandschaften entführt. Es ist unüberhörbar: Dieser Mann ist ein Profi.

Mit der Bielerin Irina Mossi hat Jones eine Sängerin mit einer natürlichen, positiven Bühnenpräsenz und einer vielseitigen Soul-Stimme gefunden, die nicht selten an Whitney Houston erinnert. Sie reisst Jones mit ihrem Temperament immer wieder aus der Konzentration und bringt ihn zum Grooven, was in diesem Genre bekanntlich nicht schaden kann.

Zusammen spielen sich Irina & Jones durch ein Set mit eigenen Songs und Coverversionen von Bob Marley über Nina James bis Stevie Wonder. Irina verweist mit Stolz auf ihre kongolesischen und Schweizer Wurzeln, preist das Recht zur Selbstbestimmung und erzählt von ihren Reisen nach Jamaika, wo sie sich mit der karibischen Musik beschäftigt hat.

Das Publikum ist schnell auf den Beinen, um sich zu den – nicht immer ganz simplen – Rhythmen des Duos zu bewegen. Dass hier nur zwei am Werk sind, hört man kaum, denn Jones weiss auch, wie man moderne Technik einsetzt. Und dass man ohne grossen Personalaufwand erfolgreich Soul-Musik spielen kann, macht ja zurzeit das amerikanische Duo Black Pumas auf eindrückliche Weise vor.

Die Stimmung an diesem 1. August ist ausgelassen, aber nicht übermütig, die Festreden und Corona-Verlautbarungen werden nicht vermisst. Und wie geht es weiter? Von Irina Mossi soll bald ein Soloalbum erscheinen, das – wen wunderts – von Jones produziert wird.

Was den Wagen zum Glück angeht: das Wirtepaar zieht mit Sack und Pack weiter ins Zehndermätteli und bei der Tiefenaubrücke ist ein Wassersport-Zentrum geplant. Wir werden sehen

Nächstes Konzert Irina & Jones: 14. August, Müli Openair Deisswil