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Geldblog: Marktschrei(b)erSonova hofft auf das Paradies

Gesund bleiben mit Zurich +++ Alibaba hilft Pandemie-Opfer Dufry +++ Ems-Chemie wird den Vorsprung halten +++ Glarner Kantonalbank verschmerzt Chefabgang

Hörgeräteherstellung in Stäfa ZH: Das neue Produkt Paradise von Sonova soll an den Erfolg von Marvel anknüpfen.
Hörgeräteherstellung in Stäfa ZH: Das neue Produkt Paradise von Sonova soll an den Erfolg von Marvel anknüpfen.
Foto:  Christian Beutler(Keystone)

Sonova: Kaufen

Ich habe stets ein offenes Ohr für Sonova. So habe ich den jüngsten Investorentag aufmerksam verfolgt. Der Hörgerätehersteller bestätigte, dass sich die Nachfrage seit Mai erstaunlich gut erhole. In Deutschland etwa lag das Absatzvolumen von Juni bis August klar über Vorjahr. Insgesamt rechnet Sonova für das laufende Geschäftsjahr, das Ende März 2021 zu Ende geht, mit einem Umsatzrückgang von bloss etwa 7 Prozent und einer steigenden Betriebsgewinnmarge. Ein Element für die optimistische Einschätzung ist eine neue Hörgerätelinie namens Paradise, die im August auf den Markt gebracht wurde. Sie soll an den Erfolg der Vorgängerlinie Marvel (Wunder) anknüpfen. Mit Marvel hat es Sonova geschafft, nach mässigen Jahren wieder Marktanteile zu gewinnen. Meines Wissens war es die erfolgreichste Produktlancierung der Unternehmensgeschichte. Ich denke, mit Paradise wird es Sonova gelingen, das Momentum aufrechtzuerhalten. Die Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29 für 2021 nicht besonders günstig. Aber mittelfristig sollte sich ein Engagement lohnen.

Zurich Insurance: Kaufen

Das Management des Versicherers Zurich Insurance hat die Ambition, global bei Firmen und Privathaushalten als bevorzugter Versicherungsdienstleister zu gelten. Passend dazu hat der Konzern vergangene Woche den Erwerb von HealthLogix und die Schaffung des Geschäftsbereichs LiveWell bekannt gegeben. Mit Online-Beratungs- und Hilfediensten soll die Krankenversicherung zur Gesundbleibeversicherung erweitert werden. Die Zurich-Aktien haben seit Jahren einen guten Lauf. Die Valoren werden von den Investoren zum Eineinhalbfachen des Bilanz- bzw. Buchwerts gehandelt – deutlich über dem Branchenschnitt. Wesentlicher Grund dafür sind die Managementdienste, die der Schweizer Konzern für die US-Versicherungsgenossenschaft Farmers erbringt. Daraus fliessen hohe Honorare, die den Konzerngewinn ohne Belastung der Eigenmittel um rund ein Drittel vergrössern. Das macht die Zurich-Aktien dauerhaft attraktiv. Der Jahresüberschuss wird zwar wegen Sonderlasten der Pandemie schrumpfen. Doch die Kapitalausstattung nährt die Erwartung, die Dividende werde konstant bleiben.

Dufry: Halten

Dufry ist an der Schweizer Börse zum Synonym für die Corona-Krise geworden. Der Detailhandel an Flughäfen ist praktisch zum Erliegen gekommen, die Dufry-Aktien haben in diesem Jahr 60 Prozent ihres Werts verloren. Nun sorgt Alibaba zur Abwechslung für etwas Kursfantasie. Das angekündigte Joint Venture mit dem chinesischen Handelsriesen ist zweifellos ein Erfolg. Dufry erhält Zugang zum rasch wachsenden chinesischen Markt, der in der Vergangenheit vernachlässigt wurde. Insbesondere für Luxusartikel sind die Chinesinnen und Chinesen bereit, viel Geld auszugeben. Zudem könnte der Basler Konzern von Alibabas E-Commerce-Kompetenz profitieren – ein weiteres Zukunftsgebiet. Alibaba wiederum kann den Kunden internationale Top-Brands aus dem Dufry-Netzwerk anbieten. Aber ob sich damit Dufrys Geschäft revolutionieren lässt, muss sich weisen. Noch ist der Deal eine Blackbox und abhängig von der Erholung im internationalen Reiseverkehr. Dafür gibt es noch keine Anzeichen.

Ems-Chemie: Halten

Gerade in Zeiten wie diesen zählt doppelt und dreifach, wenn ein Unternehmen die Rentabilität hochhält, anhaltend viel Cash generiert und dahinter auch noch eine grundsolide Bilanz steht. Auf Ems-Chemie trifft all das zu. Wegen dieser Kombination aus Sicherheit und Leistungsvermögen dienen die Aktien vielen Investoren als sicherer Hafen. Der Kurs verdeutlicht das: Er liegt rund ein Drittel über dem Stand von Anfang Jahr. Neben der Schutzfunktion spielt manch anderes eine untergeordnete Rolle – die (vorübergehend) deutliche Umsatzeinbusse ebenso wie die hohe Bewertung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2021 beträgt 40. Der Neunmonatsumsatz liegt auf vergleichbarer Basis 18 Prozent unter Vorjahr, der Drittquartalsumsatz noch 9 Prozent. Trotz dieser Makel dürfte die Funktion als sicherer Hafen angesichts der Sorgen um die Pandemie und um die Konjunktur weiter anhalten. Sollte der Aktienmarkt unter Druck kommen, ist ungeachtet der hohen Bewertung mit einer weiteren Outperformance zu rechnen. Aber nur dann. Sonst dürfte es für Ems-Chemie schwer werden, sich vom Gesamtmarkt noch weiter abzusetzen.

Glarner Kantonalbank: Kaufen

Kantonalbanken sind meist ruhige Zeitgenossen. Umso grösser mein Erstaunen, als Anfang Woche die Glarner Kantonalbank (GLKB) bekannt gegeben hat, dass ihr Chef Hanspeter Rhyner die Bank verlässt und die Führung der Zuger Kantonalbank (ZGKB) übernimmt. In seinen sieben Jahren an der Spitze der GLKB hat Rhyner vor allem den Ausbau digitaler Vertriebskanäle forciert und damit auch ausserhalb des Kantons neue Einnahmequellen erschlossen. In Zug erhofft man sich wohl eine Wiederholung davon. Die, gemessen am Börsenwert, um einiges grössere Bank hat sich bei der Digitalisierung bislang nicht gross profiliert und es auch nicht geschafft, die räumliche Nähe zum Crypto Valley zu ihrem Vorteil zu nutzen. Obwohl beide Titel eher wenig gehandelt werden, schwingen GLKB-Papiere aus Anlegersicht obenaus: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (für den geschätzten Gewinn von 2021) von 15 sind sie günstig bewertet. Die ZGKB liegt dagegen bei stattlichen 25. Zudem gehört GLKB mit einer Eigenkapitalrendite von 7,1 Prozent zu den rentabelsten Kantonalbanken. Sie dürfte effektiv Aktionärswert schaffen, was in der Branche selten ist.

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.