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Vekselberg wehrt sich gegen US-Sanktionen

Der Oligarch hat in Washington um die Aufhebung der Strafmassnahmen ­nachgesucht – sie gefährden längerfristig die Existenz seines Imperiums.

Dem Oligarchen stehen Millionen von Franken zu, auf die er nicht zugreifen kann: Der Leidensdruck bei Viktor Vekselberg ist gross. Foto: Reuters
Dem Oligarchen stehen Millionen von Franken zu, auf die er nicht zugreifen kann: Der Leidensdruck bei Viktor Vekselberg ist gross. Foto: Reuters

Die amerikanischen Sanktionen gegen die Oligarchen im Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin seien «illegal und unfair», verkündete Viktor Vekselberg im Oktober in Moskau. Er werde dagegen «klagen», bekräftigte der Oligarch und Grossaktionär von Sulzer und OC Oerlikon mit Wohnsitz in Zug.

Inzwischen ist der Leidensdruck so gross, dass er beim US-Finanzministerium intervenierte. «Wir haben das Gesuch um Überprüfung der Sanktionen eingereicht», bestätigt Andrei Shtorkh, Vekselbergs Sprecher in Moskau, der SonntagsZeitung auf Anfrage.

Vekselberg wurde klar, dass die am 6. April verhängten Sanktionen sich zur existenzbedrohenden Krise für ihn und seine Firmengruppe Renova auswachsen können. Um den Winterthurer Technologiekonzern Sulzer, an dem er damals 63 Prozent hielt, aus der Schusslinie zu nehmen, musste er im April seine Beteiligung unter 50 Prozent reduzieren. Dazu verkaufte er 5 Millionen Sulzer-­Aktien an das Unternehmen. Den Erlös von 546 Millionen Franken bekam er aber nie zu sehen, er wurde auf Anordnung der Sanktionsbehörde Ofac in die USA transferiert. Das Geld sei «nach wie vor auf den Sperrkonten blockiert», sagt ein Sprecher von Sulzer.

Auch die 75 Millionen Franken Dividende, die Vekselberg 2018 zustehen, bleiben blockiert. «Solange Sanktionen gegen Renova bestehen, zahlen wir keine Dividenden an Tiwel aus», sagt ein Sprecher von Sulzer. Tiwel ist ein Finanzvehikel, das Vekselbergs auf 48,8 Prozent reduzierte Beteiligung an Sulzer hält. Sein Anteil an der Sulzer-Dividende kommender Jahre «verbleibt zur Zahlung in unseren Büchern», heisst es bei Sulzer. In wenigen Jahren kommen so Hunderte Millionen Franken zusammen, die Vekselberg zustehen, auf die er aber nicht zugreifen kann.

Sein Vermögen schrumpfte um zwei bis drei Milliarden

Wieso reduziert Vekselberg seine Beteiligung an Tiwel nicht so weit unter 50 Prozent, dass sie vom Radar der US-Sanktionsbehörde Ofac verschwindet? Denn bei OC Oerlikon floss die Dividende 2018 an den Oligarchen, nachdem er seine Anteile an der Firma Liwet, die seine Oerlikon-Aktien hält, unter 45 Prozent gesenkt hatte.

Will ihm kein Grossinvestor ein Tiwel-Paket zu einem annehmbaren Preis abnehmen? Oder hat Vekselberg Angst, über seine wichtigste Schweizer Industriebeteiligung vollends die Kontrolle zu verlieren, wenn er die Anteile an Sulzer nochmals markant reduziert? Sein Moskauer Büro will dazu nicht Stellung nehmen.

Die Sanktionen haben Vekselbergs Vermögen laut dem Anlegermagazin «Forbes» um 2 auf 12 Milliarden Dollar schrumpfen lassen. Laut dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» ist er gar drei Milliarden Franken ärmer geworden.

Solche Wertverluste steckt auch ein Multimilliardär nicht locker weg. Gefährlich für Vekselberg ist, dass er und Unternehmen, auf die er einen starken Einfluss hat, von der Geschäftswelt gemieden werden: Niemand will riskieren, von Transaktionen in Dollars ausgeschlossen zu werden. Das führte dazu, dass Sulzer sich freikaufen musste.

Vekselbergs Reich umfasst Dutzende von Beteiligungen weltweit. Ausserhalb Russlands habe der Oligarch viele Beteiligungen auf ein Mass reduziert, das sie für die USA unverdächtig machen – oder diese gleich ganz verkauft, teils zu «symbolischen Preisen», sagt ein Vertrauter Vekselbergs, was mit ein Grund sei für den Wertschwund seines Vermögens.

Seine Existenz gefährden kann die Weigerung westlicher Banken, ihn mit Krediten zu versorgen. UBS, Credit Suisse (CS), Deutsche Bank und ING lösten im Frühling eine Absetzbewegung aus, als sie auf Rückzahlung offener Kredite pochten. Innert Wochen musste Vekselberg neue Geldgeber finden. Einen Kredit über 720 Millionen Franken übernahm die russische Promsvyazbank, eine Tranche von 350 Millionen verlieh die russische Sberbank.

Vekselberg wolle von UBS, CS und Julius Bär 200 Millionen Franken Schadenersatz, berichtete die SonntagsZeitung im September. Geklagt hat er bislang aber nicht. Es gebe keine neue Entwicklung, heisst es bei einer Grossbank. Eine Klage wäre nachvollziehbar: Russische Banken verlangen 15 Prozent Zins, wo er vorher 5 Prozent zahlte.

Die Abhängigkeit von Putin und die hohen Zinsen belasten ihn

Der Oligarch musste gar den russischen Staat um Hilfe angehen für die Refinanzierung eines Kredits von 982 Millionen Dollar, den er mit seiner Beteiligung von 26,5 Prozent am russischen Alu-Konzern Rusal gesichert hatte, der ebenfalls mit Sanktionen belegt ist. Die knappe Milliarde floss, dem Vernehmen nach zu Zinsen von 11 Prozent im Jahr. Zusätzlich bat Vekselberg den Staat laut russischen Medien um Unterstützung bei der Refinanzierung von Darlehen und Obligationen an Renova-Töchter von bis zu 4,7 Milliarden Dollar, plus verbilligte Zinsen und Staatsgarantien.

Unklar ist, ob ein alter Kredit der Sberbank von 1,1 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2016 mit Laufzeit bis 2019 noch offen ist. Vekselbergs Büro in Moskau äussert sich auf Anraten der Anwälte nicht zu Finanzfragen. Dass Vekselberg möglichst rasch aus dem Sanktionskorsett raus will, ist verständlich. Denn die hohen russischen Zinsen und die Abhängigkeit von Putin-nahen Banken schnüren ihm die Luft ab.

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