Verurteilter Waffenhändler ist Hauptsponsor der SCL Tigers

Der Verwaltungsrat des National-League-Clubs steht wegen Karl Brügger unter Druck.

Tigers-Sponsor Karl Brügger. Bild: PD

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Der Eishockeyclub SCL Tigers lässt sich von einer Waffenfirma finanzieren, deren Eigentümer wegen eines illegalen Geschäfts verurteilt wurde. Auf der Liste der drei Hauptsponsoren steht das Kleider-Label «5.11 Tactical Series». Doch hinter dem Label steckt die Waffenfirma B & T AG aus Thun. Deren Eigentümer Karl Brügger ist wegen Verstosses gegen das Kriegsmaterialgesetz rechtskräftig verurteilt.

Verschiedene Medien hatten letzte Woche in anonymisierter Form darüber berichtet. Gemäss Bundesanwaltschaft hat Brügger über die Firma Scharfschützengewehre und Granatwerfer nach Neuseeland verkauft im Wissen darum, dass sie nach Kasachstan weiterverkauft werden. Der Bund hatte Brügger zuvor ausdrücklich verboten, Waffen nach Kasachstan zu verkaufen. Kasachstan ist ein totalitärer Staat, dessen Herrscher Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Brügger wurde zu einer Geldstrafe von 3000 Franken sowie der Einziehung der Gewinne von 30'000 Franken verurteilt.

Der Waffenhändler sitzt seit Jahren im Verwaltungsrat der SCL Tigers. Das war bekannt und hat auch bereits mehrmals für Kritik gesorgt. Brüggers rechtskräftige Verurteilung und das Bekanntwerden seines Sponsorings bringt den Verwaltungsrat des Clubs nun unter Druck: «Wir werden im Verwaltungsrat sicher thematisieren, dass Herr Brügger nun rechtskräftig verurteilt ist», sagt Peter Jakob, Präsident der SCL Tigers. Er persönlich sehe «keinen Grund, Brüggers Firma als Sponsor abzusetzen» oder dessen Rücktritt zu fordern. Denn Brügger habe den Verwaltungsrat «fortlaufend über das Verfahren informiert». Er habe «einen guten Eindruck von Brügger». Man schätze sein Engagement. «Brügger hat glaubhaft dargelegt, dass sein Straf- und Gerichtsverfahren nicht fair war.» Deshalb sei er für ihn «nicht einfach ein Waffenhändler», sondern er führe «ein seriöses KMU», findet Jakob.

Brüggers Waffen im Ukrainekonflikt

Waffen aus Brüggers Firma haben in den vergangenen Jahren wiederholt für Schlagzeilen gesorgt: 2014 wurde bekannt, dass Spezialeinheiten des ukrainischen Ex-Präsidenten Janukowitsch mit Schweizer Gewehren schossen, sie wurden mit Lizenzen von Brüggers Firma gebaut. Allein in den letzten Tagen des Aufstands in der Ukraine hatten die Sondereinheiten fast 100 Demonstranten erschossen. Brügger sagte: «Wir können versichern, dass sämtliche Ausfuhren von Waffenteilen oder Lizenzen vom Seco bewilligt wurden.» Zum Einsatz der Gewehre wollte er sich damals nicht äussern.

Auch 2016 geriet die Waffenfirma in die Schlagzeilen. Diesmal ging es um 800 Gewehre und Granatwerfer, die legal via Ungarn nach Ghana geliefert werden sollten, aber schliesslich auf mysteriöse Art nach Spanien gelangten und dort beschlagnahmt wurden. Papiere fehlten. Brügger wurde in dem Fall nicht beschuldigt. In einem Fall aus dem Jahr 2000 hatte er 215 Gewehre verkauft. Brügger hatte die Waffen so konzipiert, dass sie laut Bundesanwaltschaft allzu leicht in Serienfeuerwaffen umgebaut werden konnten. In diesem Fall wurde er zweitinstanzlich freigesprochen.

Bundesgericht wies Urteil zurück

Im aktuellen Fall Kasachstan fühlt sich Brügger als Justizopfer: Die Bundesanwaltschaft hatte ihm wegen des Verkaufs der Waffen bereits 2009 einen Strafbefehl ausgestellt. Er hatte ihn beim Bundesstrafgericht angefochten, das die Strafe danach noch erhöhte. Das Bundesgericht als letzte Instanz hat das Urteil wegen mehrerer Verfahrensmängel an das Bundesstrafgericht zurückgewiesen. Dieses hätte den Fall nochmals aufrollen müssen. Doch Brügger zog die Beschwerde zurück, womit er rechtskräftig verurteilt wurde.

Brüggers Anwalt, der nicht namentlich genannt werden will, sagt: «Mein Klient hat die Beschwerde zurückgezogen, weil kein faires Verfahren mehr zu erwarten war.» Das Gericht habe die Einholung entlastender Beweismittel verweigert, obwohl es vom Bundesgericht wegen der Handhabung entlastender Beweise kritisiert worden sei.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 12.05.2018, 22:57 Uhr

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