Post-Chefin Susanne Ruoff droht Rauswurf

Der Verwaltungsrat berät nächste Woche über die Zukunft der Postleitung. Zurücktreten will Ruoff nicht.

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Mischa Aebi@sonntagszeitung
Denis von Burg@sonntagszeitung
Arthur Rutishauser@rutishau

Dass Postchefin Susanne Ruoff ihren Posten behalten kann, wird immer unwahrscheinlicher. In wenigen Tagen trifft sich der Verwaltungsrat und befindet über ihr Schicksal. Der VR ist gespalten, und es ist fraglich, ob Ruoff noch eine Mehrheit findet. Postintern geht man bereits davon aus, dass das nicht der Fall sein wird. So zumindest sagen es Insider.

Es kam in den letzten Tagen einfach zu viel zusammen, heisst es. Die illegalen Gewinne, die im subventionierten Geschäft der Postauto AG angefallen sind, waren innerhalb der Post seit Jahren bekannt. Hinzu kommt, dass die Post der Aufsichtsbehörde, dem Bundesamt für Verkehr (BAV), von 2013 bis zum letzten November die Auskunft über heikle Buchungen verweigert hatte. Und letzte Woche musste Ruoff scheibchenweise zugeben, dass sie davon Kenntnis hatte. Zurücktreten will Ruoff nicht. Das hat sie in einem Interview mit dem «Sonntagsblick» gesagt.

24 Prozent mehr Lohn für Postautochefs

Oberste Kader der Post haben über zehn Jahre toleriert, dass in der Buchhaltung der Posttochter Postauto AG getrickst wurde. Das geschah offenbar, um die vom Konzern vorgegebenen Gewinnziele zu erreichen. Nun stehen Postkaderleute – allen voran Postauto-Chef Daniel Landolf und Post-CEO Susanne Ruoff – im Verdacht, damit auch ihre eigenen Löhne aufgebessert zu haben. Denn die Höhe der Boni der Postkader hängt unter anderem von den Gewinnen des Konzerns und dessen Untereinheiten ab. Ein Blick in die Kaderlohnrapporte zeigt, dass Löhne und Boni der Postkader zwischen 2006 und 2016 stark gestiegen sind.

2006 verdiente der Post-CEO noch 790'000 Franken. 2016 erhielt ­Ruoff schon 975'000 Franken. Das entspricht einer Lohnerhöhung von 24 Prozent. Dabei ist der Bonusanteil von 26 auf 32 Prozent gestiegen. Der Lohn der Geschäftsleitungsmitglieder ist um 24 Prozent gewachsen. 2016 betrug der durchschnittliche Lohn eines Geschäftsleitungsmitgliedes 590'000 Franken. Deren Bonusanteil erhöhte sich von 24 auf 31 Prozent.

Steigt der Gewinn, wächst auch der Lohn

Für ein ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied der Post ist der Fall klar: «Die höheren Boni sind auch auf die buchhalterischen Tricks zur Gewinnsteigerung zurückzuführen.» Da sei er sich sicher. «Ein höherer Gewinn hat sich bei der Post immer schön auf den Bonus ausgewirkt.» Letzten Dienstag hat Postfinanzchef Alex Glanzmann selber noch eingeräumt, dass die betroffenen Postkader möglicherweise mit den illegalen Falschbuchungen und dadurch ausgewiesenen Gewinnen ihre Boni aufgebessert haben. Nun behauptet die Post plötzlich das Gegenteil: «Es gibt gemäss unseren Erkenntnissen keine Hinweise, dass sich jemand individuell bereichert hat», sagte Postsprecher François Furer.

Die Höhe der Boni hänge zwar tatsächlich vom Gewinn des Konzerns und der jeweiligen Posteinheit ab. Bonusrelevant sei aber nur die Erreichung des vorgegebenen Gewinnziels. Gewinne, die über das Ziel hinaus gehen, sind laut Furer «nicht bonusrelevant». Als Ausgangswert für das Gewinnziel habe man immer den Vorjahresgewinn hinzugezogen. Durch die unrechtmässigen Buchungen habe sich der Zielwert so jedes Mal erhöht. Deshalb «ergaben sich nach heutiger Analyse keine höheren Bonuszahlungen», sagt Furer.

Postchefs haben guten Grund, Bereicherung abzustreiten

Inoffiziell heisst es in Postkreisen, Landolf hätte seine Zielvorgaben auch erreicht, wenn in seinem Bereich nicht geschummelt worden wäre. Gleiches gelte für Susanne Ruoff. Ab einem gewissen Niveau war es bei der Post auch bei zusätzlichen Gewinnen nicht mehr möglich, den Bonus zu erhöhen.

Geholfen bei der Zielerreichung hat eine andere Massnahme: Die Vorgaben seien in den letzten Jahren auf Betreiben des Postautochefs ganz einfach gesenkt worden. Landolf habe ironischerweise gegenüber der Konzernleitung argumentiert, dass er bei vielen Postautolinien keine Gewinne erzielen dürfe, weil sie subventioniert seien. Bei den nicht subventionierten Linien sei es wegen des harten Wettbewerbs schwierig, hohe Gewinne zu erwirtschaften.

Die Postleitung hat guten Grund, nun plötzlich zu betonen, dass keine Bereicherung stattgefunden habe. Denn mittlerweile ist klar, dass die Bundesanwaltschaft oder regionale Staatsanwaltschaften ein Strafverfahren gegen die Verantwortlichen eröffnen werden. Und bei etlichen Fälschungs- und Vermögensdelikten spielt es eine entscheidende Rolle, ob die betroffene Person sich durch ihr Verhalten Vorteile verschafft hat.

«Es wird voraussichtlich eine Anzeige gegen unbekannt geben.»Olivia Ebinger, Sprecherin Bundesamt für Verkehr (BAV)

Beim Bundesamt für Verkehr (BAV) will man zwar noch weitere Abklärungen treffen. Sprecherin Olivia Ebinger sagt aber: «Für uns ist klar, wenn die Geschäftsleitung, der Verwaltungsrat und die Revisionsstelle unterschreiben, dann müssen wir davon ausgehen, dass die Jahresrechnung stimmt. Darum wird es voraussichtlich eine Anzeige gegen unbekannt geben.» Hinzu kommt, dass es sich bei den meisten zur Diskussion stehenden Strafdelikten um Offizialdelikte handelt. Die Justizbehörden müssen deshalb von sich aus aktiv werden. Die in den vergangenen ­Tagen über die Medien bekannt gewordenen Informationen sind laut ­Experten Anlass genug.

Die grosse Frage ist nun, was Postchefin Ruoff und der ehemalige Verwaltungsratspräsident Peter Hasler genau gewusst haben. Mehrere Zeitungen haben berichtet, dass die beiden schon 2013 aufgrund einer kurzen Aktennotiz der internen Revision von den Umbuchungen hätten wissen müssen. Ruoff und Hasler beteuerten aber, erst vom BAV von der illegalen Praxis erfahren zu haben.

Über die illegalen Buchungen lag ein Bericht vor

Ein ehemaliger Postkader sagt allerdings gegenüber der SonntagsZeitung, dass 2013 zu den illegalen Buchungen nicht nur eine Aktennotiz vorlag, sondern ein Bericht. Dieser sei mit den entsprechenden Empfehlungen an Ruoff und Hasler gegangen: «Es gab postintern einen Riesenwirbel. ­Ruoff und Hasler haben von den illegalen Umbuchungen gewusst. Es ist unmöglich, dass diese Informationen übersehen haben.» Beim Bund scheint Ruoff in­zwischen keinen Support mehr zu haben. Zur Frage, ob man beim BAV noch Vertrauen in Frau Ruoff habe, antwortet das Amt lakonisch: «Wir äussern uns nicht zu einzelnen Personen.»

Inzwischen sieht sich die Post mit weiteren Untersuchungen konfrontiert. Die Kantone und die Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs (KöV) wollen ebenfalls Bescheid wissen über jene Postautolinien, die nicht vom Bund mitfinanziert werden wie Ortsbusse oder kleinere Regionallinien. Für Hans Peter Wessels, Basler Verkehrsdirektor und KöV-Präsident, ist klar: «Wir müssen davon ausgehen, dass im Bereich Ortsverkehr mit den gleichen Methoden und Tricks gearbeitet wurde.»

SonntagsZeitung

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