Fast eine Million für den neuen Raiffeisen-Präsidenten

Guy Lachappelle muss bei der BKB auf seinen Bonus verzichten. Er kompensiert den Ausfall auf andere Weise.

Guy Lachappelle muss von der Delegiertenversammlung am 10. November noch gewählt werden.

Guy Lachappelle muss von der Delegiertenversammlung am 10. November noch gewählt werden. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Dass Guy Lachappelle von der Basler Kantonalbank (BKB) zur Raiffeisen wechselt, kam für viele überraschend. Auch für seinen ehemaligen Arbeitgeber. Trotzdem erklärte sich dieser bereit, ihn freizustellen. Allerdings nicht gratis, sondern zum Preis, dass Lachappelle seinen Bonus aufgibt. Letztes Jahr betrug der immerhin 376'900 Franken, bei einer Gesamtentschädigung von 1,2 Millionen Franken.

Ist es für Lachappelle also ein Verlustgeschäft, seinen CEO-Job bei der BKB aufzugeben und zur Raiffeisen zu gehen? Dort beträgt der Lohn des Präsidenten «nur» eine halbe Million. Raiffeisen beeilte sich, zu betonen, dass der entgangene Bonus vom neuen Arbeitgeber nicht übernommen werde. Ein Vorgehen, das vor allem bei den Grossbanken sonst als eine Art Willkommensgeschenk durchaus üblich ist. Lachappelle habe eine solche Upfront-Zahlung weder verlangt, noch sei sie ihm angeboten worden, schrieb die «Aargauer Zeitung».

Doch tief wird Lachappelle nicht fallen. Denn bisher galt das Raiffeisen-Präsidium nur als 50-Prozent-Job. Nun wird es zur Ganztagsbeschäftigung, wie Raiffeisen-Sprecherin Angela Rupp bestätigt: «Lachappelle wird sich zu Beginn 100 Prozent für die neue Aufgabe engagieren. Danach kann das Pensum tiefer liegen.» Und natürlich habe das Arbeitspensum einen Einfluss auf die Höhe der Vergütung.


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Schliesslich wird Lachappelle eine knappe Million verdienen und durch die Aufstockung des Pensums de facto für den entgangenen Bonus mehr als entschädigt. Wie lange das so sein wird, hängt davon ab, wie schnell ein geeigneter neuer Chef für Raiffeisen gefunden wird. Den sucht die Bank ja auch noch. Patrik Gisel hat seinen Rücktritt auf Ende Jahr angekündigt, und entgegen anders lautenden Berichten der «NZZ am Sonntag» wird sein Mandat nicht verlängert.

Allerdings ist es gut möglich, dass es zu einer mehr­monatigen Interimslösung kommt. Danach ist «in Übereinstimmung mit den Erwartungen der Finanzmarktaufsicht das Verwaltungsratspräsidium als Hauptmandat ausgestaltet, aber langfristig nicht als Vollzeitmandat», sagt Rupp. Das heisst erstens: Es wird wohl mit mehr als 50 Prozent dotiert sein. Und zweitens sind laut Rupp «kleinere Mandate daneben durchaus erlaubt».

Neue Software läuft noch nicht überall

Noch ist Guy Lachappelle allerdings nicht Raiffeisen-Präsident. Dafür muss er erst einmal von der Delegiertenversammlung am 10. November gewählt werden. Doch wenn nicht neue Fakten auftauchen, die ihn untragbar machen, wird er wohl ernannt. Jedenfalls hatte er am letzten Donnerstagabend vor den Regionalpräsidenten einen überzeugenden Auftritt.

Weniger überzeugend war die Leistung des alten Verwaltungsrats der Raiffeisen, der sich ausgerechnet für letztes Jahr eine happige Erhöhung seiner Bezüge genehmigte. Aus diesem Grund wurde an der letzten Delegiertenversammlung eine Gruppe mit der Erarbeitung eines neuen Vergütungsmodells beauftragt, das im November zur Abstimmung kommt. Wie hoch die künftigen Entschädigungen von Verwaltungsrat und CEO sein werden, ist darum noch nicht geklärt. Beim Chef wird der Lohn weiterhin ungefähr 2 Millionen Franken betragen. Beim Verwaltungsrat wird er höher als 2016, aber tiefer als 2017 liegen.

Die letzte Aufgabe für den abtretenden Chef bleibt die Einführung der neuen Software, die bisher nach offiziellen Angaben bereits 575 Millionen Franken kostete. Im Moment arbeiten Dutzende von Fachleuten des Software-Anbieters Avaloq und der Beratungsfirma Accenture an der Implementierung. Laut Insidern gibt es immer noch Probleme, auch weil die Datenbasis nicht sauber erfasst ist. Anfänglich führte dies dazu, dass nicht einmal die Hypothekarzinsen richtig berechnet wurden. Ob bis Ende Jahr alle Probleme behoben sind, ist höchst ungewiss.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.09.2018, 10:18 Uhr

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