«Die Galaxie ist gross genug»

Regisseur Ron Howard war Kinderstar, hat zahlreiche Blockbuster realisiert – und jetzt dem Film «Solo: A Star Wars Story» aus der Patsche geholfen.

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Eins ist sicher: Chewbacca ist nicht schuld. Der riesige Zottelbär aus einer weit, weit entfernten Galaxie hat sich gut gemacht auf dem roten Teppich von Cannes. Und doch konnte der Film «Solo: A Star Wars Story» nicht voll einschlagen. Warum? Ist es wegen Hauptdarsteller Alden Ehrenreich, der als junger Han Solo jene Figur verkörpert, die einst Harrison Ford berühmt gemacht hatte? Ist es wegen der chaotischen Produktion des Films, bei der mitten in den Dreharbeiten die beiden Regisseure entlassen wurden? Ist es wegen der Gier des Produktionshauses Disney, das seit der Übernahme der Reihe jedes Jahr einen neuen «Star Wars»-Film auf den Markt wirft?

Einer, der es wissen muss, ist der Nothelfer, der kurzfristig eingesprungen ist: Regisseur Ron Howard. Der 64-Jährige ist beinahe so lange im Filmgeschäft, wie er Jahre alt ist, seinen ersten Leinwandauftritt absolvierte er mit 18 Monaten. Er war ein TV-Star, bevor er sich hinter der Kamera etablierte und grosse Kisten wie «Apollo 13» und «Da Vinci Code» inszenierte. Und jetzt eben im Sternenkrieg angekommen ist.

Ron Howard, gibt es zu viele «Star Wars»-Filme?
Ich frage zurück: Gibt es zu viele Superman-Filme? Zu viele Marvel-Abenteuer? Zu viel James Bond? Die Frage ist doch, was die Fans solcher Filme sehen wollen. Und das kann man nur rausfinden, indem man es erforscht. Viele Menschen beschäftigen sich gerne mit diesem Universum, es gibt ja nicht nur die Filme, es gibt auch Bücher und Comics.

«Übrigens stammt die Idee zu diesem Film nicht von Disney.»

Vielleicht haben sogar Fans jetzt genug vom Weltraum!
Dann könnte man mit gleicher Berechtigung sagen: Es gibt zu viele Filme über die Erde. Glauben Sie mir, es existieren in unserem Universum noch viele Ecken zum Erforschen. Die Galaxie ist gross genug. Übrigens stammt die Idee zu diesem Film nicht von Disney.

Von wem denn?
Von George Lucas selber und von Lawrence Kasdan, dem Drehbuchautor, der die ursprünglichen «Star Wars»-Geschichten schrieb. Dem steht die Figur des jungen Han Solo besonders nahe. Er wollte schon immer eine Geschichte erzählen, in der es keine Lichtschwerter gibt, kein dunkles Imperium, keine Sätze wie «Die Macht möge mit dir sein». Sondern einfach Glücksritter und Abenteurer.

Tatsächlich. «Solo: A Star Wars Story» beginnt mit einem Raubzug. Der junge Han (Alden Ehrenreich) versucht mit seiner Beute vom Heimatplaneten zu entkommen. Es folgt ein Weltraumwestern, in dem es einen Zugüberfall gibt und Duelle im Wüstensand. Nicht unbedingt «Star Wars», aber ein rasantes Abenteuer mit wunderbar zwielichtigen Figuren wie dem von Woody Harrelson gespielten Gauner Beckett.

Trailer «Star Wars». Video: Youtube

Doch die Macht – dieses Wortspiel sei erlaubt – war nicht mit den ursprünglichen Realisatoren des Films. Phil Lord und Chris Miller, die zuvor den verrückten «Lego Movie» gedreht hatten, wurden mitten in den Dreharbeiten entlassen. «Kreative Differenzen» war die offizielle Begründung. Und Ron Howard, der zweifache Gewinner eines Oscars (für «A Beautiful Mind»), übernahm.

Weshalb haben Sie zugesagt?
Lange überlegen konnte ich ja nicht, ich hatte nur drei, vier Tage Zeit, die Produktion stand still. Schliesslich willigte ich ein, weil ich es als Abenteuer betrachtete. Normalerweise bereite ich Dreharbeiten minutiös vor. Das war eine neue Herausforderung.

Haben Sie sich dabei mit George Lucas abgesprochen?
Ja, ich telefonierte mit ihm. Er riet mir, den zwölfjährigen Ron in mir zu finden und diesen zu konsultieren bei Schwierigkeiten. Ich war überrascht, wie einfach das ging. Auch wenn ich zu Beginn nicht mal die Namen aller beteiligten Figuren kannte. Und nicht wusste, auf welchem Planeten die Szene gerade spielte. Den Herzschlag der Geschichte hatte ich aber rasch erfasst. Und Hauptdarsteller Alden Ehrenreich war mir ein guter Führer.

Gerade er wird kritisiert!
Zu Unrecht. Das findet übrigens auch Harrison Ford, der fast überschwänglich auf den Film reagiert hat. Das will etwas heissen, er spricht ja sonst nicht mehr als zwei, drei Worte pro Tag.

Stimmt schon, Alden Ehrenreich überzeugt, aber eher durch seine Körperlichkeit als durch grosse Schauspielkunst. Aber das war damals, Ende der 1970er-Jahre, auch so, als ein unbekannter Tischler namens Harrison Ford diese Figur erstmals verkörperte. Und dann zu einem der bekanntesten Schauspieler der Welt wurde.

Das Problem bei «Solo: A Star Wars Story» ist, dass er den Ballast der alten Filme mitschleppen muss. Es gibt Punkte, die einfach abgehakt werden müssen, weil sie aus früheren Filmen bekannt sind: Han Solo gewinnt beim Glücksspiel sein berühmtes Raumschiff Millennium Falcon. Er muss damit einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Und er muss natürlich das Zotteltier Chewbacca kennen lernen, das sein Co-Pilot wird.

Diese Szenen sind zwar lustig, bremsen aber den Lauf des Abenteuers. Zeitweise ist der «Solo»-Film deshalb eine Reissbrettangelegenheit. Den Charme von «Star Wars» macht aber gerade dessen Unausgewogenheit aus. Das weiss auch Ron Howard. Der streckenweise tatsächlich etwas von der Magie der alten Filme gerettet hat.

«Ich spielte ja in George Lucas’ erstem Film «American Graffiti» mit.»^

Wann hörten Sie erstmals von «Star Wars»?
Ich spielte ja in George Lucas’ erstem Film «American Graffiti» mit. Er erzählte mir damals, er wolle anschliessend einen Science-Fiction-Film drehen, aber kein billiges B-Movie, bei denen man die Fäden sehen könne, an denen die Raumschiffe hingen. Ich dachte, das sei eine ziemlich schlechte Idee.

Haben Sie sich häufig geirrt in Ihrer Karriere?
Oh ja. Aber das ist ja auch eine Qualität. Niemand kann vorhersagen, was genau geschieht. Kino ist kein exakter Prozess. Ich zitiere gerne den Regisseur Robert Altman. Der sagte, Filme müssten ein eigenes Leben haben, man solle sie gehen lassen. Nie wurde das deutlicher als beim ursprünglichen «Star Wars». Als der 1977 in die Kinos kam, gab es auch schlechte Kritiken und Gerüchte über schwierige Dreharbeiten.

Und dann?
War es überwältigend. Ich erinnere mich, ich ging mit meiner Frau Sheryl in die erste Vorstellung am Samstagmorgen. Als wir ganz benommen aus dem Saal kamen, sahen wir die langen Schlangen, die sich vor dem Kino gebildet hatten, mindestens zwei Stunden musste man da anstehen. Wir schauten uns an, nickten und reihten uns wieder ein, um den Film gleich nochmals zu schauen.

«Solo: A Star Wars Story»: ab Donnerstag im Kino

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 18.05.2018, 16:05 Uhr

Ron Howard. Foto: Reuters

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