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Schon schlimm, ihr gebrochener Kiefer, aber sie provoziert ihn ja auch

Die Frauen mögen gerade das grosse Thema sein – dass Gewalt gegen sie oft reflexartig relativiert wird, sagt viel über den tatsächlichen Stand der Gleichberechtigung aus.

Alle 14 Tage wird in der Schweiz eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Jede Woche versucht ein Mann, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Schläge, Erniedrigungen und Drohungen schaffen es selten in die Schlagzeilen, sind aber so heftig und zahlreich, dass jährlich rund 18'500 Delikte in der Kategorie «Häusliche Gewalt» erfasst werden. Die Opfer sind zu über drei Vierteln weiblich, die Täter männlich.

Angesichts dieser Zahlen ist es befremdlich, wie oft Gewalt gegen Frauen immer noch zu einem Schon-schlimm-aber-Delikt erklärt wird. Es herrscht kaum je nur Entsetzen. Vielmehr schwingt häufig eine irritierende Relativierung mit. Nie erfolgt der Reflex, Opfern eine Mitschuld zu geben, so schnell wie dann, wenn sie weiblich sind, egal, ob bei einer Vergewaltigung durch einen Fremden oder eben bei erlittener Gewalt in den eigenen vier Wänden.

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