Der radikale Schnitt der Post

Der gelbe Riese plant Einsparungen von 30 Prozent bei Finanzen, Personaldiensten und Kommunikation. Gewerkschaften fürchten um Hunderte von Arbeitsplätzen.

Post-Chefin Susanne Ruoff. Foto: Marco Zanoni/Lunax

Post-Chefin Susanne Ruoff. Foto: Marco Zanoni/Lunax

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Die Post muss sparen. Ende Oktober erklärte Chefin Susanne Ruoff, dass bis ins Jahr 2020 bis zu 600 der heute 1400 Poststellen ­geschlossen werden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Post auch bei den zentralen Diensten abbauen will – also bei den Bereichen Finanzen, Personal und Kommunikation.

Brief an die «lieben Kolleginnen und Kollegen»: Kosten bei «F, K, P» um 30 Prozent senken.
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Nun hat der Konzern den Mitarbeitern die Sparziele bekannt gegeben. Die Post gehe aktuell «von einer Reduktion der Sach- und Personalkosten in der Höhe von rund 30 Prozent aus». Dies heisst es in einem Schreiben der Konzernleitung an die «lieben Kolleginnen und Kollegen», das am 8. ­Dezember im Intranet aufgeschaltet wurde. Insgesamt werden Einsparungen in einem hohen zweistelligen Millionenbereich ­angepeilt. Gemäss Angaben der Post arbeiten 1400 bis 1500 der rund 62'000 Angestellten in den betroffenen Bereichen.

Postintern wird kolportiert, dass bis zu 300 Stellen abgebaut ­werden könnten. René Fürst vom Personal­verband Transfair befürchtet, dass mit dem Projekt 20 bis 30 Prozent der Stellen in den zentralen Diensten wegfallen könnten – also bis zu 450 Arbeitsplätze. Der finanzielle Druck bei der Post sei hoch, gerade auch, weil bei der bisher lukrativen Postfinance die Erträge immer schneller zurückgingen.

Kürzungen des Werbeetats möglich

Die Post widerspricht. Das angestrebte Kostenreduktionsziel von 30 Prozent bedeute «in keiner Weise, dass jede dritte Stelle oder 30 Pro­zent des Personalbestandes abgebaut werden», sagt Sprecher ­Oliver Flüeler. Der Konzern ­müsse angesichts des steigenden finanziellen Drucks nicht nur die ­Anzahl Poststellen vermindern, sondern auch die Stabsbereiche optimieren. Darum sei dort in den nächsten ­Jahren tatsächlich mit einem Stellenabbau zu rechnen. «Die genaue Anzahl der betroffenen Mitarbeiter steht heute aber noch nicht fest.» Die Grössenordnung werde nun im Rahmen des Projekts erarbeitet.

In der von der Umstrukturierung betroffenen Kommunikationsabteilung etwa seien die Sachkosten klar höher als die ­Personalkosten. Sachkosten sind beispielsweise Ausgaben für Kunden- und Mitarbeitermagazine, Werbekampagnen oder Kurse. Die geforderten Einsparungen können also ­insbesondere durch Kürzungen des Werbeetats erreicht werden.

In der Personalabteilung ­dürfte es laut einem Kadermitglied hingegen viel schwieriger sein, ohne deutliche Senkung der Personalkosten und damit ohne einen grösseren Stellenabbau durchzukommen. «Die Post muss eine dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen abbauen, wenn sie ihr Sparziel erreichen will», sagt der Insider.

Entlassungen unausweichlich

Die neue Struktur soll laut Oliver Flüeler ab dem 1. April stehen. Die Post wolle den Abbau möglichst sozialverträglich gestalten und alles dafür tun, um Entlassungen zu vermeiden. Laut René Fürst von Transfair zeigt die Erfahrung aber, dass Abbaumassnahmen von einer solchen Dimension «nicht über die natürliche Fluktuation aufgefangen werden können». Entlassungen seien wohl unausweichlich. Fürst ärgert sich zudem über den Zeitpunkt des Abbaus. Die Post sei daran, die Zahl der Poststellen deutlich zu reduzieren. Nun baue man gleichzeitig Personalfachleute ab – jene Leute also, die den betroffenen Mitarbeitern der Poststellen zur Seite stehen müssten.

Für Unruhe sorgt in der Post die Art und Weise, wie der Abbau ­angegangen wird. Laut Daniel Münger von der Gewerkschaft Syn­dicom müssen sich Angestellte neu auf ihre Stelle bewerben. «Viele ­gestandene Mitarbeiter der Post nehmen das als Affront wahr.»

Laut Post-Sprecher Flüeler ist es nicht ausgeschlossen, dass sich Mitarbeiter neu bewerben müssen, wenn sich ihre Funktion oder ihr Verantwortungsbereich im Rahmen der Reorganisation ändert. Das sei jedoch bei der Post üblich. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 18.12.2016, 09:21 Uhr

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