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Papi-Zeit für Politiker

Die Bürger, die die Steuern und Abgaben zahlen, sorgen besser vor als die Politiker, die von den gleichen Steuern und Abgaben leben. Das zeigt sich wieder am Beispiel Vaterschaftsurlaub.

Nach dem Ständerat hat am Mittwoch auch der Nationalrat einem Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen zugestimmt. Da ein Referendum zur Stunde eher unwahrscheinlich scheint, dürfte dieser neue Ausbau des Sozialstaates, den man so kurz vor den Wahlen, sozusagen als Geschenk für die emsige Linke, beschlossen hat, bald zum Gesetz werden. Was sind schon zwei Wochen? Was 230 Millionen Franken? So viel dürfte die Massnahme pro Jahr kosten. Ein Klacks für das nahezu reichste Land der Welt, ein Detail in einem der leistungsfähigsten Sozial­systeme des Planeten.

Das sind die falschen Fragen. Ob man einen Urlaub nützlich findet oder nicht: Was am meisten stört, ist die Tat­sache, dass wir darüber nicht abstimmen. Denn dieses alte Ziel der Linken, das sie jahrelang beharrlich vorgetragen haben, war genauso lange kaum mehrheitsfähig. Noch vor drei Jahren haben auch die meisten bürgerlichen Parlamentarier das so beurteilt und die Idee im Parlament abgelehnt. Zwar haben linke Politiker fantastische Umfragen produziert, wonach 76 Prozent der Schweizer auch den Männern Urlaub gewähren wollen, die ein Kind bekommen – doch jedermann weiss, dass nur eine Umfrage in diesem Land zählt: die Abstimmung. Wiederholt haben die Schweizerinnen und Schweizer viel realistischer entschieden, als das deren eigene Volksvertreter erwartet hatten. 2012 haben die gleichen linken Kreise, die heute für die Papi-Zeit werben, eine Initiative vorgelegt, die uns allen sechs Wochen Ferien versprach. Ein No-Brainer, ­würde der Amerikaner sagen – wer stimmte dem nicht zu? Doch im Lande Zwinglis wird lieber gearbeitet als Ferien gemacht: Eine Mehrheit von 66,5 Prozent des Volkes und sämtliche Stände versenkten das Anliegen, das vorher als so beliebt galt, dass manche bürgerlichen Politiker finster davor warnten. Sie kannten ihre Leute nicht.

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