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Otto Schily wurde mit 250 Fragen genervt

Die Bundesanwaltschaft verhörte den ehemaligen deutschen Innenminister stundenlang – ergebnislos.

Der 86-jährige Otto Schily hat stets seine Unschuld beteuert.
Der 86-jährige Otto Schily hat stets seine Unschuld beteuert.

Es hätte ein Glanzstück der Ermittlungen sein sollen. Am 4.April dieses Jahres, um 9.30Uhr, ­wurde in Berlin der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily von der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) als Zeuge ­vernommen. Er war Kraft seines Amtes Mitglied des Aufsichtsrats und des Präsidialausschusses des Organisationskomitees (OK) für die WM 2006. Bei der Befragung ging es um das «Sommermärchen», genauer gesagt um Ungereimtheiten rund um eine Zahlung von 6,7Millionen Euro im Umfeld der WM 2006 in Deutschland.

Ursprünglich hätte am 8. Juni 2006 in Berlin eine glamouröse Eröffnungsfeier stattfinden sollen, organisiert vom Künstler André Heller und mit Stars wie Brian Eno und Peter Gabriel. Doch im Laufe der Vorbereitungen wurde der Event immer teurer. Am 13.­Januar 2006 sagte die Fifa das Fest ab. Offizieller Grund: Der Rollrasen, der nach dem Fest hätte verlegt ­werden müssen, wäre bis zum ersten Spiel am 13.Juni nicht mehr richtig angewachsen.

Ein Jahr zuvor wurde der Präsidialausschuss und Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees darüber informiert, dass der Deutsche Fussball-Bund (DFB) für das Fest 6,7 Millionen Euro überwiesen hat. Die BA wollte von Schily wissen, ob er nähere Angaben dazu habe. Denn obwohl das Fest nicht stattfand, ging das Geld nicht an den DFB zurück, sondern landete auf dem Konto des katarischen Unternehmers Mohamed Bin Hammam. Bei ihm wird Korruption vermutet, er ist von der Fifa auf Lebenszeit gesperrt.

Die BA stellte aber statt Bin Hammam dem 86-jährigen ­Schily 250Fragen zu den Umständen der Überweisung. Schily zeigte sich über die Befragung sichtlich genervt. Sie blieb ergebnislos, wie das Protokoll zeigt, das der SonntagsZeitung vorliegt. Schnell wurde klar, dass Schily Kraft seines Amtes nur von der Überweisung des DFB an die Fifa wusste. Er ­hatte keine Ahnung, was die Fifa damit machte. Die BA ist im ­Besitz des Zahlungsauftrags des DFB, als Zweck der Überweisung ist die Eröffnungsgala genannt. Dieses Dokument legte die BA Schily nicht vor, sie liess ihn über den Zweck der Zahlung mutmassen.

«Dass Herrn Schily dieses Beweisstück vorenthalten wurde, ist ein Skandal», sagt Theo ­Zwanziger, 2006 bis 2012 Präsident des DFB. Die BA führt wegen dieser Zahlungen ein Verfahren gegen ihn. Er hat stets seine Unschuld beteuert. Und er spart nicht mit Kritik an den Schweizer Behörden. «Es zeigt sich, dass die Bundesanwaltschaft völlig planlos vorgeht», sagt Zwanziger. Die BA schütze die Fifa und beschuldige dafür andere. Zwanziger: «Die Bundesanwaltschaft hätte schon lange Bin Hammam vernehmen müssen. Er war ja der Empfänger dieses Geldes.»

Aber das ist nie geschehen. «Stattdessen trifft sich der Bundesanwalt lieber mit Fifa-Präsident ­Infantino und auch noch in einem Gebäude, in dem wohl auch die Botschaft von Katar zu Hause ist! Grossartig!», sagt Zwanziger. Er hat ein Ausstandsverfahren gegen Bundesanwalt Michael Lauber gestellt, das ihm kaum verwehrt werden kann. Die Folge dürfte sein, dass das Verfahren verjährt und die wahre Geschichte des Sommermärchens ungeklärt bleibt.

Arthur Rutishauser

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