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«Alte Menschen benötigen vor allem Zuneigung»

Die Reaktionen der Leser.

In der Altenpflege brauche es nicht zwingend spitze ausgebildetes Personal, schreibt Beatrice Landert. Foto: Keystone
In der Altenpflege brauche es nicht zwingend spitze ausgebildetes Personal, schreibt Beatrice Landert. Foto: Keystone

Altersheime am Anschlag SonntagsZeitung vom 1.4. 2018

In Ihrem Artikel sprechen Sie von «Pflegestress». Ich denke, dass man realistisch betrachtet in einigen Heimen aber von einem Pflegenotstand sprechen muss. Angesichts der demografischen Entwicklung besteht nun dringender Handlungsbedarf! Der Bundesrat und die Verantwortlichen in den Kantonen dürfen in Anbetracht der zum Teil katastrophalen Zustände in den Altersheimen nicht länger ihre Augen verschliessen. Eine erste wichtige Massnahme wäre es, dem diplomierten Fach- und Pflegepersonal die Löhne zu erhöhen, anstatt Leute zu entlassen und dafür kostengünstigere Hilfskräfte einzustellen, die heillos überfordert sind. Von der Pflege im «Minutentakt» halte ich nichts, da bleiben auf Dauer der zu Pflegende und die Pfleger auf der Strecke. Meiner Meinung nach braucht es eine grundlegende Revision der Altenpflege auf allen Ebenen. Ich bin ein 74-jähriger Rentner, und die Vorstellung, als eventuell Pflegebedürftiger einer solchen desolaten Situation hilflos und abhängig ausgeliefert zu sein, ist gruselig. Michael Stoll, Luzern

Vielleicht würde die Politik der Lösung dieses Problems schneller einen Schritt näherkommen, wenn sämtliche Alt-Bundes-, Alt-Stände-, Alt-National- sowie die Alt-Regierungsrätinnen und -räte ihre letzte Lebensphase ebenfalls in Alters- und Pflegeheimen verbringen müssten. Franz Ziegler, Zäziwil BE

Wir sind auf dem besten Wege zu einer gesellschaftlichen Bankrotterklärung der Alterspolitik. Offenbar geht hier völlig der Blick dafür verloren, dass es sich um Menschen handelt, die mit ihrem gesellschaftlichen Engagement und ihrem individuellen Beitrag zu ihrer Zeit die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass wir an dem Punkt sind, an dem wir jetzt sind. In absehbarer Zeit werden die in immer kürzeren Abständen geschaffenen Finanzierungsmodelle dafür sorgen, dass allen alten Menschen Chips unter die Haut implantiert werden, mit denen die aktuelle pekuniäre Situation transparent gemacht wird. Und gegen Ende Monat hat dann der Bewohner die Auswahl: Will er noch dreimal am Rollator mobilisiert werden, sechsmal Hilfe beim Essen erhalten oder zweimal sein verbliebenes Geld für die Hilfestellung bei der Intimpflege einsetzen? Getreu und politisch korrekt nach dem Verursacherprinzip. Für mich habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich lieber sterbe, bevor ich auch nur einen Fuss in eine Einrichtung der Alterspflege setze, weil es nicht besser, sondern immer schlimmer werden wird. Und dies sage ich als dipl. Pflegefachmann mit 40 Jahren Berufserfahrung im Bereich der Akut- wie auch in der Langzeitpflege. Rolf-Dieter Barabas, Jegenstorf BE

Die recherchierten Fakten beschreiben die sich verschärfende Misere in der Langzeitpflege, die ich als langjährige Pflegefachfrau vollumfänglich bestätigen kann. Mit Einreichen der Pflegeinitiative im November 2017 hatte der Berufsverband SBK ein deutliches Zeichen für eine bessere Qualität in der Pflege gesetzt. Das Volksbegehren stiess beim Bundesrat auf Ablehnung. Offenbar realisiert unsere Regierung den Ernst der Situation nicht. Mir stellt sich deshalb konkret die Frage, wie die Implementierung von Palliative Care in der angespannten personellen Situation gelingen kann. Der Bund empfiehlt die Umsetzung der «Nationalen Strategie Palliative Care 2010–2015». Leider werden Anschubfinanzierungen nur zum Teil gesprochen. Auch in diesem Punkt ist die Politik gefordert. In der Verantwortung stehen aber auch die Heimleitungen. Mit innovativen Konzepten kann das Management jeder Langzeitinstitution massgeblich zu einer höheren Qualität beitragen. Claudia Gohrbandt, MAS Palliative Care (FHO), Gümligen BE

An qualifiziertem Pflegepersonal zu sparen und dafür unqualifiziertes einzustellen, das kommt niemandem zugute – weder dem Heim selbst noch dem Personal, und schon gar nicht den Bewohnern. Die Krankenkassenprämien steigen und steigen, aber unseren Senioren geht es immer mieser. Wo nur landet das viele Geld? Wo die staatliche Kontrolle von Nutzen wäre, wird sie nicht angewendet, dafür besteht unser Land aus anderen unsinnigen Gesetzen. Susanna Geser, Biel BE

Ich arbeitete selbst als diplomierte Pflegefachfrau, und schon zu meiner Zeit stand das Gejammer über zu wenig gutes Personal im Vordergrund. Hilfskräfte waren kaum vorhanden, Alterspflegende wurden in kürzerer Zeit geschult und auch eingesetzt. Und diese leisteten sehr gute Arbeit. Alte Menschen benötigen vor allem Zuneigung. Dafür braucht es nicht zwingend spitze ausgebildetes Personal, es braucht Menschen mit Empathie und Freude am Arbeiten für das Alter! Beatrice Landert, Zollikerberg ZH

Die Krankenkassen haben kein Interesse daran, dass Leute zu Hause gepflegt werden. Je schneller die Leute ins Pflegeheim müssen, desto weniger lang leben sie. Und so lassen sich Kosten sparen. Wir sind bei der Helsana versichert mit der Zusatzversicherung Cura (Taggeld 70 Franken). Meine Frau hat seit 30 Jahren Parkinson, seit 2004 pflege ich sie zu Hause. Ab und zu brauche ich die Hilfe der Spitex. Als die Pflege aufwendiger wurde, habe ich 2013 eine Hilfe für vier Stunden pro Tag angestellt. Mit der Zusatzversicherung konnte ich einen Teil der Kosten zahlen. 2014 wurde ich operiert, meine Frau war in dieser Zeit sieben Monate lang im Pflegeheim. Dort sah ich bei jedem Besuch, wie sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Wieder zu Hause, habe ich die «Pflegehilfe» bei mir mit Kost und Logis festangestellt. Ich zahle für sie AHV, AL, Pensionskasse, Steuern und Unfallversicherung – es ist also keine Schwarzarbeit. Bis Ende 2017 wurde mir das Taggeld von 70 Franken bezahlt. Seit Anfang Jahr gibt es nichts mehr, ausser meine Frau müsste wieder ins Pflegeheim oder würde von auswärts betreut, oder meine Pflegehilfe machte sich selbstständig. Alle Pflegevarianten sind viel teurer. Und auf das Wohl der Kranken wird keine Rücksicht genommen. Wenn die Kassen etwas mehr Interesse an der Pflege daheim hätten, könnte man sehr schnell Kosten senken – und das zum Wohle der Patienten. Stefan Keller, Zürich

Leider ist es kein Aprilscherz, sondern ein besorgniserregender Artikel. Die SBK Sektion SG TG AR AI hat bereits in der Vernehmlassung zu den Mindestanforderungen in Alters- und Pflegeheimen es Kantons St. Gallen vor einem Qualitätsabbau gewarnt und mehr dipl. Pflegefachpersonal in den Pflegeinstitutionen gefordert. Der Regierungsrat hat stets versichert, dass dies Mindestanforderungen seien und die Leistungserbringer bestrebt seien, mehr Diplompflegepersonal einzusetzen. «Qualität ist mehr als Mindestanforderungen», eine Aussage aus einer Informationsveranstaltung des Departement des Innern SG im September 2016. Erstaunt sind wir über die jetzt veröffentlichten Zahlen. Im sozialpartnerschaftlichem Gespräch Mitte März 2018 mit dem zuständigen Regierungsrat, Martin Klöti, konnte das Departement auf unsere Nachfrage hin keine Zahlen zu den Veränderungen des Skill- und Grademix in den Pflegeheimen nennen. Dass ein Abbau statt ein versprochener Ausbau an dipl. Pflegefachpersonal stattfand, ist betrüblich. Insbesondere auch deshalb, weil heute die Politik klar ambulant vor stationär proklamiert. Das bedeutet auch, dass nur noch Menschen mit mittleren bis hohen Pflegebedarf in Pflegeheime eintreten. Komplexe Pflegefälle brauchen aber entsprechen qualifiziertes Personal. Im Kanton Thurgau hat die Regierung seine Strategie klar definiert. Im Geriatriekonzept wird der Bettenbedarf festgehalten und der Ausbau der ambulanten Pflegeversorgung unterstützt. Leider hat der Kanton Thurgau erlassen, dass auch Personal mit einer Ausbildung als Altenpflegerin aus Deutschland als Diplompflegepersonal (das heisst Tertiärstufe) gezählt werden darf, obwohl national dieser Beruf als Ausbildung auf Sekundarstufe (analog FaGe) gilt. Interessant wäre zu wissen, wie die Berechnungsgrundlagen in der aufgeführten Statistik basieren. Es braucht neue Pflegemodelle, da stimmen wir der Berichterstattung zu. Es braucht aber genauso gute Arbeitszeitmodelle, um die Pflegefachpersonen in den Pflegeinstitutionen zu halten. Die Berufsverweildauer ist viel zu kurz und volkswirtschaftlich gesehen, dürfen wir es uns nicht leisten, so viele gut qualifizierte Personen zu verlieren. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen, wie dies die Eidg. Volksinitiative für eine starke Pflege fordert. Die SBK Sektion SG TG AR AI wird die beiden Regierungen kontaktieren und konkrete Verbesserungen einfordern. SBK Sektion SG TG AR AI, Barbara Dätwyer Weber, Präsidentin, Edith Wohlfender, Geschäftsleiterin

Dies ist ein leidiges Thema. Die Alten werden nur noch abgeschoben oder ruhig gestellt. Dass in Spitälern, Heimen, Spitex Pflegestress und Qualitätseinbusse herrscht, ist nicht zu übersehen und ich musste dies selber schon öfters feststellen. Anstatt rechtzeitig die eigene, auch ältere, aber durchaus fähige Bevölkerung umzuschulen oder bezahlte Ausbildungen zu ermöglichen, wird lieber billiges Personal aus dem Ausland eingestellt. Es gibt viel zu wenig gut qualifiziertes, diplomiertes Personal, das wissen alle. Es wird aber viel zu wenig dagegen unternommen aus finanziellen Gründen. In einigen Heimen und Spitälern wird gepfuscht und Hilfspersonal Aufgaben zugeteilt, wofür sie gar nicht die Kompetenz dafür haben, sie sind total überfordert, alle leiden unter Zeitdruck und Dauerstress. Dass sogar Hilfspersonal Morphium an Sterbende abgibt, ist unter aller Würde. Da kommt mir gerade ein eigenes Beispiel in den Sinn. Vor einigen Jahren verbrannte sich meine Enkelin am Grill. Die Eltern fuhren sie sofort ins Spital, Verbrennung 2. Grades. Dies spielte sich im Kanton Aargau ab. Die Wunde wurde desinfiziert und fachgerecht versorgt. Doch bei den Nachbehandlungen verwendete das Hilfspersonal falsche Gaze, die klebte und die ganze Wunde wieder aufriss. Dies war natürlich sehr schmerzhaft und alles andere als fachgerecht, denn jeder weiss, dass es für offene Wunden Gaze gibt, die nicht klebt. Die Enkelin musste ein weiteres Mal zur Nachkontrolle. Doch da begleitete ich die Tochter und die Enkelin in das Spital. Zuvor gingen wir in die Kantonsapotheke und kauften richtige sterile Gaze, die nicht klebt. Im Spital angelangt, war wieder Hilfspersonal anwesend. Diese wollten wieder falsche, klebende Gaze verwenden. Da haute es mich fast aus den Schuhen, dass solch unfähiges Personal im Spital anwesend ist. Ich sagte der Hilfspflegerin: Stopp - Sie verwenden bitte das richtige Material, wir haben es selber mitgebracht von der Kantonsapotheke. Sie verwendete also mein selbstmitgebrachtes Material. Es ist sicher nicht immer und überall so verheerend, dass aber gespart wird am qualifizierten Personal ist rundum zu spüren. Die Alten werden nur noch «abgefertigt» vielerorts. Diese unschöne Entwicklung gibt sehr zu denken und muss zwingend und zwar sofort geändert werden, es muss viel mehr in Weiterbildungen und guter Ausbildung investiert werden, dies muss aber überprüft werden, dass nicht geschummelt wird. Vielleicht könnte auch noch ein Anreiz geschaffen werden, dass alte Menschen viel mehr von den eigenen Jungen privat gepflegt werden oder auch ältere, noch fitte Rentner/innen sich selber mehr um Kollegen und Kolleginnen kümmern und betreuen, dabei einen Steuerabzug machen können. Vielleicht nützt da ein finanzieller Anreiz, denn es gibt viele, die auf ein Einkommen angewiesen sind. In letzter Zeit gab es einige Suizide von alten Ehepaaren. Eines davon beschäftigte mich besonders, weil ich viele Jahre am selben Ort wohnte Ein EM lebte jahrelang mit seiner EF zusammen, sorgten füreinander, führten einen guten Betrieb miteinander. Die EF war unheilbar krank, der EM sah kein Ausweg mehr. Sie wollten gemeinsam aus dem Leben scheiden. Würden Alte empathisch und in Würde behandelt und gepflegt, gäbe es sicher weniger solcher Vorfälle. Also in der Altenpflege gibt es einiges an Nachholbedarf, damit wir nicht in einer Katastrophe enden. Regula H., Au ZH

Braune Esoterik für den Frieden? SonntagsZeitung vom 1. 4. 2018

Der Artikel «Braune Esoterik für den Frieden?» in der SonntagsZeitung vom 1. April hat beim betroffenen Jugend- und Schulradio, Radio Chico Schweiz grossen Schaden angerichtet. Unsere Sendungen werden von Jugendlichen gemacht, und diese haben es in diesem Fall unterlassen, den Hintergrund des von uns eingeladenen Rechtsesoterikers Erich Hambach abzuklären. Nach der Veröffentlichung des Artikels haben die Jugendlichen nun selbst nachrecherchiert. Radio Chico hat daraufhin den Vortrag und den Workshop mit Erich Hambach abgesagt. In der ganzen Angelegenheit war kein böser Wille unsererseits vorhanden, und es wäre bedauerlich, wenn man nun Jugendliche für eine Unterlassungssünde durch Entzug von Spenden- und Sponsoringgeldern bestraft. Leider hat sich der Artikel schon negativ auf den Spendenerlös für Radio Chico ausgewirkt. Dabei haben unsere Jugendlichen sehr viel aus dieser Geschichte gelernt. Weil es sich beim betroffenem Projekt um Friedensthemen handelte, haben die Jugendlichen nur unter dem Titel «Frieden» gesucht. Nun wissen sie, dass tiefer recherchiert werden muss, vor allem auch darüber, wer hinter gewissen Organisationen steht. Aus Fehlern wird man klug! Danke, dass die Anhänger von Radio Chico unseren motivierten jungen Radiomachern verzeihen und ihnen weiterhin die Möglichkeit bieten, Projekte wie respektvoller Umgang mit Umwelt und Mitmenschen weiterzuführen. Annemarie Koch, Radio Chico Schweiz

Retter rufen um Hilfe SonntagsZeitung vom 1. 4. 2018

Dieser Artikel zeigt sehr gut, was das Problem mit den Polizisten ist: Auf der einen Seite beklagen sie sich über fehlende Rettungsgassen und anderes Verhalten in der Bevölkerung, das sie in ihrer Arbeit behindert. Auf der anderen Seite aber seien die rekordhohen Anzeigezahlen wegen Amtsmissbrauchs ein «perverser Auswuchs der heutigen Zeit». Könnte es sein, dass die vielen negativen Erfahrungen mit unfreundlichen, herablassenden und ihre Macht missbrauchenden Beamten, die leider viele unbescholtene Bürger machen mussten, erst dazu geführt haben, dass die Polizei «zunehmend als Feind betrachtet» wird? Patric Pfister, Bern

Gen-Soja für die Hühner, kaum Platz für die Rinder SonntagsZeitung vom 1. 4. 2018

Es ist völlig unverständlich, dass die Schweiz mit Ländern über Freihandel für Fleischimporte verhandelt, in denen sogenannte Feedlots erlaubt sind. Das sind riesige Mastanlagen für Zehntausende Rinder, oft ohne Schutz vor Regen und Sonne. Und mit möglichst wenig Raum, um ja keine Energie durch Bewegung zu verlieren. Es sind eigentliche Inbegriffe für quälerische Massentierhaltung. Wenn die Schweiz solche Importe noch leichter zulässt, verstärkt sie diese Art von Produktion, in der das Tierwohl keinen Platz hat. Renato Werndli, Eichberg SG

Taxifahrer verlieren, Lehrer holen auf SonntagsZeitung vom 1. 4. 2018

Leider auch am Ende dieser Statistik ist der Beruf des Zahntechnikers anzusiedeln. Nach vier Jahren Lehrzeit beträgt der Mindestlohn für einen Zahntechniker EFZ 4000 Franken. Für einen erfolgreichen Absolventen der Höheren Fachprüfung für Zahntechnik mit eidgenössischem Diplom beträgt der Mindestlohn 5000 Franken. In Anbetracht dessen, dass ein Zahntechnikermeister gegen 30 Jahre alt ist, ist das ein Hohn. Rolf Benedetti (Zahntechnikermeister), Wil SG

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