Hitze und Trockenheit wirken sich auf alle Bereiche aus

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Überlebenskampf

Der Schweizerische Fischereiverband rechnet mit einer Tragödie: Steigt die Temperatur des Rheins um zwei Grad, verenden Tausende Äschen, die zu einer Population von nationaler Bedeutung gehören. Aber auch im Kanton Aargau sind Fische inzwischen in Not: Bereits dreimal mussten notfallmässig Bachabschnitte abgefischt werden. Die Verantwortlichen rechnen mit weiteren Einsätzen. In Luzern ist bereits eine Strecke von insgesamt 15 Kilometern Fliessgewässer abgefischt worden. «Die Situation ist schlimmer als im Hitzesommer von 2003», sagt Philipp Amrein von der Abteilung für Natur, Jagd und Fischerei.


Fehlendes Futter, ausbleibende Pilze

Auf den Alpen gehen dem Vieh Futter und Wasser aus. Deshalb holen Bauern die Tiere schon zurück. Doch im Flachland wächst vielerorts kein Gras mehr. In Teilen des Kantons St. Gallen haben darum erste Landwirte ihre Kühe eingestallt und ernähren sie mit dem Winterfutter. «In einigen Betrieben wird ein Drittel des Winterfutters fehlen», sagt Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauern­­verbands. Diese Bauern seien gezwungen, für mehrere Zehntausend Franken Futter zu kaufen, sofern es verfügbar sei. «Falls nicht, müssen die Landwirte dieses Jahr mehr Tiere schlachten.» Die Weinbauern gewinnen der Dürre Positives ab: Die Reben leiden weniger unter Pilzbefall als in regenreichen Jahren.


Weniger Feuerwehren, mehr Einsätze

In diversen Kantonen musste die Feuerwehr bereits zu Waldbränden ausrücken. «Das sind Indizien dafür, dass es gefährlicher wird», sagt Philipp Gerold von der Walliser Dienststelle Wald. Darum haben einige Bündner Feuerwehren Wasser in Güllefässern an wasserarmen Orten bereitgestellt. Im Tessin sind zusätzlich rund 300 Bergfeuermänner auf Pikett. Auch wenn die Löschkräfte bei Engpässen auf Hilfe ihrer Nachbarn zählen können, stellt die hohe Waldbrandgefahr während der Ferien die Milizkorps vor personelle Herausforderungen. Zumal die Zahl der Feuerwehrleute seit zehn Jahren zurückgeht: Von 113'715 auf 85'164. Die Einsätze haben in dieser Zeit indes zugenommen: von 64'865 auf 72'785.


Gemeinden verbannen Böller

Migros und Coop haben Vulkane, Raketen und Böller in vielen Filialen aus den Regalen geräumt, Lidl und Aldi mancherorts auch. Grund sind Verbote für Feuerwerke. Fast alle Kantone haben das Abbrennen in und um Wälder untersagt, betroffen sind auch die traditionellen Höhenfeuer. Im Wallis, dem Tessin oder Glarus gelten gar allgemeine Verbote. Zudem verbieten auch viele Gemeinden auf ihrem Gebiet das Abbrennen komplett, darunter Winterthur ZH, Wil SG und Baden AG. Andere Städte wie Luzern oder Bern wollen morgen entscheiden. Sicher ist, dass in der Bundesstadt das Feuerwerk und auch das Höhenfeuer auf dem Gurten entfallen werden.


Schiffe und AKW drosseln Betrieb

Viele Gewässer sinken auf historische Tiefststände. Die Thur führt diesen Monat so wenig Wasser wie zuletzt 1949, das Gleiche gilt für den Zuger- und den Vierwaldstättersee. Der Pegel des Greifensees sank kürzlich so weit, dass Schiffe nicht mehr überall anlegen konnten. Am Bodensee ist die Strecke zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein wegen des tiefen Wasserstands nicht befahrbar, ab morgen auch jene von Rorschach nach Altenrhein. Genug Wasser führt die Aare, allerdings bei einer kritischen Temperatur für verschiedene Fischarten. Seit Montag wird nun die Leistung des AKW Mühleberg gedrosselt. Damit sich die Aare, mit deren Wasser der Reaktor gekühlt wird, nicht noch mehr aufwärmt.


Luftwaffe erhöht ihre Bereitschaft

Auch die Schweizer Luftwaffe reagiert auf die prekäre Trockenheit auf der Alpensüdseite. Sie hat wegen der hohen Waldbrandgefahr ihre Bereitschaft erhöht. «Wir haben einen Helikopter ins Tessin vorpositioniert», sagt Peter Bruns, Oberst im Generalstab der Luftwaffe. Dies verkürze die Reaktionszeit im Ernstfall. Die Helikopter der Luftwaffe unterstützen die Feuerwehren nur, wenn sie die zivilen Behörden anfordern. Im vergangenen Jahr kamen sie in der Schweiz sechs- und im Ausland dreimal zum Einsatz. Insgesamt warfen sie mit ihren sogenannten Bambi-Buckets fünf Millionen Liter Wasser über den Flammen ab.

(pia/gpr)

Erstellt: 28.07.2018, 21:19 Uhr

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Geldblog So werden Sie im Alter zum Lebenskünstler

Mamablog Gewalt entsteht aus Überforderung

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Ungewisse Zukunft: Ein Indischer Fischer wartet in einem Gefängnis in Karachi, Pakistan auf seine Bestrafung. Er wurde gemeinsam mit elf weiteren Männern von der Marine aufgegriffen, als sie versehentlich in pakistanischem Hoheitsgebiet unterwegs waren. Indien und Pakistan nehmen regelmässig Fischer des jeweils anderen Landes fest, da die Territorien im Meer nicht klar abgegrenzt sind. (18. November 2018)
(Bild: SHAHZAIB AKBER) Mehr...