Zum Hauptinhalt springen

Heimliche Tier-Scans in Hirslanden-Spital

In der Luzerner St.-Anna-Klinik werden gegen Barzahlung Hunde und Katzen untersucht – Patientenschützer reagieren irritiert.

Hunde-MRI: Eigentlich sind dafür wie hier spezialisierte Tierkliniken zuständig. Foto: Imago
Hunde-MRI: Eigentlich sind dafür wie hier spezialisierte Tierkliniken zuständig. Foto: Imago

Der Tierarzt kam in den Abendstunden. In seinem Auto, das er vor der Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern parkierte, lag ein mit Medikamenten sedierter Hund. Auf einem Wägelchen rollte er das Tier zum Diensteingang des Spitals. Tunlichst achtete er darauf, in den Gängen keinen Patienten zu begegnen. Der Tierarzt steuerte die Radiologie-Abteilung an. Der mit einem Laken bedeckte Hund sollte einer Computer­tomografie der Wirbelsäule unterzogen werden. Er litt an einem Bandscheibenvorfall. Als der Hund auf dem Apparate-Tisch lag, startete der Radiologie-Assistent das Screening.

Die Spitäler der Hirslanden-Gruppe streben im Akutklinik­bereich nicht weniger als die «Qualitätsführerschaft» an. Und auch sonst setzt das Unternehmen mit seinen 16 Kliniken auf Luxus: ­Patienten gönnen sich in den Spital-Restaurants auch mal einen «Château Péby Faugères 2011 Grand Cru» für 119 Franken.

Tiere passen nicht in dieses Konzept. Sie sind in den Hirslanden-Spitälern verboten, «aus hygienischen Gründen», wie es auf der Internetseite des Unternehmens heisst. So, wie dies in allen anderen Spitälern der Schweiz in der Regel auch der Fall ist.

Doch die Klinik St. Anna in Luzern hält sich nicht an das unternehmensinterne Verbot: Recherchen zeigen, dass hier jedes Jahr mindestens 20 Tiere mit einem diagnostischen Gerät wie einem Computertomografen untersucht werden. Das berichten Tierärzte aus der Region. Hauptsächlich landen Hunde und Katzen auf dem Schragen, manchmal aber auch Exoten wie Vögel oder Echsen. Die häufigsten Gründe für die Screenings sind Bandscheibenprobleme, Tumore und Entzündungen.

«Es besteht ein klares Bedürfnis»

Die Tiere in der Klinik St. Anna werden teilweise auf dem gleichen Gerät wie die Menschen untersucht. Oft sind die Tierhalter selber im Spital anwesend. In der Regel zahlen sie die Untersuchung dem Tierarzt bar – Kostenpunkt: 600 bis über 1000 Franken.

Das tiermedizinische Angebot des Hirslanden-Spitals ist nur im kleinen Kreis bekannt. Weder das Bundesamt für Gesundheit noch das Luzerner Gesundheitsdepartement sind im Bild. Und die Patienten der Radiologie werden in Luzern nicht informiert, dass vor ihnen auf dem Gerät womöglich ein Hund gescannt worden ist.

Patric Bürge, Sprecher der Hirslanden-Klinik, rechtfertigt das Angebot mit der Nachfrage. In der Region Luzern existiere keine Institution für die bildgebende Diagnostik bei Kleintieren, sagt er. «Es besteht aber seit vielen Jahren ein klares Bedürfnis danach.» Die Klinik St. Anna ermögliche es deshalb Tierärzten, nach Betriebsschluss «unter speziellen Bedingungen solche Untersuchungen» durchführen zu lassen. Die Geräte würden nach Gebrauch einer «hygienischen Reinigung» unterzogen.

Wohin fliessen die Gelder?

Ein ähnliches Angebot gibt es am Kantonsspital St. Gallen. Seit 2012 werden hier pro Jahr um die fünf Tiere auf einem diagnostischen Gerät gescannt. Laut Sprecher Philipp Lutz passiert dies allerdings in einem für Patienten «abgesperrten Bereich» auf einem Apparat, der ansonsten der Rechtsmedizin vorbehalten ist.

Trotzdem reagieren Patientenschützer empört. «Ich bin sehr irritiert über diese Praxis», sagt Barbara Züst, die Geschäftsführerin der Schweizerischen Stiftung Patientenschutz. «Ich erachte sie nicht nur aus hygienischen Gründen für fragwürdig. Sehr störend finde ich auch, wenn Kliniken versuchen, die Angelegenheiten zu verheimlichen. Doch die Patienten haben ein Recht, über solche Vorgänge informiert zu werden.» Schliesslich würden sie mit Steuergeldern die Kliniken unterstützen.

Unklar ist, wie die tiermedizinischen Untersuchungen abgerechnet werden. Normalerweise sind bei Leistungen in Spitälern die Krankenkassen involviert. Zumindest ist das bei menschlichen Patienten so. Hirslanden-Sprecher Bürge erläutert die Modalitäten der Klinik St. Anna nicht im Detail, er sagt bloss, die Barzahlung sei in der Tiermedizin üblich. Und: «Die Abrechnung der Klinik erfolgt über den Tierarzt.» Für Patientenschützerin Züst ist das eine unbefriedigende Antwort. «Da frage ich mich, in welche Kasse hier Gelder fliessen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch