Girod schmiedet Allianz gegen Wattestäbchen und Co.

Gemeinsam mit Bauern und Fischern will der Grünen-Nationalrat Plastikteilchen verbieten. Die Regierung verkenne das Problem, so Girod.

Verheerende Folgen für die Umwelt: Nationalrat Bastien Girod mit Wattestäbchen. Foto: Paolo Dutto

Verheerende Folgen für die Umwelt: Nationalrat Bastien Girod mit Wattestäbchen. Foto: Paolo Dutto

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die EU will Plastikklein­teile verbieten. In der Schweiz sei das nicht nötig, findet der Bundesrat. Doch jetzt fordert der grüne Nationalrat Bastien Girod auch für die Schweiz ein Verbot von Wattestäbchen, Besteck oder anderen Plastikkleinteilen. Er will im Bundesparlament einen entsprechenden Vorstoss einreichen. Und er ist nicht alleine.

Der grüne Politiker ist daran, eine breite und schlagkräftige Allianz auf die Beine zu stellen. Den Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen (VBSA) hat Girod bereits auf seiner Seite. Dieser wird zwar von Girod präsidiert, ist aber ein Zusammenschluss kommerzieller und staatlicher Abfallverwerter und Recyclingfirmen. Girod hofft zudem auf die Unterstützung des mächtigen Bauernverbandes und der Fischer. Bei beiden Verbänden ist ein Plastikteilchenverbot ebenfalls ein Thema.

«Alarmierender Befund» zu Plastikteilchen in der Schweiz

Bauern ärgern sich seit langem über Plastikteile auf Weiden und Feldern. Einerseits landen auf Wiesen oder am Wegrand achtlos weggeworfene Verbrauchsgegenstände wie Plastikbecher oder Plastikbesteck oft in den Mägen der Kühe, was für die Tiere verheerende Folgen haben kann. Andererseits gelangen kleine Plastikteilchen, die zusammen mit dem Grüngut weggeworfen werden, über die Kompostieranlagen auf die Äcker. «Das wollen wir nicht. Tiere und Böden sind das Wichtigste für uns», sagt Bauernpräsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter. Bis anhin habe man «an die Gesellschaft appelliert, Abfälle korrekt zu entsorgen». Doch die Bauern scheinen die Geduld zu verlieren: Sollte der Aufruf weiterhin nicht nützen, müsse man «auch in der Schweiz ein Verbot in Erwägung ziehen», sagt Ritter.

Ähnlich klingt es bei den Fischern: «Fischer verstehen sich als militante Lobbyisten und Verteidiger des Lebensraums Wasser», sagt Verbandspräsident und SP-Ständerat Roberto Zanetti. An der Basis und in den Verbandsgremien sei das Plastikteilchenverbot «zweifellos ein Thema», sagt Zanetti. Man werde «die Unterstützung eines solchen Verbots sicher sehr genau prüfen», sagt Zanetti.


Bilder: Plastikverschmutzung im Meer


«Das Problem mit den Plastikteilchen ist grösser, als der Bundesrat wahrhaben will», sagt Nationalrat Girod. Er verweist auf den «Swiss Litter Report», welcher Ende Juni veröffentlicht wird. In dieser gross angelegten Studie wurden Plastik- und andere Abfälle an Ufern von Schweizer Gewässern ausgezählt. «Die Werte sind alarmierend», sagt Gabriele Kull, Medienbeauftragte von Stop Plastic Pollution Switzerland, der Institution, welche die Studie verantwortet. Das Studiendesign sei nach europäischen Standards angelegt worden, die Resultate deshalb mit dem Ausland vergleichbar. «Anders als das Bundesamt für Umwelt behauptet, stehen wir in Sachen Plastikkleinteile in der Umwelt nicht besser da als andere Länder», sagt Kull. Konkrete Werte will sie noch nicht nennen.

Plastik gefährdet Zukunft der Grüngutverwertung

Besonders besorgt sind erstaunlicherweise die Abfallverwerter: Das Hauptproblem seien «nicht grosse Plastikteile, sondern kleine wie Kaffeerühr-Stäbchen, Trinkhalme oder Ohrenstäbchen, die millionenfach verbraucht werden», sagt Robin Quartier, Direktor des Abfallverwertungsverbandes VBSA. Selbst wenn nur ein Prozent davon in die Umwelt gelangt, werden «Gewässer und Böden beeinträchtigt».

Umfrage

Unterstützen Sie ein Verbot von kleinen Plastikteilen?





Im Grüngut können die Teilchen laut VBSA-Direktor nur mit grossem Aufwand aussortiert werden. Was nicht herausgefiltert werden könne, finde sich im Kompost wieder. «Um die erforderliche Qualität des Komposts zu gewährleisten und ihr Produkt von Plastikteilen freizuhalten, sind die Kompostproduzenten gezwungen, immer teurere Massnahmen zu ergreifen», so Quartier. Und: «Wenn das Produkt Kompost wegen Plastikverschmutzung keinen Absatz mehr findet, ist die gesamte Grüngutverwertung gefährdet.»

* Dieser Artikel erschien erstmals am 10. Juni 2018 in der SonntagsZeitung.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 11.06.2018, 15:22 Uhr

Artikel zum Thema

Diese Pilze könnten eine natürliche Alternative zu Plastik sein

Ob Stoffe, Stühle oder gar Backsteine – ein Start-up in San Francisco lässt neuartige Materialien aus Pilzfäden wachsen. Mehr...

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Ungewisse Zukunft: Seit Tagen harren auf einem Rettungsschiff 629 Flüchtlinge aus. Spanien hat sich nun bereit erklärt, das Schiff im Hafen von Valencia anlegen zu lassen, nachdem Italien die Einfahrt in seine Häfen verweigert hatte. (16. Juni 2018)
(Bild: Karpov/SOS Mediterranee/handout ) Mehr...