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Geheimdokument zeigt Rentabilität der SBB-Strecken

Die von der BLS beanspruchten Verbindungen sind mässig rentabel bis defizitär.

Denis Von Burg, Pascal Tischhauser

Im Krieg der Bahnen um die Fernverkehrskonzessionen versuchen die SBB, wichtige Informationen geheim zu halten. Zahlen und eine Streckenkarte zur Rentabilität der Fernverkehrslinien wurden auf Druck der Bundesbahnen aus einer Internetpublikation entfernt. Die verschwundenen Informationen könnten die Position der SBB gegenüber der Konkurrentin BLS im Streit um die Fernverkehrskonzessionen schwächen.

Im Kaderverband des öffentlichen Verkehrs (KVÖV) fand man den SonntagsZeitungs-Artikel vom 12. Februar interessant. Er hatte enthüllt, wie die BLS die Monopolistin SBB bei der Vergabe der Fernverkehrskonzessionen konkurrenzieren will. Flugs schaltete der Verband auf seiner Website ein «Sonderbulletin» mit dem besagten Artikel auf und ergänzte ihn mit Informationen zur Rentabilität des SBB-Fernverkehrs. Die Karte und die Zahlen stammten aus einem SBB-Lobbyanlass bei Mitarbeitern. Diese sollten überzeugt werden, sich für das uneingeschränkte Weiterbestehen des SBB-Monopols einzusetzen.

Die Nummer zwei in der SBB-Leitung schaltete sich ein

Dass nun der KVÖV die Karte mit Zusatzinformationen aufs Netz stellte, versetzte die SBB in helle Aufregung. Kaum online geschaltet, intervenierten die Bundesbahnen beim Kaderverband. Jean­nine Pilloud, Chefin Personenverkehr und hinter Andreas Meyer die Nummer zwei bei den SBB, hatte sich eigenhändig eingeschaltet. Auf «Geheiss von ganz oben» musste der KVÖV die Karte und die Gewinnzahlen des Fernverkehrs vom Netz nehmen und sich verpflichten, die Informationen nicht weiterzugeben.

Dumm nur: Selbst im digitalen Zeitalter werden ab und an Internetinhalte ausgedruckt. Und das Dokument zirkuliert inzwischen in Bahnkreisen. Die Nervosität der SBB-Chefs ist verständlich. Denn das Dokument zeigt Brisantes: Benutzerdaten und Bilanzen der einzelnen Linien wurden bislang als Geschäftsgeheimnis wie ein Schatz gehütet. Jetzt aber gibt die SBB-Karte erstmals rudimentäre Informationen preis. Sie lassen vermuten, dass entgegen den Behauptungen der Bundesbahnen die Rentabilität des SBB-Fernverkehrs durch eine Abgabe eines Teils der Strecken an die BLS keineswegs gefährdet würde. Auch scheint es, dass der Vorwurf an die BLS, sie betreibe mit ihren Konzessionsgesuchen Rosinenpickerei, nicht haltbar ist. Die von der BLS beanspruchten Strecken von Interlaken via Bern und Olten nach Basel beziehungsweise via Olten, Aarau, und Baden bis zum Flughafen Zürich sind mässig rentabel und auf Teilen der Strecken gar defizitär.

Die BLS fordert «vollständige Transparenz»

Jetzt kritisiert BLS-Sprecher Hugo Wyler das «aggressive Lobbying der SBB», das man als solches nicht kommentieren wolle, um dann festzustellen: Die Informationen, die unter Verschluss gehalten werden sollten, zeigten, «dass die SBB die Rosinen behält und wir lediglich ein ausgewogenes Paket aus unrentablen und rentablen Linien zur Diskussion gestellt haben». Gemäss Karte verdienen die SBB vor allem mit den Direktverbindungen Lausanne–Genf sowie Bern–Zürich wirklich Geld. Und die BLS fordert nun «vollständige Transparenz über die Verkehrsdaten, damit die Spiesse für das Konzessionsgesuch gleich lang sind». Dazu sind die SBB aber nicht bereit. Gegenüber der SonntagsZeitung bezeichnen sie die Karte als «internes Dokument». Genauere Informationen wolle man dazu nicht geben.

Ob sich die Geheimniskrämerei aufrechterhalten lässt, ist aber fraglich. Denn inzwischen hat sich die Politik eingeschaltet. Die Verkehrskommission (KVF) des Nationalrats verlangt ebenfalls Klarheit von den SBB. KVF-Präsidentin Natalie Rickli: «Solche Verschleierungsaktionen schaden immer.» Die SBB, die der Allgemeinheit gehören, «sollen jetzt auch im eigenen Interesse Transparenz herstellen», fordert die SVP-Nationalrätin. Um endlich eine Übersicht über die Rentabilität der SBB und über die Vorstellungen der BLS auf den verschiedenen Fernverkehrsstrecken zu erhalten, müssen die Bahnen antraben: «Wir laden die Bahngesellschaften für den 10. April 2017 in unsere Kommission ein», hält Rickli fest.

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