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«Es gibt nicht viele Berufe, bei denen man Applaus erhält»

«Ob die Zusammenarbeit mit einem Orchester funktioniert, kann ich nach zwei Minuten der ersten Probe sagen». Der Dirigent Manfred Obrecht im Foyer des KKL Luzern. Foto: Mischa Christen

Heute Abend dirigieren Sie hier im KKL Luzern das Verdi-Requiem. Was verbindet Sie mit diesem Werk?

Verdi war vor allem Opernkomponist. Hatte er einen Bezug zur Form des Requiems?

Das sehen Sie nicht so?

Sie führen das Requiem im KKL Luzern mit dem Orchestra Filarmonica Italiana auf. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dieser Formation?

«Wichtig ist für Dirigenten heute, dass sie mit einer sehr klaren Vorstellung an die Proben kommen». Foto: Mischa Christen

Was kann dazu führen, dass sie nicht funktioniert?

Wie erarbeiten Sie ein solch gewaltiges Werk mit einem Orchester im Ausland?

Insgesamt probten Sie mit dem Orchester also nur sechs Stunden. Das erscheint wenig für sein so gewaltiges Werk.

Lange Proben bringen also nichts?

Nächsten Februar werden Sie in der Tonhalle Maag in Zürich das Mozart Requiem aufführen mit der Philharomie aus Baden-Baden. Ist die Herkunft eines Orchesters spürbar?

«Probenarbeit ist immer auch eine Lebensschule.»

Das heisst, dass sich ein Orchester je nach Herkunft für ganz bestimmte Werke eignet?

Schaut man sich alte Filme mit Stardirigenten bei den Proben an – etwa mit Herbert von Karajan –, staunt man oft, wie stoisch die Musiker einen zuweilen barschen Ton über sich ergehen liessen. Kann man mit Musikerinnen und Musikern heute noch so umspringen?

Der Dirigent muss also auch ein Psychologe sein?

«Ist die Leidenschaft erloschen, habe ich keine Berechtigung mehr aufzutreten.»

Sie müssen aber auch etwas leisten für diesen Applaus.

Auf Ihrem Niveau kann man kaum noch Fortbildungen besuchen. Was machen Sie, um sich weiterentwickeln?

Wird Ihre Interpretation besser, wenn Sie ein Werk alle paar Jahre neu einstudieren?

Aber verliert man so nicht den unbeschwerten Zugang, der ja auch eine Qualität sein kann?

Sie haben die Agentur Obrasso Concerts mit Ihrem Bruder Werner Obrecht gegründet und vermarkten Ihre Konzerte im KKL Luzern selber. Schränkt Sie die Tatsache, dass Sie stets das finanzielle Risiko mittragen, künstlerisch ein?

Obrasso Concerts wird nicht subventioniert. Wie stark ärgern Sie sich darüber, dass die Spiesse Ihrer Agentur nicht gleich lang sind wie jene der grossen Schweizer Orchester?

«Ich bin vor allem von Emotionen getrieben. Und die sind jedes Mal wieder da.»

Obrasso Concerts beweist, dass man klassische Musik auch ohne Subventionen unter die Leute bringen kann. Das wirft die Frage auf, ob es in diesem Kulturbereich überhaupt Subventionen braucht.

Klassische Konzerte werden vor allem von einem älteren Publikum besucht. Wie kann man junge Leute für Klassik begeistern?

Sie treten sehr oft auf und können sich bei Obrasso Concerts seit vielen Jahren kreativ austoben. Gibt es trotzdem noch Projekte, die Sie gern umsetzen würden?

Welche?