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Eine Hauptperson fehlt bei der Knie-Sause

Am Sonntag startet die wohl teuerste SRF-Produktion des Jahres – mit einigen Misstönen.

Der Zirkus Knie ist ein sehr populärer Familienbetreib aus der Ostschweiz. Foto: Madeleine Schoder
Der Zirkus Knie ist ein sehr populärer Familienbetreib aus der Ostschweiz. Foto: Madeleine Schoder

Seit Tagen kommt kein SRF-Zuschauer am Circus Knie vorbei. Zu jeder Tageszeit weisen Trailer auf «das TV-Highlight» hin, den Zweiteiler über die Geschichte der Zirkusfamilie. Rund zwei Millionen Franken hat sich die SRG die Dokufiktion kosten lassen, die auf allen drei Sprachsendern SRF, RTS und RSI ausgestrahlt wird.

Die enorme Gratiswerbung für den grössten Schweizer Zirkusbetrieb sorgt nicht nur bei der Konkurrenz für Stirnrunzeln. Auch bei vielen Zuschauern dürfte langsam ein Knie-Überdruss einsetzen. Dass SRF die Grossproduktion erst am Ende des Jubiläumsjahres ausstrahlt, nachdem das Thema schon in Hunderten von Medienbeiträgen plus einem Musical abgehandelt worden ist, erscheint eigenartig. Der Sender begründet dies damit, dass man «Programmhighlights wie ‹Gotthard› oder ‹Dynastie Knie – 100 Jahre Nationalcircus› auf Termine mit einem grossen Publikumspotenzial» setze. Dies sei im Herbst der Fall.

Der Stoff hätte das Potenzial zu einem grossen Historienfilm gehabt.

Lohnt es sich, am Sonntagabend einzuschalten? Oder soll man lieber wie gewohnt beim «Tatort» bleiben, der auf SRF 2 ausweichen muss? Im Film sind drei Stränge miteinander verwoben: Ein von Schauspielern gespielter fiktionaler Teil, der in der Vergangenheit angesiedelt ist, die Erzählungen von Franco und Fredy Knie jr., die mit Archivmaterial aus dem Fernsehen angereichert sind, sowie die Dokumentation des Circus Knie vor und während der aktuellen Jubiläumssaison.

Dass der fiktionale Teil aus der Perspektive von Margrit Knie-Lippuner erzählt wird, der Grossmutter von Franco und Fredy Knie, ist ein geschickter Schachzug. Sie kam von aussen zum Zirkus und hat das Unternehmen mit ihrem Geschick und ihrem Charisma jahrzehntelang zusammengehalten.

Der Stoff hätte das Potenzial zu einem grossen Historienfilm gehabt: Ein populärer Familienbetrieb, der sich in Kriegen und Wirtschaftskrisen durchschlägt, der Triumphe und Tragödien erlebt, Liebschaften, Streit und Konflikte. Zwar kommt das alles vor, allerdings ohne viel Drama, ohne grossen Spannungsbogen – dafür mit umso mehr Empathie für die Zirkusfamilie, wodurch der Film zuweilen wie eine «SRF bi de Lüt»-Sendung wirkt.

Etwas gar zu ausführlich

Die Knies sind bekannt dafür, genau kontrollieren zu wollen, wie über sie berichtet wird. Dies könnte mit ein Grund sein, weshalb das Ganze etwas gar brav geraten ist – schliesslich war SRF auf die Zusammenarbeit mit der Familie angewiesen.

Erstaunlich hingegen ist, dass Rolf Knie nicht zu Wort kommt. Er hat den Zirkus zwar verlassen, ist aber weiterhin grösster Einzelaktionär und pflegt seit vielen Jahren das Familienarchiv. Weshalb er beim Film nicht mitgemacht hat, will er nicht sagen. Es wirkt wie eine Retourkutsche, die viel über das Familienverhältnis aussagt: Letztes Jahr boykottierten Fredy und Franco Knie ein Buchprojekt zu 100 Jahre Knie, bei dem Rolf Knie involviert war.

So liebevoll die Dokufiktion auch produziert ist, zwei Folgen in Spielfilmlänge – Gesamtdauer: dreieinviertel Stunden – sind am Ende selbst für einen Zirkusinteressierten gar viel. Etwas Verdichtung hätte dem an sich interessanten Film nicht geschadet.

«Dynastie Knie», heute und morgen, 20.05 Uhr, SRF 1

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