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Schwerer Rückschlag für Ju-Air

Der Bund blockiert die Totalrevision der Ju-52. Die Unterhaltsbetriebe haben ihre Zulassung verloren.

An den historischen Maschinen der Dübendorfer Ju-Air darf derzeit niemand Hand anlegen. Foto: Walter Bieri/Keystone
An den historischen Maschinen der Dübendorfer Ju-Air darf derzeit niemand Hand anlegen. Foto: Walter Bieri/Keystone

Es sind schlechte Nachrichten, die die Ju-Air aus Bern erhalten hat: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat den beiden Betrieben, die bisher die Ju-Air-Oldtimer reparierten und instand hielten, die Bewilligung dafür entzogen. Das bestätigt das Amt auf Anfrage. «Alle Arbeiten an den Ju-52-Maschinen der Ju-Air sind eingestellt», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger. Momentan gebe es weder Betriebe noch Einzelpersonen, die an den Maschinen Reparaturen oder Wartungen durchführen dürfen.

Betroffen sind sowohl die beiden Flugzeuge der Ju-Air in Dübendorf als auch die dritte Maschine, die derzeit im deutschen Mönchengladbach im Museum steht. Der Entscheid aus Bern trifft die Airline in einem ungünstigen Moment: Vor einem Monat hatte sie kommuniziert, dass sie den Flugdienst zwei Sommer lang aussetzen werde – bis dahin wolle sie alle ihre Oldtimer generalüberholen.

Um an den «Tanten» Hand anzulegen und diese Arbeiten zu verrichten, besassen bisher zwei Betriebe vom Bazl ausgestellte Zulassungen: Die Ju-Air selbst und die Firma Naef Flugmotoren AG in Dübendorf. Diese kümmerte sich um die Motoren, Verwaltungsratspräsident ist Ju-Air-Chef Kurt Waldmeier.

Die unbefristete Zulassung erhielten die Betriebe, nachdem sie dem Bazl gegenüber nachgewiesen hatten, dass sie die entsprechenden Vorgaben erfüllen. Diese sind von der europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa) definiert und regeln sämtliche Tätigkeiten rund um die Wartung und die Überholung von Flugzeugen.

Behörde führte drei «tiefer gehende» Inspektionen durch

In seiner Funktion als Aufsichtsbehörde kann das Bazl einer Firma die Zulassung aber jederzeit entziehen, wenn diese die Anforderungen nicht erfüllt – zum Beispiel, wenn sie Arbeiten in schwerwiegender Art oder wiederholt mangelhaft ausgeführt hat. In regelmässigen Abständen überprüft das Amt die Einhaltung der europäischen Auflagen.

Das Bazl hat diesen Frühling bei seiner periodischen Aufsicht bei der Ju-Air insgesamt «drei tiefer gehende Kontrollen» durchgeführt. Wie das Amt mitteilt, haben die Inspektoren dabei festgestellt, dass «die Anforderungen an einen zertifizierten Unterhaltsbetrieb nicht erfüllt sind». Nähere Details dazu werden nicht kommuniziert. Nur, dass mehrere «Verstösse der Stufe 1» registriert worden seien.

Als «Stufe 1» definiert die Easa Mängel, die den «Sicherheitsstandard eines Flugzeugs herabsetzen und eine ernsthafte Gefährdung der Flugsicherheit darstellen». Laut Sprecher Holderegger hat das Bazl der Ju-Air sodann die entsprechende Zulassung entzogen. «Dies bedeutet, dass ab sofort keine Reparatur- oder Unterhaltsarbeiten an Flugzeugen oder Bauteilen mehr durchgeführt werden dürfen.»

Ju-Air-Sprecher: «Zulassung sei «lediglich sistiert»

Eine Inspektion bei der Naef Flugmotoren AG habe ein ähnliches Bild ergeben. «Dies führte zur Einschränkung der Zulassung des Betriebes.» Das Unternehmen sei ab sofort nicht mehr berechtigt, Kolbenmotoren wie jene der Ju-52 zu warten oder zu reparieren.

Während man beim Bazl von einem «Entzug der Zulassung» spricht, will Ju-Air-Sprecher Christian Gartmann davon nichts wissen: Die Zulassung seien «lediglich sistiert, also ausgesetzt». «Wegen des bis 2021 ruhenden Flugbetriebs muss keine laufende Wartung stattfinden», relativiert er die Situation. Die Totalrevision der Flugzeuge werde mit dem Bundesamt eng koordiniert. «Notwendige Arbeiten können mit Einzelbewilligungen durchgeführt werden».

Die Ju-Air reorganisiertihren Unterhaltsbetrieb

Die Ju-Air nutze die Zeit, um den Unterhaltsbetrieb komplett zu reorganisieren, sodass dieser die geforderten Standards «ausnahmslos» erfülle. Laut Gartmann würden die festgestellten Mängel nun behoben, damit das Amt die Sistierung aufhebe.

Ganz so einfach klingt das Vorgehen beim Bazl allerdings nicht. Denn dort spricht man von einer «Neuzertifizierung». «Die Ju-Air kann sie beantragen, wenn die Mängel nachweislich behoben sind», sagt Sprecher Holderegger.

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