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Der Brand am Amazonas ist nicht Notre-Dame

Der Brand in Brasilien werde zu wenig beachtet, heisst es in den sozialen Medien. Ganz so einfach ist es nicht.

MeinungAndreas Kunz
Rauch am Himmel: In Brasilien brennen grosse Flächen Urwald. Foto: PD
Rauch am Himmel: In Brasilien brennen grosse Flächen Urwald. Foto: PD

Wie unfassbar zynisch, kaputt und elend diese Welt doch sei, wenn der Brand in Notre-Dame mehr Aufmerksamkeit errege als der Brand am Amazonas, hiess es diese Woche überall auf Facebook, Instagram und Twitter. Solange die Zerstörung einer alten Kirche tiefere Trauer auslöse als das Verschwinden des grössten Regenwaldes, sei die Menschheit ihrem Untergang geweiht, lautete das Urteil, das weltweit hunderttausendfach geteilt worden ist.

Tatsächlich berichteten beim Feuer in der Notre-Dame Mitte April die meisten Medien sofort mit Bildern, Liveschaltungen und Analysen – während beim Feuer am Amazonas Wochen vergingen, bis die grossen Blätter und Sender reagierten. Allerdings lohnt es sich, die Sache genauer zu betrachten.

Abgesehen davon, wie frivol der Vergleich einer Kirche mit einem Wald eigentlich ist, passierte Ersteres direkt vor unserer Haustür. Tausende Augenzeugen fluteten das Internet mit Bildern, Videos und Berichten. Die fast tausend Jahre alte, symbolträchtige Kathedrale von Paris in Flammen – ein Ereignis, das sich niemand hatte vorstellen können.

Missstände lassen sich beheben

Der brasilianische Regenwald hingegen brennt seit Jahrtausenden jedes Jahr. Das wahre Ausmass dieser Katastrophe am anderen Ende der Welt wurde erst mit der Zeit ersichtlich – sowie im Kontext mit dem umstrittenen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro und dem weltweiten Kampf gegen den Klimawandel.

Es dauerte tatsächlich sehr lange, bis die Zeitungen und TV-Stationen diese Geschichte erzählten. Die schlimme Wahrheit ist: Es gibt immer wieder Katastrophen, die nicht die verdiente Aufmerksamkeit finden. Weil sie falsch eingeschätzt, zensiert, verschwiegen oder schlicht nicht bemerkt werden.

Die gute Nachricht lautet: Das lässt sich verbessern. Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es für jeden Einzelnen so viel Freiheit und so viele Möglichkeiten, um Missstände anzuprangern –und die Welt damit stetig zu einem besseren Ort zu machen.

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