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Aufbruch in die Moderne

Von seinen Avancen Richtung Süden könnte nicht nur Kim Jong-un profitieren, sondern auch sein Volk.

Christoph Neidhart
epa06696152 North Korean leader Kim Jong-Un's vehicle moves for luncheon after meeting with South Korean President Moon Jae-In (not pictured) at the Demilitarized Zone (DMZ) in the border village of Panmunjom in Paju, South Korea, 27 April 2018. South Korean President Moon Jae-in and North Korean leader Kim Jong-un are meeting at the Peace House in Panmunjom for an inter-Korean summit. The event marks the first time a North Korean leader has crossed the border into South Korea since the end of hostilities during the Korean War.  EPA/KOREA SUMMIT PRESS / POOL
epa06696152 North Korean leader Kim Jong-Un's vehicle moves for luncheon after meeting with South Korean President Moon Jae-In (not pictured) at the Demilitarized Zone (DMZ) in the border village of Panmunjom in Paju, South Korea, 27 April 2018. South Korean President Moon Jae-in and North Korean leader Kim Jong-un are meeting at the Peace House in Panmunjom for an inter-Korean summit. The event marks the first time a North Korean leader has crossed the border into South Korea since the end of hostilities during the Korean War. EPA/KOREA SUMMIT PRESS / POOL
Die beiden Staatsmänner lächelten und schüttelten einander die Hände. Auf eine entsprechende Geste Kims überschritten beide, sich an den Händen haltend, die Grenze zum Norden. Dort machten sie ein paar gemeinsame Schritte und kehrten dann wieder in den Süden zurück.
Die beiden Staatsmänner lächelten und schüttelten einander die Hände. Auf eine entsprechende Geste Kims überschritten beide, sich an den Händen haltend, die Grenze zum Norden. Dort machten sie ein paar gemeinsame Schritte und kehrten dann wieder in den Süden zurück.
Korea Summit Press Pool, Keystone
Legendärer Handschlag an der Grenze.
Legendärer Handschlag an der Grenze.
AFP
Moon begrüsste Kim an der militärischen Demarkationslinie auf dem Roten Teppich. Beide bekamen Blumen überreicht von einem Mädchen und einem Jungen aus Südkorea.
Moon begrüsste Kim an der militärischen Demarkationslinie auf dem Roten Teppich. Beide bekamen Blumen überreicht von einem Mädchen und einem Jungen aus Südkorea.
Korea Summit Press Pool, Keystone
Die südkoreanische Ehrengarde empfing den Gast aus dem Norden in historischen Uniformen mit traditioneller Musik.
Die südkoreanische Ehrengarde empfing den Gast aus dem Norden in historischen Uniformen mit traditioneller Musik.
Korea Summit Press Pool, Keystone
Die beiden Staatsmänner zeigten sich am Freitag gut gelaunt und...
Die beiden Staatsmänner zeigten sich am Freitag gut gelaunt und...
Keystone
...widmeten sich ihren Gesprächen.
...widmeten sich ihren Gesprächen.
Keystone
Nach einer kurzen ersten Unterredung hinter verschlossenen Türen sollten später die offiziellen Beratungen beginnen.
Nach einer kurzen ersten Unterredung hinter verschlossenen Türen sollten später die offiziellen Beratungen beginnen.
South Korea Host Broadcast, Keystone
South Korean President Moon Jae-in and North Korean leader Kim Jong Un talk during the inter-Korean summit at the truce village of Panmunjom, in this still frame taken from video, South Korea April 27, 2018. Host Broadcaster via REUTERS TV  ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN PROVIDED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVES. SOUTH KOREA OUT.
South Korean President Moon Jae-in and North Korean leader Kim Jong Un talk during the inter-Korean summit at the truce village of Panmunjom, in this still frame taken from video, South Korea April 27, 2018. Host Broadcaster via REUTERS TV ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN PROVIDED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVES. SOUTH KOREA OUT.
North Korean leader Kim Jong Un, left, and South Korean President Moon Jae-in plant a pine tree near the military demarcation line at the border village of Panmunjom in the Demilitarized Zone, South Korea, Friday, April 27, 2018. North Korean leader Kim made history by crossing over the world's most heavily armed border to greet South Korean President Moon for talks on North Korea's nuclear weapons. (Korea Summit Press Pool via AP)
North Korean leader Kim Jong Un, left, and South Korean President Moon Jae-in plant a pine tree near the military demarcation line at the border village of Panmunjom in the Demilitarized Zone, South Korea, Friday, April 27, 2018. North Korean leader Kim made history by crossing over the world's most heavily armed border to greet South Korean President Moon for talks on North Korea's nuclear weapons. (Korea Summit Press Pool via AP)
South Korean President Moon Jae-in and North Korean leader Kim Jong Un embrace after signing agreements during the inter-Korean summit at the truce village of Panmunjom, in this still frame taken from video, South Korea April 27, 2018. Host Broadcaster via REUTERS TV  ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN PROVIDED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVES. SOUTH KOREA OUT.
South Korean President Moon Jae-in and North Korean leader Kim Jong Un embrace after signing agreements during the inter-Korean summit at the truce village of Panmunjom, in this still frame taken from video, South Korea April 27, 2018. Host Broadcaster via REUTERS TV ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN PROVIDED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVES. SOUTH KOREA OUT.
A screen shows coverage of a statement being read by North Korean leader Kim Jong Un, at the Inter-Korean Summit media centre in Goyang on April 27, 2018.The leader of nuclear-armed North Korea Kim Jong Un and the South's President Moon Jae-in said they were committed to the denuclearisation of the Korean peninsula after a historic summit on April 27. / AFP PHOTO / Ed JONES
A screen shows coverage of a statement being read by North Korean leader Kim Jong Un, at the Inter-Korean Summit media centre in Goyang on April 27, 2018.The leader of nuclear-armed North Korea Kim Jong Un and the South's President Moon Jae-in said they were committed to the denuclearisation of the Korean peninsula after a historic summit on April 27. / AFP PHOTO / Ed JONES
Südkoreas Präsident Moon Jae-in trifft am Freitag im Grenzort Panmunjom ein.
Südkoreas Präsident Moon Jae-in trifft am Freitag im Grenzort Panmunjom ein.
Ed Jones, AFP
Am Freitagmorgen haben sich Moon und Kim auf den Weg nach Panmunjom zum ersten Gipfeltreffen gemacht.
Am Freitagmorgen haben sich Moon und Kim auf den Weg nach Panmunjom zum ersten Gipfeltreffen gemacht.
Ahn Young-joon, Keystone
Über diesen Kieselweg in Panmunjom wird Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zum Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in schreiten.
Über diesen Kieselweg in Panmunjom wird Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zum Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in schreiten.
KOREA SUMMIT PRESS POOL, Keystone
Der Gipfel findet in der «Friedenshalle» statt, einem modernen Bau aus Glas und Beton an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea.
Der Gipfel findet in der «Friedenshalle» statt, einem modernen Bau aus Glas und Beton an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea.
Ed Jones, AFP
Südkorea liess den Raum, in dem verhandelt wird, komplett neu ausstatten – jedes Möbelstück darin hat seine Bedeutung.
Südkorea liess den Raum, in dem verhandelt wird, komplett neu ausstatten – jedes Möbelstück darin hat seine Bedeutung.
The Blue House, AFP
An der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea kommen Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zum Gipfeltreffen am Freitag zusammen.
An der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea kommen Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zum Gipfeltreffen am Freitag zusammen.
Jeon Heon-Kyun, Keystone
Moon werde Kim an den Betonblöcken treffen, welche die Grenze zwischen beiden Staaten in der entmilitarisierten Zone darstellt, teilte Moons Büro am Donnerstag mit.
Moon werde Kim an den Betonblöcken treffen, welche die Grenze zwischen beiden Staaten in der entmilitarisierten Zone darstellt, teilte Moons Büro am Donnerstag mit.
Lee Jin-man, Keystone
Bei den Gesprächen soll es vorrangig um einen Abbau der militärischen Spannungen zwischen den Nachbarländern gehen.
Bei den Gesprächen soll es vorrangig um einen Abbau der militärischen Spannungen zwischen den Nachbarländern gehen.
Korean Central News Agency, Keystone
Ausserdem will Moon Jae-in Kim davon überzeugen, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben.
Ausserdem will Moon Jae-in Kim davon überzeugen, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben.
Kim Hong-Ji, Keystone
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Für die Südkoreaner ist Kim Jong-un jetzt ein Mensch, kein Bomben werfendes Cartoon-Ungeheuer mehr. Ein Mann mit tiefer, fast kratziger Stimme und, wie manche finden, einem leichten Akzent, der verrate, dass er einige Schuljahre in der Schweiz verbrachte. Er wirkt intelligent, macht Witze, ist selbstironisch. Und gerührt, wenn ein kleiner Junge Weisen aus Nordkorea singt. Mit dem innerkoreanischen Gipfel vom Freitag hat Kim die Mehrheit der Südkoreaner für sich eingenommen, nur die geschwächte Rechte poltert gegen eine Aussöhnung mit dem Norden.

Wird er das Atomprogramm heimlich weiterführen?

Elf Jahre seien seit dem letzten Gipfel vergangen, klagte Kim zum Auftakt, das dürfe sich nicht wiederholen. Allerdings war er sechs dieser elf Jahre an der Macht. Warum also hat er so lange gewartet? Genau weiss er das vielleicht selber nicht, aber es gibt eine Reihe deutlicher Gründe. Kim musste seine vom Vater geerbte Macht erst absichern. Zu Beginn schien es, er sei nur die Galionsfigur des Organisationsbüros der Partei. Es gibt sogar Hinweise, nicht er habe die Hinrichtung seines Onkels Jang Song-taek 2013 angeordnet, sondern die Drahtzieher im Hintergrund. Sie hätten ihn damit warnen wollen, sich nicht über sie hinwegzusetzen.

Inzwischen hat er das Land unter alleiniger Kontrolle. Und Friedensavancen Richtung Südkorea wären bis vor einem Jahr aussichtslos gewesen. Die Vorstellung der geschassten Präsidentin Park Geun-hye von einer Vereinigung klangen eher nach Annexion. Und US-Präsident Barack Obama ignorierte Nordkorea.

Video: Nord- und Südkorea auf Friedenskurs

Demonstrative Einigkeit: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in machten mit ihrer Körpersprache deutlich, dass die Zeichen auf der koreanischen Halbinsel auf Entspannung stehen. Video: Reuters

Im November erklärte Kim Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm für erfolgreich abgeschlossen. Nach Ansicht von Raketeningenieuren stimmt das technisch nicht, sie halten es für einen Bluff und zweifeln an Nordkoreas Fähigkeit, je mehrstufige Raketen zu Anwendungsreife zu bringen.

In Washington wird Kim unterstellt, er werde, wie einst sein Vater, heimlich am Waffenprogramm weiterarbeiten lassen. Kim dagegen deutet die Bereitschaft an, es aufzugeben oder zumindest einzufrieren. Und Südkoreas Präsident Moon sagt, er glaube Kim.

Nordkoreas Propaganda bringt Ghadhafi ins Spiel

Wie kann Kim sein Waffenprogramm fallen lassen, das er in der Verfassung verankert hat und in das er und schon sein Vater jahrzehntelang grosse Teil des knappen Staatsbudgets steckten? Und dieses Aufgeben auch noch einen Erfolg nennen? Nordkoreas Propaganda rechtfertigte die Kernwaffen-Entwicklung jüngst mit Libyens Muammar Ghadhafi, der sein Programm aufgab. Einige Jahre danach wurde er mit US-Hilfe gestürzt. Ein paar Atombomben zur Abschreckung genügten, so die Überlegung, Land und Regime gegen Angriffe der USA zu versichern. Zugleich markierte Kim damit nach innen seine Macht.

Video: Kim Jong-un spricht von historischem Moment

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in sind am Freitag zu ihrem historischen Gipfeltreffen in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern zusammengekommen. Video: AFP

Aber die nordkoreanische Gesellschaft wandelt sich, sie entwickelt sich von unten her zu einer Marktwirtschaft. Und die Kinder der Elite wollen mehr Mobiltelefone und gutes Essen. Damit büssen das Machtgehabe mit Atomwaffen und die Repression an Wirkung ein.

Kims Atom- und Raketenversuche im Vorjahr könnten der koreanischen Halbinsel einen Grosserfolg bescheren, wenn die Bewegung anhält, die mit diesem Gipfel ins politische Gefüge Ostasiens kam. Peking, Washington, Moskau und auch Tokio konnten mit der brutalen, isolierten Diktatur in Nordkorea ganz gut leben, solange sie nicht zu sehr provozierte. Sie hatten ein Interesse, den Status quo zu erhalten – auf Kosten der nordkoreanischen Bevölkerung. China fürchtet ein vereinigtes Korea als Verbündeten der USA. Die Amerikaner rechtfertigen ihre Truppen in Ostasien, die sich auch gegen China richten, mit dem Paria-Staat. Mit seinem Zündeln hat Kim dieses Patt aufgebrochen, er rüttelt am Machtgefüge in Nordostasien. Und mit Trump trifft er auf einen US-Präsidenten, der sich nicht um bisherige Allianzen und die Geschichte schert – sondern Geschichte machen will.

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