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Antigone im Amazonas

Wie im Amazonas die ganze Menschheit ihrem Untergang entgegenwankt.

Vergangenen Sommer brannte in Nordbrasilien der Urwald. Wie sich bald herausstellte, hatten von den grossen Agrokonzernen bezahlte Banden die Feuer angezündet: um mehr Weideland für Rinder, mehr Anbauflächen für Soja-Monokulturen aus den Wäldern zu schneiden. Vor allem war es eine Gelegenheit, den Lebensraum der indigenen Völker Amazoniens zu zerstören und damit ihren Widerstand gegen die zahllosen Grossprojekte der Regierung Bolsonaros.

Als ich vor einer Woche nach Marab á – einer Stadt an den südlichen Ausläufern des Amazonas – flog, waren im Waldland immer noch riesige Brände zu sehen. Zusammen mit Indigenen, Aktivistinnen und Schauspielerinnen aus Europa und Brasilien verfilmen wir in den nächsten Monaten auf einer besetzen ehemaligen Rinderplantage die ­«Antigone» des ­Sophokles. Es ist die Geschichte des Tyrannen Kreon, der seine Macht um jeden Preis er­halten will, und Antigones, die sich ihm ­widersetzt. Eine junge Indigene wird Antigone spielen, der Chor besteht aus Überlebenden eines Massakers der brasilianischen Regierung an Kleinbauern. Kreon, das Prinzip der Macht und der Verwertung, wird dagegen durch eine Europäerin dargestellt: durch meine Lieblingsdarstellerin Ursina Lardi.

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