Angriff der Emojis

Für Facebook gelten die lustigen Symbolbilder als Hatespeech.

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Man muss für Mark Zuckerberg auch einmal eine Lanze brechen. Der Mann hat es nicht einfach. Vor dem US-Kongress, dem EU-Parlament und sogar auf seinem eigenen sozialen Netzwerk wird der Facebook-Chef zum Datendieb erklärt, als verantwortungsloser Milliardär beschimpft oder als Nerd mit Knopfaugen verhöhnt. So hart die Kritik aber auch immer ist: Zuckerberg bleibt cool und sein Unternehmen auf Kurs.

Andere sind da sensibler. Zum Beispiel jene Facebook-Nutzer, die überall sogenannte Hatespeech wittern, politisch nicht korrekte Postings bejammern und sich dabei ebenso gerne wie oft als Opfer fühlen. Abertausende solcher Reklamationen werden täglich bei Facebook gemeldet. Und als vorbildlicher Chef, der Zuckerberg nun mal ist, nimmt er dabei nicht sein eigenes Empfinden als Massstab, sondern das seiner Kundschaft.

Das Problem ist, dass deren Sensibilitäten keine Grenzen kennen. Nicht nur einzelne Wörter, Aus­sagen oder Bilder verstören ihr Seelenleben – sondern neuerdings auch Emojis. Jedenfalls hat Facebook kürzlich für seine Mitarbeitenden eine Anleitung erstellt, wann welches Emoji gegen die Regeln des sozialen Netzwerks verstösst. Und wann der Absender für den Gebrauch eines bestimmten Symbolbilds bestraft werden soll.

Hate­speech, Mobbing oder bildliche Gewalt

Es gibt in diesem internen Dokument, das der Website Motherboard diese Woche zugespielt worden ist, zum Beispiel die Kategorie «Verurteilung». Darin wird gewarnt, dass Emojis wie als «Hate­speech, Mobbing oder bildliche Gewalt» aufgefasst werden können.

Andere Emojis wie landen zwar in der Abteilung «Unterstützung/Belohnung», bloss müsse dabei der Kontext bedacht werden, denn mit den gleichen Symbolen könnten laut Facebook auch «kriminelle und gewalttätige Handlungen» beklatscht werden.

Unter Hatespeech fallen ebenso , weil Personen damit womöglich «entmenschlicht» werden. Selbst die Bilder der Nationalflaggen können laut Facebook «auf eine bestimmte Art und Weise» als Hatespeech ausgelegt werden, weshalb deren Verwendung ebenfalls überprüft werden müsse.

Und nicht zu vergessen das das selbstverständlich auch zu den Hass-Symbolen gehöre.

Besondere Aufmerksamkeit wird in Zeiten von #MeToo dem Thema Sex gewidmet. Emojis wie sollen laut Facebook dazu gebraucht werden können, um «sexuelle Aktivität», aber auch «Ausbeutung und Grausamkeiten» darzustellen. Das ist insofern bemerkenswert, als das soziale Netzwerk damit zum ersten Mal offiziell das Aubergine-Emoji für das männliche und den Pfirsich für das weibliche Geschlechtsorgan benutzt – laut Motherboard soll in der digitalen Gemeinde seit Jahren ein Streit über diese Interpretation geherrscht haben.

Wer es also gerne explizit mag, aber keinen Ärger will, verwendet künftig lieber die denn dieses Emoji steht nicht auf der Liste.

Der Kontext ist wichtig

Allerdings werden die Mitarbeitenden von Facebook dazu angehalten, die Anleitung nach eigenem Gutdünken zu erweitern und auch andere Emojis zu ahnden – je nachdem, in welchem Kontext sie verwendet werden. Bei Verstössen dürfen sie die Nutzer verwarnen, bei einem Folgeverstoss sollen sie die Posting-Rechte einschränken oder das ganze Profil deaktivieren.

Falls durch den Einsatz von dubiosen Emojis eine Gefahr für Leib und Leben oder für die öffentliche Sicherheit bestehe, behält sich Facebook vor, die Polizei zu informieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.06.2018, 22:42 Uhr

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