Väter lancieren eigene App

Kantone verbieten Klassenchats auf Whatsapp an den Schulen. Auch Eltern reagieren.

Schweizer Alternative: Elias Schibli (links) und seine Mitstreiter präsentieren die App Klapp. Foto: Michele Limina

Schweizer Alternative: Elias Schibli (links) und seine Mitstreiter präsentieren die App Klapp. Foto: Michele Limina

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Er hat es in grossen Lettern auf seine Präsentationsfolie geschrieben: Kinder sind das «höchste Gut». Und das gilt es zu schützen. Gerade auch in Internetchats. 16 Folien hat Elias Schibli, Vater von drei Kindern, auf seinen Laptop geladen. Damit tingelt er durch die Schulen und will an den Mann bringen, was, so Schiblis Hoffnung, eine Alternative zu Whatsapp sein könnte.

Der 41-jährige Sicherheitsexperte hat mit drei anderen Vätern aus dem Kanton Aargau und einem Zürcher Datenwissenschaftler eine neue Klassen-App namens Klapp lanciert. «Als Eltern wollen wir die Kontrolle haben, was mit unseren Daten passiert und wer Zugriff darauf hat», sagt Schibli. Um die Klapp-App zu nutzen, braucht es die Bewilligung der Eltern, und die Nutzerdaten werden ab Juli auf Servern in der Schweiz gespeichert. An 30 Schulen in den Kantonen Zürich, Aargau, Basel-Stadt, Zug, Luzern und Solothurn wird Klapp derzeit getestet. «Im Sommer werden wir kommerziell live gehen», sagt Schibli.

Eine Altersbeschränkung gibt es nicht – anders als bei Whatsapp, dem Messengerdienst von Facebook. Dort galt bis vor kurzem das Mindestalter 13. Als Folge der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung, die Ende Mai in Kraft trat, hat Whatsapp seine Nutzungsbedingungen überarbeitet und das Mindestalter auf 16 angehoben. Das hat Folgen für die Schulen in der Schweiz, weil die Schüler in der Regel jünger sind.

Die Chat-App hat an den Schulen nichts mehr zu suchen. 

Jetzt reagieren die ersten Kantone auf die neuen Whatsapp-Regeln. Sie machen klar: Die Chat-App hat an den Schulen nichts mehr zu suchen.

Beispiel Kanton Baselland. «Die Nutzung von Whatsapp kommt nicht mehr infrage, da die Nutzer mindestens 16 Jahre alt sein müssen», sagt Monique Juillerat, Sprecherin der kantonalen Bildungsdirektion. «Die Zustimmung der Eltern ändert daran nichts.» Whats­app habe «klare Nutzungsbestimmungen definiert, die einzuhalten sind». Man mache sich derzeit «Gedanken über digitale Kommunikationswege, die erlaubt sind».

Ähnlich tönt es im Kanton Zürich. «Die Lehrpersonen sind angehalten, gesetzliche und vertragliche Vorgaben einzuhalten», sagt Yvonne Leibundgut, Sprecherin der Bildungsdirektion. «Nutzungsbedingungen sind vertragliche Vereinbarungen zwischen Whatsapp und den Nutzern.» Es sei nicht Aufgabe der Lehrer, «die Schüler zur Umgehung oder zur Verletzung solcher Vereinbarungen anzuhalten». Zudem sei Whatsapp gemäss Richtlinien des kantonalen Datenschützers «keine datenschutzkonforme Lösung», sagt Leibundgut. «Dieser Haltung schliesst sich die Bildungsdirektion an.»

Nutzung nicht rechtmässig

Der Zürcher Datenschützer weist darauf hin, dass die Nutzer dieser App fortlaufend die Kontaktdaten im Adressverzeichnis ihres Smartphones an Whatsapp und auch an Facebook übermitteln. Auch Daten von Personen, die Whatsapp gar nicht nutzen. Die Lehrer brauchten die Erlaubnis aller im Adressverzeichnis aufgeführten Personen, um über Whats­app mit Schülern Informationen auszutauschen. Da es solche vollständigen Einwilligungen praktisch nicht gebe, so der Datenschützer, sei «die Nutzung von Whatsapp durch Lehrpersonen und die anderen schulischen Mitarbeitenden nicht rechtmässig».

Auch andere Kantone beschäftigen sich jetzt mit dem Messengerdienst. «Wir klären gegenwärtig die juristische Sachlage ab», sagt Martin Werder, Sprecher der Erziehungsdirektion des Kantons Bern. Das gilt auch für den Kanton Aargau. Im Berner Parlament wurde diese Woche eine entsprechende Anfrage eingereicht, im Kanton Aargau eine Interpellation.

Das Erziehungsdepartement von Basel-Stadt wolle sich «demnächst in Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten» zu Whatsapp äussern, sagt Sprecher Simon Thiriet. «Vorläufig» dürften Lehrer Klassenchats auf Whats­app weiter nutzen, sofern die Eltern ihre Einwilligung gegeben hätten und über die «datenschutzrechtlichen Problemstellungen» informiert worden seien.

Die Basler testen derzeit als Whatsapp-Ersatz die Messaging-App Threema. Die Firma mit Sitz in Pfäffikon SZ will die Gunst der Stunde nutzen – sie hat diese Woche mit neuen Konditionen den Preis für ihre spezielle Schul-App gesenkt.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 10.06.2018, 08:55 Uhr

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