SBB kontern Fernbusse mit Sparbilletten

Die Bundesbahnen greifen angesichts der drohenden Konkurrenz durch Fernbusse zu Kampfpreisen – und erwägen, Sparbillette noch günstiger zu machen.

Domo-CEO Patrick Angehrnsagt, dass das neue Angebot den subventionierten Regionalverkehr nicht konkurrieren werde. (19. Februar 2018) Video: Tamedia/SDA
Video: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Hinter den Kulissen bereiten sich die SBB für den Fall vor, dass ihr Domo Swiss Express, die vergangene Woche als erste Schweizer Anbieterin eine Fernbuskonzession für drei Strecken erhalten hat, zu viele Passagiere wegschnappt. Wie SBB-intern zu erfahren ist, überlegen sich die Bundesbahnen, den Rabatt bei den Sparbilletten zu erhöhen. Derzeit beträgt er maximal 50 Prozent. Doch nun gibt es Ideen, diese Spanne zu vergrössern. Wie stark, ist nicht bekannt, zumal die Sache noch nicht spruchreif sei.

Schon zuvor hatte sich SBB-Chef Andreas Meyer präventiv in die Preisschlacht gestürzt: Im Februar erhöhten die Bahnen das tägliche Kontingent an Sparbilletten laut eigenen Angaben «markant». Die Aktion gelte auch für Kunden ohne Halbtax. Die Tickets sind bis zum 27. März buchbar. «Fernbusse haben Auswirkungen auf das gefühlte Preisniveau», erklärte Meyer Anfang Februar in einem Interview mit dem «Beobachter». Die Bahnpreise kämen unter Druck, weil sich die Kunden die Preisunterschiede anschauten.

An den Billettpreisen selbst kann Meyer nicht rütteln, weil eine Senkung nur gemeinsam mit der gesamten Branche des öffentlichen Verkehrs beschlossen werden kann. Andere ÖV-Anbieter, die sich von der Fernbuskonkurrenz nicht betroffen fühlen, dürften deshalb Widerstand leisten. Also müssen die SBB einstweilen mit Sparbilletten, Spartageskarten und anderen Sparangeboten Gegensteuer geben.

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Wie viele zusätzliche Sparbillette in diesem Monat auf den Markt geworfen werden, gibt die Bahn nicht bekannt. In «normalen» Zeiten verkauft sie 5000 bis 6000 dieser Tickets pro Tag.

Die Domo-Busse nehmen ihren Betrieb am 25. März auf. Das Busunternehmen mit Sitz in Glattbrugg ZH hat für die Strecke Zürich–Bern einen Preis von 11.50 Franken unter Berücksichtigung des Halbtaxabos angekündigt. Die SBB bieten am gleichen Tag Sparbillette ab 12.80 an. Das normale Bahnticket würde 25.50 kosten. Auf der Strecke Basel– Zürich verlangt Domo 8.80. Bei den SBB sind Sparbillette ab 8.60 aufgeführt. Das gewöhnliche Ticket kostet 17 Franken. Die Bahn ist hier somit günstiger.

SBB könnten Busanbietern Spätverbindungen überlassen

Wofür sich die Kundschaft entscheiden wird, muss sich in den nächsten drei Jahren zeigen. So lange läuft die Konzession für den Domo Swiss Express. Noch in der Warteschlaufe beim Bundesamt für Verkehr steckt die Firma Eurobus, die eine Konzession für sieben Strecken beantragt hat.

Falls die Busse erfolgreich am Markt auftreten, könnten sich die SBB dem Vernehmen nach eine punktuelle Zusammenarbeit mit den Busanbietern vorstellen. Stichworte sind Frühzubringer zu den Flughäfen oder die Ausdünnung von Bahnverbindungen im Früh- und Spätverkehr. Statt einen kompletten Zug spätabends fast leer über die Schienen sausen zu lassen, könnten die SBB den Transport der Passagiere einem Busunternehmen überlassen. Konkrete Projekte gebe es allerdings noch nicht, ist aus SBB-Kreisen zu vernehmen.

Offiziell geben sich die SBB ob der Konkurrenz durch die Fernbusse gelassen. Die öffentlichen Warnrufe überlässt das Unternehmen gerne anderen Bedenkenträgern. Zum Beispiel dem VCS oder der Eisenbahnergewerkschaft SEV, die den Bussen am liebsten schon morgen die Luft aus den Pneus lassen würden. Sie sehen in der Liberalisierung eine akute Bedrohung für das bestehende öffentliche Verkehrssystem.

Zur Beruhigung bei den Bundesbahnen haben zweifellos die Grössenverhältnisse beigetragen: Mit Domo Swiss Express tritt ein Konkurrent an, der täglich höchstens 800 Leute transportieren kann. Bei der Bahn sind es 1,2 Millionen Menschen – jeden Tag. Ein Busanbieter allein mag für die etablierten öffentlichen Verkehrsanbieter noch kaum spürbar sein, mehrere könnten es aber durchaus werden, wie Beispiele im Ausland zeigen, etwa in Deutschland und Frankreich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.02.2018, 12:05 Uhr

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