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6 Facetten von Don NachbaurSo tickt der neue SCB-Trainer

Wer ist Don Nachbaur? Das fragen sich nicht nur die Anhänger des SC Bern. Eine Antwort in sechs Kapiteln.

Erster Auftritt in neuer Umgebung: Don Nachbaur fühlt sich in Bern bereits wohl.
Erster Auftritt in neuer Umgebung: Don Nachbaur fühlt sich in Bern bereits wohl.
Foto: Raphael Moser

Die Ernennung Don Nachbaurs zum Cheftrainer des SC Bern hat überrascht. Denn der 61-Jährige ist in der Schweizer Eishockeyszene ein unbeschriebenes Blatt. Seit Dienstag ist er in Bern. Es ist also an der Zeit, den Mann, der die Mutzen zurück in die Erfolgsspur führen soll, näher kennen zu lernen. Ein Porträt in sechs Kapiteln.

Der Coach – kein Diktator

Don Nachbaur will aggressiv und vor allem schnell spielen lassen. Der langjährige Nachwuchstrainer hat an seine Spieler hohe Erwartungen, was die Arbeitseinstellung anbelangt, aber er ist vom Typ her kein Diktator. Er selber sieht sich als Lehrer. «Ich denke, ich bin gut darin, Beziehungen aufzubauen. Ich mag die Spieler. Erst wenn sie dir vertrauen, kannst du ihnen im Eishockey etwas beibringen», sagt er.

«Wir werden kein Don-Nachbaur-System praktizieren, sondern ein Teamsystem.»

«Die Spieler sind heute anders als noch zu meiner Zeit; sie wollen angehört werden, Inputs geben. Ich bin ein guter Zuhörer. Wir werden kein Don-Nachbaur-System praktizieren, sondern ein Teamsystem.» Strikt einfordern wird er indes, dass mit hoher Intensität trainiert wird; die Spieler sollen sich gute Angewohnheiten aneignen. «Ich glaube fest daran, dass alles, was wir im Training tun, sich im Match zeigen wird.»

Der Spieler – mehr als ein Schläger

Wer auf Youtube «Don Nachbaur» eintippt, findet in erster Linie Ausschnitte von Faustkämpfen. In der American Hockey League wurden ihm in 512 Partien nicht weniger als 1674 Strafminuten aufgebrummt. In jungen Jahren sei er stets ein Skorer und Spielmacher gewesen, sagt er. Später seien ihm aufgrund seiner Robustheit andere Rollen zugeteilt worden. «Ich wollte unbedingt in die NHL kommen, und die harte Spielweise war meine Strasse, die zur Zieldestination führte.»

In der Kindheit spielte er auf offenen Eisfeldern mit fünf, sechs Jahre älteren Buben, wurde oft im Gesicht getroffen. Schon früh lernte er daher, sich zu wehren. Diese Erfahrungen waren später nützlich. «Jemand musste sich in der NHL prügeln, und ich war bereit dazu.» Schmunzelnd fügte er an, er sei in dieser Disziplin nicht allzu schlecht gewesen. Doch der Kanadier war mehr als ein Schläger. «Ich war vielseitig, konnte mich immer anpassen.» Die Statistiken belegen seine Aussage. Bei den Philadelphia Flyers kam er nur im dritten oder vierten Sturm zum Einsatz, das waren damals reine Checkerlinien. Daher war seine Produktion bescheiden, in der AHL und in Österreich durfte er hingegen sein Offensivpotenzial entfalten – und er punktete regelmässig.

Der Globetrotter – überall zu Hause.

Seine Mutter und sein Vater wanderten aus Österreich nach Kanada aus, wo Nachbaur geboren wurde. Er hat bis heute beide Pässe. In seiner Jugend verbrachte er die Sommerferien oft in der Heimat seiner Eltern. Heute lebt er im US-Bundesstaat Washington. Seine Herkunft hat ihn in vielerlei Hinsicht geprägt. «Ich habe die Welt gesehen, deshalb fühle ich mich in der Schweiz wohl, obwohl der Lebensstil ganz anders ist als in Nordamerika.» In Bern gefällt es ihm gut, zu schaffen machen ihm bisher nur die vielen Einbahnstrassen. Es hat auch schon 40 Minuten gedauert, bis er die Postfinance-Arena gefunden hat. Nachbaur probiert gern verschiedene Küchen und Gerichte aus. Er mag auch flüssigen Käse , «und meine Frau könnte jeden Tag ein Fondue essen».

«Durch harte Arbeit verdient man sich Respekt. Geschenkt kriegt man im Leben nichts.»

Stark beeinflusst hat ihn sein Vater. Klein-Don beobachtete, wie der Elektriker werktags das Haus immer früh verliess und abends staubig heimkam. «Von ihm lernte ich: Durch harte Arbeit verdient man sich Respekt. Geschenkt kriegt man im Leben nichts.» Obwohl er sich überall gut zurechtfindet und seit geraumer Zeit am meisten Zeit in den USA verbringt, sagt er: «Als Daheim bezeichne ich Prince George in Kanada, dort wuchs ich auf.»

Der Familienmensch – auch der Sohn trifft das Tor

Der SCB-Trainer wuchs mit einem älteren Bruder und einer jüngeren Schwester auf. Die drei stehen sich noch immer nahe. Heute ist er selbst Familienvater. Tochter Sydney hat einen Master in Personalmanagement und lebt ebenfalls im Bundesstaat Washington. Sohn Daniel promovierte kürzlich an der University of Massachusetts in Biologie. Der Junior war in Boston Topskorer des Universitäts-Eishockeyteams. «Ich bin stolz auf ihn, denn er hat nicht nur viel gepunktet, er hat auch sonst gut gespielt», sagt Don Nachbaur.

«Wir werden die Geschäfte und Restaurants in der Berner Altstadt erkunden.»

Nacheifern wird Daniel seinem Papa nicht; er wird nicht Eishockeyprofi, aber unter Umständen Zahnarzt. Gattin Kim ist diesmal nicht mitgereist, aber während der Saison wird sie auch in Bern weilen. «Meine Frau und ich mögen es, Dinge zu entdecken. Wir werden die Geschäfte und Restaurants in der Berner Altstadt erkunden.»

Der Naturbursche – Wetten auf dem Golfplatz

Braun gebrannt: Don Nachbaur verbringt seine Freizeit mit Vorliebe draussen.
Braun gebrannt: Don Nachbaur verbringt seine Freizeit mit Vorliebe draussen.
Foto: Raphael Moser

Zur Entspannung sieht sich Don Nachbaur gern Filme an. Doch am liebsten verbringt er seine Freizeit im Freien. Das war schon immer so. In seiner Kindheit verbrachte die Familie Nachbaur fast jedes Wochenende auf den Ski. Dieses Hobby gab er später wegen des Eishockeys auf. Heute gehören Golfen und Wandern zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. «Während der Corona-Zeit wanderte ich fast jeden Tag zwölf Kilometer in den Hügeln und Bergen unserer Region. Täglich ein paar Stunden zu gehen, ist für mich ein gutes Training. Ich will fit hinter der Bande stehen und nicht umfallen.» Als er das sagt, lacht er herzhaft. Übrigens: Beim Golfen kommt der Wettkämpfer zum Vorschein. Auf dem Parcours hat er stets Wetten um kleinere Summen am Laufen.

Der Eishockeyinsider – keine Erfahrung mit Rassismus

15 Jahre lang war er Profi, seit 1994 ist er auf diversen Stufen als Coach tätig. Meistens betreute er Junioren auf Topniveau. Don Nachbaur hat viel erlebt, trotzdem erschrak auch er, als kürzlich Beschreibungen von brutalen Ritualen (körperliche Gewalt, sexuelle Erniedrigungen) im nordamerikanischen Nachwuchseishockey die Runde machten. «Ich glaube an gute Menschen und forderte die älteren Spieler auf, den Neulingen einen guten Weg aufzuzeigen. Ich machte vor jeder Saison Sitzungen, in denen klar gesagt wurde, dass solche Rituale verboten sind. Ich wäre schockiert und sehr, sehr enttäuscht, wenn es in meinen Teams solche Vorkommnisse gegeben hätte. Aber du weisst als Coach nie genau, was die Spieler machen, wenn du nicht dabei bist.» Ja, es stimme, jeder Club habe seine Aufnahmerituale. «Aber auch als Junior habe ich nie solche Brutalität gesehen oder erlebt.»

«Ich habe nie auf die Farbe der Haut geachtet.»

Vor einem guten Monat erhob der in Nigeria geborene Profi Akim Aliu schwere Vorwürfe, was den Rassismus im Eishockey betrifft. Nachbaur kann sich an keine Probleme erinnern. «In Hartford wohnte ich mit Ray Neufeld (er ist dunkelhäutig, die Redaktion) zusammen. Ich schätzte ihn sehr; er ist bis heute ein guter Freund. Ich habe nie auf die Farbe der Haut geachtet.» Vor 15 Jahren coachte Nachbaur den dunkelhäutigen Shawn Belle. «Er war ein ganz normales Teammitglied und in der Mannschaft sehr respektiert