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Die Champions im PorträtSo ticken die alten und neuen Meister

Christian Fassnacht und Michel Aebischer haben die drei Titelgewinne miterlebt. Sie gehören zum Führungszirkel der Young Boys. Gemeinsam stellen sie die Kollegen vor.

Das YB-Meisterteam 2019/2020 feiert in Sitten den Titelgewinn.
Das YB-Meisterteam 2019/2020 feiert in Sitten den Titelgewinn.
Foto: Keystone

#1 Marco Wölfli, die Festhütte

Aebischer: Ein Kopf der Mannschaft. Der Älteste, aber immer noch mit kindlicher Freude. Und er kann feiern, das hat er bei allen drei Titeln gezeigt. Er sagt jeweils, daheim müsse er seine Pflichten als Familienvater erfüllen, deshalb lasse er es mit uns krachen.

Fassnacht: Als wir nach den Titeln 2018 und 2019 nach Barcelona und Ibiza reisten, zog er mit uns Jüngeren jeden Abend mit. Ein wenig Wehmut war bei ihm zu spüren in seinen letzten Monaten. Den Titel haben wir auch für ihn geholt, man merkte, wie wichtig ihm das noch einmal war.

#3 Frederik Sörensen, der deutsche Däne

Aebischer: Er hat eine deutsche Mentalität, spielt sehr kampfbetont. Wenn es im Training heisst «keine Grätschen heute», kannst du fast sicher sein, dass er ein Zeichen setzt und einen umgrätscht.

Fassnacht: Er kann ein «Hässeli-Bänz» sein und auf dem Feld richtig laut werden. Aber daneben ist er ein super Typ, entspannt und freundlich. Von seiner Zeit bei Juventus hat er erzählt, dass ihm Pirlo im Training sagte: «Wenn du nicht weisst, wohin mit dem Ball, dann spiel ihn einfach zu mir.»

#4 Mohamed Ali Camara, der Mann aus Stein

Fassnacht: Der Mann aus Stein. Bei Ali ziehst du im Training den Fuss schon mal zurück, sonst fehlst du im nächsten Spiel. Er tut richtig weh, ist eisenhart. Und seine Mentalität und Aggressivität auf dem Feld sind beeindruckend. Und er ist ein herzensguter Mensch. Er hat einen hohen Stellenwert im Team.

Aebischer: Ein enorm seriöser Arbeiter, Ali war der Erste, der am letzten Samstagmorgen schon wieder auf dem Velo war. Zu Beginn, als er die Namen noch nicht richtig kannte, schrie er immer, wenn jemand am Ball war, einfach «Ah, Ah, Ah!». Er spricht auch jetzt pausenlos im Spiel.

#5 Cédric Zesiger, der neue Frisurenkönig

Aebischer: Seine Frisur muss sitzen. Er hat Fassi als Frisurenkönig abgelöst.

Fassnacht: Er hat jetzt eigentlich alles erlebt im Fussball: Vor einem Jahr Abstieg mit GC, jetzt Meister. Er könnte jetzt schon aufhören.

Aebischer: Auch er weiss, wie man feiert. Er wurde ja zu Beginn der Saison ins kalte Wasser geworfen. Diese Prüfung hat er gut bestanden.

Fassnacht: Am Anfang war er schüchtern. Er wohnt in der Nähe von mir, aber er traute sich erst nicht zu fragen, ob ich ihn mitnehmen könnte, ich musste ihm jeweils schreiben. Und vergass ich es einmal, nahm er einfach den Zug ins Training.

#6 Esteban Petignat, der Bescheidene

Aebischer: Es braucht einiges, bis er etwas sagt. Este ist ein ganz Ruhiger. Es ist bewundernswert, wie er seinen Kreuzbandriss verarbeitet hat.

Fassnacht: Es gibt genug junge Spieler, die sich, sobald sie es zum Profi geschafft haben, ein bisschen überschätzen. Er ist da ganz anders, bleibt sehr bescheiden und hält sich zurück. Dass er ein guter Fussballer ist, ist offensichtlich.

#7 Marvin Spielmann, der Gamer

Fassnacht: Er spielt fürs Leben gern «Fortnite», ein Videospiel. Aber er wird bald Vater, dann muss er sich da vielleicht etwas zurücknehmen. Ich kenne ihn ja schon aus Thun, schätze ihn enorm. Er hat grosses Potenzial, aber der Start hier bei YB war für ihn nicht einfach.

Aebischer: Dass er sich selber stark unter Druck setzt, war ab und zu zu erkennen. Aber wenn er einmal in Fahrt kommt, ist er kaum zu stoppen.

#8 Vincent Sierro, die Bereicherung

Fassnacht: Am Freitag nach dem Sieg zum Meistertitel kam er zum ersten Mal so richtig aus sich heraus. Er hat getanzt, das war schön zu sehen. Vincent ist eine Bereicherung für unser Team, ein enorm guter Fussballer, der uns noch viel bringen kann.

#10 Miralem Sulejmani, der liebste Mensch

Fassnacht: Der liebste Mensch im Team, der gäbe dir sein letztes Hemd,

Aebischer: auch wenn es ein teures wäre.

Fassnacht: Genau, er hat einen speziellen Keidungsstil. Aber für die Mannschaft ist er so wichtig. Er kennt jeden, er kann es mit jedem. Und hat den besten linken Fuss der Liga.

Aebischer: Er hat mit Suarez und Eriksen gespielt und Titel in Serie geholt. Aber damit würde er nie angeben.

#11 Gianluca Gaudino, der DJ

Fassnacht: Er ist mit dem Ball auf die Welt gekommen. Wenn er irgendwo einen neuen Trick sieht, kann er ihn ein paar Minuten später auch. Unglaublich, am Ball gibt es keinen Zweiten wie ihn bei uns.

Aebischer: Egal, wie hoch ein Ball kommt und wie bedrängt er ist, ihm verspringt er nie. In der Kabine hat er sich ein wenig in die Rolle des Kabinen-DJs manövriert. Er schaut, dass sich da alle wohlfühlen, spielt auch Musik für die Afrikaner. Das passt vielleicht besser als früher Thorsten Schick mit seiner Après-Ski-Musik.

#13 Nicolas Moumi Ngamaleu, der Hierarchische

Aebischer: Eine Pferdelunge. Und er bringt positive Energie ins Team.Fassnacht: Er kann mit seinem Lachen alle anstecken. Unsere Afrikaner legen Wert auf Hierarchien, und er sieht sich als ihr Leader. Als er sich kürzlich in der Garderobe mit Camara anlegte, traute sich dieser nicht, sich zu wehren.

Kreierten das Meistertor und sind eng befreundet: Christopher Martins (links) und Vorbereiter Nicolas Ngamaleu (Mitte).
Kreierten das Meistertor und sind eng befreundet: Christopher Martins (links) und Vorbereiter Nicolas Ngamaleu (Mitte).
Foto: Keystone

#14 Nicolas Bürgy, der Fremdenführer

Aebischer: Er kennt jedes Restaurant in Bern.

Fassnacht: Wenn du in Bern etwas brauchst, dann musst du bei ihm nachfragen. Er macht beste Werbung für seine Stadt, für ihn gibt es keine bessere auf dieser Welt. Und er ist unser Mister Gym, er trainiert gerne und viel.

Aebischer: Er hat seine Rolle klaglos akzeptiert, er ordnet sich dem Team unter; wenn es ihn braucht, ist er da und bringt seine Leistung. Er weiss, dass er seine Chance wieder erhalten wird.

#15 Meschack Elia, der Herzige

Fassnacht: Selbst Assalé war nicht so schnell auf den ersten Metern. Ein ganz ruhiger, in der Carfahrt von Sitten heim wurde er aufgefordert, zu tanzen. Und dann packte er plötzlich seine afrikanischen Skills aus.

Aebischer: Als er zur Vorstellung bei uns singen musste, schwieg er und tanzte einfach (lacht).

Fassnacht: Wie Assalé hat er einen speziellen Kleidungsstil, mit ausgefallenen Farben. Dabei steht er nicht gerne im Mittelpunkt. Er ist einfach enorm herzig, ihn muss man gern haben. Ich habe das Gefühl, er würde gerne mit allen reden, aber das ist derzeit noch unmöglich. Deutsch spricht er noch nicht, Englisch kaum, und sein Französisch ist relativ schwer verständlich.

#16 Christian Fassnacht, der Organisator

Aebischer: Im Training verfehlt er jeden Kopfball, im Spiel ist er dann ein Kopfballungeheuer. Ein super Typ, den alle mögen. Er organisiert die Teamessen, nachdem er Bürgy nach Rat gefragt hat (lacht). Ist schon lange dabei, ist dadurch deutlich präsenter in der Kabine geworden. Ein Anliegen von unserem Sportchef Spycher.

Geht mittlerweile voran: Christian Fassnacht ist bei YB in der Kabine präsent und Organisator von Events.
Geht mittlerweile voran: Christian Fassnacht ist bei YB in der Kabine präsent und Organisator von Events.
Foto: Freshfocus

#18 Jean-Pierre Nsame, der Vielsprecher

Aebischer: Die Tormaschine. Wenn er im Strafraum angespielt wird, ist der Ball im Tor.

Fassnacht: Ausser in Sitten (lacht). Er spricht nicht laut, aber ziemlich viel. Fragt man ihn etwas, hört er nicht mehr auf zu erzählen. Gerade wenn es um Fussball geht.

Aebischer: Er kennt jedes Resultat. Und dann will er plötzlich über die Taktik reden.

Fassnacht: Manchmal ergreift er vor den Spielen das Wort. Irgendjemand muss dann etwas dazwischenrufen, damit er aufhört. Jean-Pierre ist ein sympathischer Typ. Als Gui verletzt fehlte, wusste er, dass er eine Führungsrolle übernehmen musste. Er ist ein Leader und ein enorm wichtiger Teil dieser Mannschaft.

#19 Felix Mambimbi, der Golden Boy

Aebischer: Der Golden Boy. Seit er in die Auswahl der hundert grössten Talente Europas gekommen ist, ziehen wir ihn damit auf. Er sitzt in der Garderobe neben mir, ich sage ihm manchmal, dass er durchaus eine Chance hat, die Wahl zu gewinnen – neben Spielern wie Haaland und Sancho. Er ist klein gewachsen, kann sich in den Duellen aber behaupten, weil er einen enorm tiefen Körperschwerpunkt hat.

Fassnacht: Er hat die kürzesten Beine, die ich im Fussball gesehen habe. Dadurch vermag er die Bälle sehr gut zu halten.

Aebischer: Selbst gegen Ali kann er den Ball abdecken.

#20 Michel Aebischer, das einstige Mäuschen

Fassnacht: Er hat eine Riesenentwicklung hingelegt. Ich weiss noch, als ich 2017 zu YB kam, war er ein ruhiges Mäuschen. Jetzt weiss man sofort, wenn er in der Kabine ist. Er hat hier einen grossen Stellenwert, ist ein Führungsspieler. Sein Entwicklung ist schön anzusehen.

Michel Aebischer hielt sich zu Beginn sehr zurück, jetzt ein Sprachrohr der Young Boys.
Michel Aebischer hielt sich zu Beginn sehr zurück, jetzt ein Sprachrohr der Young Boys.
Foto: Keystone

#21 Ulisses Garcia, der Vater

Fassnacht: Ich glaube, dadurch, dass er Vater geworden ist, ist er viel ruhiger geworden. Früher war er offenbar ein kleiner Draufgänger, bei YB kennt man ihn als zurückhaltenden Typen.

Aebischer: Er ist ein gemütlicher Typ und viel mit der afrikanischen Fraktion zusammen. Wenn wir schon längst beim Essen sind, diskutieren sie noch immer in der Garderobe.

#23 Saidy Janko, der Muskulöse

Fassnacht: Der muss als Kind in einen Topf mit Zaubertrank gefallen sein. Niemand hat ihn je mit Hanteln oder im Kraftraum gesehen, aber er hat unfassbare Muskeln (lacht). Saidy wurde halt einfach breit geboren.

Aebischer: Er kommt unscheinbar und ruhig rüber. Aber wenn er dann mal etwas sagt, ists meistens lustig.

#25 Jordan Lefort, der typische Franzose

Fassnacht: Ein typischer Franzose, kommt mit Fischermütze zum Training. Hat sich super integriert bei uns, er bringt uns weiter, hat eine beeindruckende Technik.

Aebischer: Hoarau hat sich seiner angenommen, ihn gut an das Team herangeführt. Ich erinnere mich noch an das erste Training: Von ihm kam jeder Ball an. Da haben wir schon erst einmal grosse Augen gemacht.

#26 David von Ballmoos, der Fast-Captain

Aebischer: Auch er ist ein «Hässeli-Bänz». Er dirigiert lautstark von hinten raus und sagt, wenn er nicht zufrieden ist. Er wäre wahrscheinlich gerne Captain und streitet sich im Spass jeweils mit Lustenberger darüber.

Fassnacht: Er ist eine grosse Teamstütze geworden. Und somit ein Kandidat zum Captain (lacht).

#28 Fabian Lustenberger, der Ehrgeizige

Aebischer: Mister Fussball, ein Vollblutprofi. Auf dem Feld spricht er gar nicht so viel, aber mit seiner Ruhe auf dem Feld hilft er allen.

Fassnacht: Er ist sehr hart, vor allem zu sich selber. Flucht bei jedem Fehlpass von ihm im Training vor sich hin. Er ist ein ruhiger Captain, aber er ist immer da fürs Team, wenn es ihn braucht.

#29 Jordan Lotomba, der Wirbelwind

Fassnacht: Gegen ihn willst du nicht verteidigenund eigentlich auch nicht angreifen. Er ist wendig und doch physisch stark, hat eine enorme Power, ist flink und schnell, gut am Ball. Ein riesiges Talent.

Aebischer: Neben dem Platz ist er sehr zurückhaltend. Es braucht viel, damit er aus sich rauskommt.

#30 Sandro Lauper, der E-Sportler

Aebischer: Der Fifa-Gamer.

Fassnacht: Wäre er nicht Fussballprofi geworden, dann sicher E-Sportler. Er ist wirklich ein extrem guter Fifa-Spieler. Eine solche Verletzungsgeschichte wie seine wünscht man niemandem. Ich weiss noch, als er sich im März wieder schwer am Knie verletzt hatte, da lief es mir kalt den Rücken runter. Aber er ist trotzdem immer da fürs Team, zieht nie einen Lätsch. Er freute sich enorm über diesen Titel in Sitten, feierte so ausgiebig, dass er mir irgendwann sagte, er fühle sich so erschöpft, als hätte er mitgespielt.

#35 Christopher Martins, die Krake

Aebischer: Die Krake. Er hat so lange Beine, wenn man denkt, man habe ihn ausgedribbelt, dann bringt er plötzlich von hinten noch seinen Fuss an den Ball, …

Fassnacht: … als würde sein Bein länger werden.

Aebischer: Auch er versprüht immer positive Energie. Er hat sich bestens bei uns integriert. Moumi hat ihn unter seine Fittiche genommen, die beiden sind eng befreundet.

#40 Dario Marzino, der Beliebte

Fassnacht: Ihn mögen einfach alle. Er ist auch schon lange dabei, das geht manchmal vergessen. Und er ist wirklich lustig!

Aebischer: Er ist stets fürs Team da. Will jemand nach dem Training noch Schüsse üben, dann stellt er sich ins Tor.

Guillaume Hoarau zeigt sich immer mit neuen Kleidern.
Guillaume Hoarau zeigt sich immer mit neuen Kleidern.
Foto: Keystone

#99 Guillaume Hoarau, der Kleiderverschleisser

Fassnacht: Schlicht eine Legende. Eigentlich ist über ihn schon alles gesagt worden. Ausser vielleicht, dass er noch nie mit denselben Kleidern zweimal ins Training gekommen ist. Keine Ahnung, was er mit seinen Kleidern macht. Vielleicht schickt er sie nach La Réunion.

Aebischer: Seine bittere Verletzungsgeschichte ist ihm nicht anzumerken, er wirkt fast noch positiver als sonst. Ich glaube, er hat sich vorgenommen, uns nun halt neben dem Platz zu unterstützen. Ihm ist wichtig, dass sich jeder im Team wohlfühlt. Wenn er Geburtstagspartys schmeisst, ist das ganze Team eingeladen.

Fassnacht: Und dann muss man da auch hin, sonst wird er sauer (lacht).