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Sweet Home: Tipps von ProfisSo sehen Trendsetter die Zukunft

Claudia Desax, Inhaberin des Conceptstores Opia

Was hält dich in dieser schwierigen Zeit bei Laune?

Vor allem die kleinen Freuden des Alltags. Das sind gemeinsame Momente mit den Kindern, aber auch gutes Essen, Waldläufe oder Yoga. Auch verwöhne ich mich mit edlen und natürlichen Pflegeprodukten, wie den hübschen und wunderbar riechenden Produkten von Costa Brazil oder dem Energy Spray und den Yoga Ölen von Saint Charles.

Natürliche Schönheitsprodukte sind kleine Freuden im Alltag von Claudia Desax.

Wie sieht dein Alltag momentan aus?

Tatsächlich nicht sehr viel anders als vorher. Wir haben während des zweiten Lockdowns den Webstore nochmals vergrössert und somit war ich mit dem Einkauf und der Lancierung der neuen Seite noch mehr am Arbeiten wie sonst.

Wie und wo arbeitest du zurzeit?

Ich beginne gerne früh und kümmere mich um alles, was einen klaren Kopf braucht. Das mache ich zu Hause, bevor die Kinder aufstehen. Aber eigentlich arbeite ich vorwiegend im Laden, auch während des Lockdowns. Ich habe dort die Materie vor Augen, viel mehr Platz als zu Hause und die richtige Atmosphäre, die ich für meine Arbeit brauche. Diese unterstütze ich mit Lieblings-Duftprodukten, wie dem Räucherkegel oder den Duftkerzen von Earl of East. Davon habe ich im Laden immer Probierprodukte, die offen sind. Wenn der Laden geöffnet ist, dann mache ich jeweils einen Tag Homeoffice pro Woche, um meine administrativen Pendenzen abzuarbeiten.

Beim Arbeiten im Shop verwöhnt sich Claudia mit edlen Duftprodukten.

Hast du jetzt mehr oder weniger Zeit für andere Interessen?

Leider eher weniger Zeit als vorher. Der Einkauf der Kollektionen läuft nun digital ab und im besten Fall kann ich die Kleider mit Hilfe von Stoffmustern und Videos aussuchen. Häufiger und viel weniger ideal ist es, wenn die Kleidungsstücke bloss an der Büste oder am Bügel fotografiert werden und ich nur anhand von diesen Infos entscheiden muss, was ich sechs bis acht Monate später im Laden haben will. So ist der Einkauf aufwändiger geworden und es ist leider auch nicht ganz einfach, auf diese Art eine gute Übersicht zu behalten. Mode ist sinnlich und ein visuelles und haptisches Erlebnis. Es war viel einfacher, die Kollektionen live zu sehen und alles anfassen zu können.

Auf einem Modefoto für Opia: Model Lisa Mettier mit Kleidern von Comme des Garçons.

Was bedeutet Social Media für dich?

Geschäftlich ist Instagram sehr nützlich. Es bietet eine gute Plattform, um mein Geschäft zu präsentieren und ich liebe es, dafür Welten für Fotos zu inszenieren und zu stylen. Privat springt bei mir der Funke aber weniger. Jeder ist individuell und die Welten, die von Brands und Influencern auf den Social Media inszeniert werden, sind meist sehr ähnlich und oberflächlich. Ich mag Unfertiges und Improvisiertes und auf den sozialen Medienkanälen ist vieles zu herausgeputzt. So pflege ich ein ambivalentes Verhältnis zu ihnen. Zudem möchte ich meinen Kindern mit auf dem Weg geben, dass echte Begegnungen und Beziehungen durch nichts ersetzt werden können. Und dass die Natur die beste Quelle für Inspirationen und die Erholung ist. Diese hätte ich nicht, wenn ich alle zehn Minuten ein Foto für Instagram schiessen müsste.

Der private Lieblings-Instagramaccount von Claudia Desax: @zerowaste.japan

Hast du trotzdem ein paar Lieblingsaccounts?

Ja, natürlich! Privat mag ich @zerowaste.japan. Es ist das Konto einer japanischen Mutter von zwei Teenagern und man findet dort nachhaltige Tipps, wie man zum Beispiel eine vegane Mayonnaise machen kann, aus Seifenresten Flüssigseife oder Gemüse länger frisch bleibt.

Geschäftlich folge ich zwei Accounts von Magazinen, die beide Lieblingsmagazine von mir sind: @032c und @systemmagazine.

Was wünscht du dir zurück, wenn die Pandemie sich beruhigt hat?

Natürlich eine gewisse Leichtigkeit, dass die Spannung etwas nachlässt und alles wieder etwas lenkbarer wird. Aber am allermeisten wünsche ich mir, dass mein Mann und unsere Kinder endlich ihre Familie in ihrer zweiten Heimat Thailand besuchen können. Der letzte Besuch liegt zwei Jahre zurück. Die Sehnsucht ist auf beiden Seiten enorm.

Claudia Desax ist überzeugt, dass die Pandemie einen bewussteren Konsum gefördert hat. Foto: Earl of East

Möchtest du etwas aus dieser Pandemiezeit behalten?

Es freut mich sehr, dass in meinem Bekanntenkreis und auch bei Kunden ein sehr bewusster Konsumentscheid in den Vordergrund gerückt ist. Weniger zu konsumieren, dafür bewusst auszuwählen, wo man sich eindeckt. Von den Kleidern über die Kosmetik bis hin zum Essen denke ich, dass sich hier im letzten Jahr etwas Positives entwickelt hat. Ich mag es, wenn Leute mir erzählen, dass sie jetzt lieber auf dem Markt einkaufen oder dass sie ein Gemüseabo gelöst haben.

Was möchtest du in der Zukunft nicht mehr sehen?

Einwegmasken auf der Strasse, im Wald, auf der Skipiste, am See… ich kann es nicht mehr sehen.

Reisen, Ferien und einfach weggehen: Diese Freiheit wird gemäss Claudia nach der Pandemie besonders geschätzt.

Was denkst du, wird uns die Zeit nach der Pandemie bringen?

Ich glaube, dass sich ein Nachholbedarf beim Reisen angestaut hat. Die Freiheit, einfach mal ohne schlechtes Gewissen ein Wochenende nach Milano oder Paris zu fahren, wird sicherlich ausgenutzt und hoffentlich etwas Erholung für die gebeutelte Tourismusbranche mit sich bringen.

Auch denke ich, dass die Zeit nach der Pandemie der Gastronomie einen kleinen Ansturm bringen wird. Doch glaube ich auch, dass sich alle mittlerweile mehr denn je Gedanken darüber gemacht haben, wo sie ihr Geld ausgeben. So werden hoffentlich künftig vermehrt gute Ideen und Qualität belohnt werden.

Lesestoff: Das Buch über die letzten 20 Jahre mit elektronischer Musik «Electronic Beats».

Hast du kürzlich etwas gesehen oder gelesen, das du richtig gut fandest?

Ich wollte erst gerade ein Buch wieder lesen, das ich schon lange besitze. Ich habe das Buch aber nicht mehr gefunden. Es heisst «Lob des Schattens» uns ist von Junichiro Tanizaki. Ein Essay, welcher die Wurzeln der fernöstlichen Ästhetik ergründet. Für mich ist es ein «Must-Read» für jeden, der sich für japanisches Design und Architektur interessiert. Etwas weniger philosophisch aber superinteressant finde ich das Buch «Electronic Beats». Es ist eine Ode an 20 Jahre elektronische Musik und wurde von der Deutschen Telekom herausgegeben. Das Design ist von Stefan Marx, der es sehr schön gestaltet hat. Zudem ist es reich bebildert. Die Texte bestehen vor allem aus Essays und Interviews, wie etwa mit Bryan Ferry oder unserer Zürcher Musiklegende Dieter Meier von Yello. Auch wird der Rolle der weiblichen Pioniere in der Club- und Musikszene gebührend Platz eingeräumt. Für mich, als Kind der Neunziger, ist es ein Teil meiner Geschichte und Jugend.

Bei welchem Song musst Du ganz einfach tanzen?

Zu «Starry Night» von Peggy Gou.

Georg Gadient, Gründer und Partner der Branding Agentur «MADE Identity»

Was machst du genau?

Wir helfen einer Marke beziehungsfähig und somit verstanden zu werden. Das heisst, wir konkretisieren und formulieren den Sinn, die Position und die Eigenschaften einer Marke und übersetzen diese Ambition schliesslich in Design und Inhalt.

Was hält dich in dieser schwierigen Zeit bei Laune?

Ich bin ein chronischer Optimist mit einer unbändigen Neugier. Da braucht es nicht viele Zutaten für gute Laune. Mir reichen ein Podcast und ein Sack Mehl und ich bin einen halben Tag beschäftigt. Mein Wochen-Highlight aber ist auf jeden Fall unsere Samstags-Routine. Wir gehen am Morgen gemütlich auf den kleinen Markt auf der Zürcher Rathausbrücke, dann zum Metzger im Niederdorf und abends ist dann gross kochen und geniessen angesagt. So ist auch die Welt im heutigen Zustand für eine Weile in Ordnung.

Zu Georgs  Samstagsroutine gehört ein Besuch auf dem Markt.

Wie sieht dein Alltag momentan aus?

Der tägliche, bunte Strauss aus Zoom-, Teams-, Meet- und Webex-Meetings ist gnadenlos. Die persönlichen Kundenkontakte kann ich in diesem Jahr leider an einer Hand abzählen. Natürlich haben wir uns längst arrangiert und unsere Tools der Situation angepasst. Dennoch fehlt mir die Wahrhaftigkeit einer Begegnung. Darin verbirgt sich so viel mehr als der blosse Austausch von Information.

Den Kopf lüfte ich beim Joggen oder Spazieren mit unserem Hund Robo. Gleich vor unserer Haustür liegt der Wehrenbach. Dieser schlängelt sich durch den Wald auf dem Zollikerberg und bietet uns ein wunderschönes Naturparadies.

Bei Spaziergängen in die Natur mit Robo, dem Boston Terrier, lüftet Georg den Kopf.

Wie und wo arbeitest du zurzeit?

Vier Tage die Woche an unserem grossen Küchentisch. Das ist zwar eine ergonomische Sünde, aber ich fühle mich sehr wohl da. Mein Homeoffice-Arbeitsplatz ist schön, hell und die Kaffeemaschine in Gehdistanz. Einen Tag aber bin ich jeweils in unserer viel zu leeren Agentur. Ich vermisse das Miteinander im Team enorm.

Nur noch einmal in der Woche ist Georg in der Agentur, sonst ist Homeoffice angesagt.

Hast du jetzt mehr oder weniger Zeit für andere Interessen?

Der Fokus hat sich auf jeden Fall verändert. Zwangsläufig lebe ich meine Interessen häuslicher aus. Mit der Pandemie kam der Frühling und mit ihm die Lust aufs Gärtnern. Ich hatte schon immer ein paar Tomaten in Töpfen, aber in diesem Jahr habe ich das Terrassen-Gärtnern auf ein nächstes Level gebracht. 12 Kilo Tomaten, dazu Randen, Gurken, Fenchel, Krautstiel, Salat und Broccoli. Das war eine sehr lebendige und erfüllende Abwechslung bis tief in den Herbst. Nun freue ich mich darüber, dass die Saison bald wieder losgeht und plane bereits die diesjährige Mannschaftsaufstellung.

Die Ernte aus dem Terrassengarten bringt viel eigenes Gemüse.

Was bedeutet Social Media für dich?

Sie sind auf keinen Fall ein Ersatz für das Soziale, das in diesem Jahr auf der Strecke blieb. Für mich sind sie ein Weichspühl-Programm in Endlosschlaufe. Aber auch ich bin täglich auf mehreren Plattformen unterwegs, doch «Quality Time» fühlt sich definitiv anders an. Beruflich geben mir die sozialen Medien Updates, Inspirationen, ganz viele Don’ts und ab und an auch ein Echo.

Was wünscht du dir zurück, wenn die Pandemie sich beruhigt hat?

Ich habe unseren grossen Küchentisch bereits erwähnt. Dieser ist zu Normalzeiten regelmässig mit ganz vielen tollen Gästen besetzt. Wir kochen und hosten sehr gerne. Diese Momente ersehne ich mir zurück: Abende, die zu Nächten werden, das gemeinsame essen, trinken und die guten Gespräche.

Der grosse Küchentisch ist nun auch Bürotisch und wartet, bis wieder viele Gäste an ihm Platz nehmen.

Möchtest du etwas aus dieser Pandemiezeit behalten?

Die menschenleere Stadt aus dem ersten Lockdown hat mir ganz gut gefallen.

Was möchtest du in der Zukunft nicht mehr sehen?

Zoom-Apéros. Und das unsägliche Misstrauen, das so viele Gräben durch unsere Gesellschaft zieht, soll sich in Luft auflösen. Ich wünsche uns allen wieder eine grosse Portion Gelassenheit und Offenheit.

Was denkst du, wird uns die Zeit nach der Pandemie bringen?

Hmm… das ist eine grosse Frage. Beruflich habe ich das Privileg, in unterschiedlichste Branchen und Firmen zu sehen. Mit unseren Kunden diskutieren wir oft über «die Zeit danach». Was man mit Sicherheit behaupten darf: Es wird nicht mehr so sein wie zuvor! Ein bedeutender Teil der Arbeitswelt hat innert weniger Wochen notgedrungen eine gewaltige, digitale Transformation vollführt. Diese Konsequenz unserer Einschränkung wird zur Opportunität von morgen. Dabei spreche ich nicht nur von Homeoffice. Ebenso wurden und werden viele alltägliche Touchpoints digitalisiert. Und im Kontext der Pandemie heisst das «entpersonifiziert». Somit erhalten Begegnungen einen neuen Wert und ein neues Bewusstsein. Vom Kundenerlebnis, über die Informationsvermittlung bis hin zur Firmenkultur werden persönliche Begegnungen zu einem diskutierten und bewerteten Gut.

Georg liebt den Podcast «The Prof G Show» von Scott Galloway.

Hast du kürzlich etwas gesehen oder gelesen, das du richtig gut fandest?

In diesem Fall gehört. Ich höre regelmässig den Podcast «The Prof G Show» von Scott Galloway. Er ist Professor für Marketing an der NYU Stern und veröffentlicht wöchentlich einen Podcast mit spannenden Gesprächspartnern im Themenfeld zwischen Technologie, Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft. Absolut unverkrampft und am Puls der Zeit.

Bei welchem Song musst du ganz einfach tanzen?

«Volare» von Domenico Modugno