Zum Hauptinhalt springen

Pressekonferenz zum Coronavirus«Wir werden den Impfstoff nicht später erhalten als Deutschland»

Die Schweiz wird laut dem BAG bei der Impfstrategie den anderen Ländern in nichts nachstehen. Das gaben die Fachleute während ihrer Einschätzung der Lage bekannt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die täglichen Ansteckungszahlen gehen seit drei Wochen zurück. Laut den Experten findet eine Stabilisierung auf hohem Niveau statt. Die Positivitätsrate von 19 Prozent sei immer noch zu hoch. Die nächsten Wochen werden massgebend sein.

  • Für die Feiertage hat man Tipps herausgegeben. So sollte man sich auch Treffen im Freien überlegen, Einkäufe bereits jetzt planen und weiterhin auf Handhygiene und Lüften achten.

  • Das Test-Regime und Contact Tracing lasse zudem noch zu Wünschen übrig. Der Aufruf der Experten: Lassen Sie sich testen, wenn Sie Symptome haben. Und vor allem im gemütlichen Rahmen vermehrt auf die Einhaltung der Massnahmen achten.

  • Die Schweizer Strategie sei in Europa ein Sonderfall — und eher ein Slowdown statt ein Lockdown.

  • Der Bund übernimmt mit 680 Millionen Franken ungefähr zwei Drittel bei der neuen Härtefallverordnung des Bundes. Die Kantone übernehmen mit 320 Millionen Franken einen Drittel. Die Federführung bei der Ausgestaltung liegt bei den Kantonen.

  • Schnelltests sind freigegeben und überall verfügbar. Auch seien noch genügend PCR-Tests verfügbar, diese werden immer noch prioritär eingesetzt.

  • Das BAG arbeitet zurzeit an einer Empfehlung für systematisches Testen von Mitarbeitern in Pflegeheimen. Das Konzept soll in einer Woche stehen.

  • Die Schweiz hinkt laut BAG bei den Impfungen den anderen Ländern nicht hinterher, diese kommunizieren lediglich proaktiver.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

LIVE TICKER BEENDET

Zusammenfassung

An den Festtagen geht nichts ohne Schutzmasken und Schutzmassnahmen. Das Bundesamt für Gesundheit registriert zwar einen Rückgang der Ansteckungen mit dem Coronavirus. Eine Lockerung ist aber nicht absehbar.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will die erreichten Fortschritte nicht mit Lockerungen im beginnenden Advent und an den Festtagen zunichte machen, wie Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle, am Freitag vor den Bundeshausmedien sagte.

Deshalb müsse die Bevölkerung den Advent, Weihnachten, Neujahr und die nötigen Einkäufe sorgfältig planen und kreativ werden. Die Familien sollten alternative Feierformen ins Auge fassen. Anstelle eines Familientreffens zuhause könnten sich Verwandte auch zu einem Spaziergang oder einem Apéro an der frischen Luft treffen. Auch Essen in kleinem Rahmen mit gebotenem Abstand seien möglich.

Bewegung ist wichtig

Das BAG schaltete Festtags-Tipps auf. Während der Feier rät es zu Kussverzicht und ähnlichen Massnahmen der sozialen Distanz. Zudem sei zu lüften und die Schutzmaske bei zu geringer Distanz aufzusetzen. Überhaupt sollten die Kontakte gering gehalten werden und vorzugsweise draussen stattfinden. Wer deswegen in den Weihnachtsblues fällt, soll sich bewegen. Das stärke die Immunabwehr und hebe die Stimmung, lautet die Ermunterung des BAG.

An der Pandemie-Front habe sich der Hotspot von der West- in die Deutschschweiz verschoben, sagte Masserey weiter. Die Auslastung der Spitäler sei weiterhin hoch. In den Intensivstationen lägen etwa 500 Covid-19-Kranke, 220 Intensivbetten seien noch frei.

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, lobt den «Schweizer Sonderweg» bei der Eindämmung des Coronavirus: «Der Slowdown hat eine Trendumkehr bewirkt, nun müssen wir dranbleiben.»

«Wir müssen dranbleiben»: Der Basler Arzt Thomas Steffen.
«Wir müssen dranbleiben»: Der Basler Arzt Thomas Steffen.
Foto: Anthony Anex (Keystone/20. November 2020)

Die Pressekonferenz ist beendet. Es folgt eine Zusammenfassung. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Schutzkonzepte in Skigebieten

Zur Frage der Schutzkonzepte in den Skigebieten sagt Virginie Masserey, diese hätten ihre Massnahmen bereits angepasst. So müsse man vermeiden, dass es zu Menschentrauben komme und dass die Abstandsregeln eingehalten werden könnten. Diese Regeln würden aber auch in der Stadt, zu Hause und im Restaurants gelten. Man müsse die Konzepte laufend überprüfen und Verstösse sofort ahnden, also schnell schliessen, ergänzt Thomas Steffen. Das gelte auch für Bars und Restaurants. Es gehe darum, das Signal zu senden, die Regeln werden eingehalten.

Start der Impfungen

Andere Länder haben kommuniziert, dass bald mit der Impfung begonnen werde. Warum geht das in der Schweiz länger, fragt eine Journalistin. Virginie Masserey antwortet, das sei kein Tempo- sondern ein Kommunikationsunterschied. Noch wisse niemand, wann mit der Impfung begonnen werden könne. Niemand kenne derzeit die genauen Phase-3-Studien der Impfstoffe. Sollten solche aber vorliegen, sei man sehr schnell – möglicherweise schon im Dezember – in der Lage, Impfungen durchzuführen. Andere Länder hätten einfach proaktiver informiert. «Es gibt keinen Grund, dass wir später drankommen als Deutschland, betont Masserey. Man werde den anderen Ländern in nichts nachstehen.

Umsatzschwelle bei Corona-Hilfen

Es kommt eine Frage zur Festsetzung der Umsatzschwelle bei 100'000 Franken. Die Kantone können weniger restriktive Regelungen als der Bund anwenden und so auch Kleinstunternehmen unterstützen, die unter diese Schwelle liegen würden, erklärt Erik Jakob. Zahlen dazu, wie viele Unternehmen unter oder über der Schwelle liegen würden, habe man nicht.

Zum Missbrauch bei den Corona-Hilfen sagt Jakob, derzeit gebe es 260 Strafverfahren bei insgesamt 136'000 ausbezahlten Covid-Hilfen. «Das ist prozentual noch vertretbar.»

Situation in Pflegeheimen

In anderen Ländern würden Mitarbeiter von Pflegeheimen regelmässig getestet, ist das auch in der Schweiz ein Thema, fragt eine Journalistin. Man arbeite auf nationaler Ebene derzeit eine Empfehlung dazu aus, sagt Virginie Masserey. Die systematische Testung müsse in ein globales Konzept in den Alters- und Pflegeheimen eingebettet werden. Das Konzept werde voraussichtlich in einer Woche stehen. Einige Kantone hätten bereits solche Massnahmen eingeführt, man tausche sich auch mit ihnen aus.

Unterschiede bei Infektionszahlen

Was sagt der Bund zu den Unterschieden bei den Infektionszahlen in den Kantonen und den sehr unterschiedlichen Regeln, will eine Journalistin wissen. Die Kantone stünden in der Verantwortung, müssten die Lage einschätzen und zusätzliche Massnahmen einführen, wenn nötig, antwortet Virginie Masserey. Man stünde aber im Austausch. «Wir sind alle betroffen.»

Frage zu den Schnelltests

Wie sieht es mit der Verfügbarkeit der Schnelltests aus, will ein Journalist wissen. Gibt es Anweisungen des Bundes dazu? Der Bund habe die Tests freigegeben und gleichzeitig hätten die Kantone angefangen, diese einzusetzen, antwortet Thomas Steffen. In Basel beispielsweise werde bereits sehr breit getestet. Man sei noch daran zu vertiefen, ob man sie gezielt in Pflegeheimen einsetzen könnte. Virginie Masserey fügt an, es seien genügend PCR-Tests vorhanden, diese blieben prioritär. Schnelltests kämen vor allem bei Menschen mit leichten Symptomen zum Einsatz.

Eine weitere Journalistin fragt, wieso die Zahl der durchgeführten Tests derzeit abnehme. Masserey sagt, dafür könne es zwei Gründe geben: Es sind weniger Leute krank oder weniger Leute wollen sich testen lassen. Wer eine Quarantäne verhindern wolle, solle sich an die vom BAG empfohlenen Massnahmen halten.

Corona-Hilfe für Härtefälle

Erik Jakob, Leiter der Direktion für Standortförderung Seco informiert über die neue Härtefallverordnung des Bundes. Der Bund würde mit 680 Millionen Franken ungefähr zwei Drittel der Kosten übernehmen die Kantone mit 320 Millionen Franken einen Drittel.

Die Federführung der Ausgestaltung der konkreten Härtefallverordnung liege bei den Kantonen. Man wolle «typisch schweizerisch» «möglichst vor Ort und möglichst nahe bei den Betroffenen» helfen.

Es gebe regional grosse Unterschiede bei der Betroffenheit. So litten Hotels in Städten mehr als solche in den Bergen. Mit dem Härtefallprogramm könnten die Kantone auf diese Unterschiede eingehen. So könne ein Kanton strengere oder weniger strenge Vorgaben als der Bund vorgeben. Die Kantone müssen ihre Regelungen dem Seco vorlegen.

Die Programme sollen in den meisten Kantonen ab Januar, spätestens Februar, laufen. Die Kantone würden die Prozesse derzeit «enorm beschleunigen» und einen «super Job» machen.

Sonderfall Schweiz

Die Strategie der Teil-Lockdowns oder «eher des Slow-Downs» der Schweiz sei in Europa ein Sonderfall. Er funktioniere aber nur, wenn die Bevölkerung die Regeln mittrage. In der zweiten Welle habe man so eine Trendumkehr geschafft. Nun müsse man sich aber auf eine längere Dauer der zweiten Welle einstellen. «Ich hoffe, dass wir alle genügend dran bleiben», sagt Steffen.

Beim Testen zulegen

Das Testen sei noch nicht richtig verankert. Beim Contact Tracing höre man täglich von Infizierten, die noch tagelang zur Arbeit gegangen seien, ohne einen Test machen zu lassen, so Steffen. Er appelliert an die Bevölkerung: «Wenn Sie Symptome haben, lassen Sie sich testen.» Zudem würden die Regeln im Privaten und Halbprivaten weniger gut umgesetzt. «Dort wo es heimelig ist, fallen die Regeln.»

«Nur wenn Pandemie-Massnahmen von der Bevölkerung getragen werden, sind sie letztlich erfolgreich», sagt Steffen. Die Akzeptanz der Maskenpflicht bei der Bevölkerung sei ein positives Beispiel für deren gute Mitarbeit. «Trotzdem bin ich froh, wenn die Maskenpflicht eines Tages wieder wegfällt.»

Neue Hotspots verhindern

Gegenwärtig könne man noch nicht sagen, ob die Entwicklung positiv weitergehe. Es dürfe nicht zu weiteren Hotspots kommen, sagt Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt und Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte.

Man beobachte zwar einen Rückgang, der finde aber vor allem in besonders stark betroffenen Kantonen statt. Die Optimierung der bisherigen Massnahmen werde eine grosse Rolle spielen.

Tipps für die Feiertage

Für die Feiertage habe man verschiedene Tipps zusammengestellt. Man müsse ab jetzt mit den Familienmitgliedern überlegen, wie man die Feiertage verbringen wolle, sagt Virginie Masserey. Möglich seien beispielsweise Treffen im Freien oder Spaziergänge.

Auch die Einkäufe könne man bereits jetzt planen, so dass nicht zu viele Leute in den Geschäften seien. Wichtig bleibe die Handhygiene und das Lüften, wenn mehrere Menschen in einem Raum seien.

Zur Lage an der Pandemiefront erklärte Masserey, die zweite Welle dauere länger und sei grösser als jene vom Frühjahr. Der Hotspot der Ansteckungen habe sich in die Deutschschweiz verschoben. In der Westschweiz seien die Fälle stark rückläufig. Etwa 500 an Covid-19 Erkrankte seien in Intensivpflege, 220 Intensivpflege-Betten seien in Reserve.

Zu hohe Positivitätsrate

Die Pressekonferenz beginnt. Als erstes informiert Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, BAG. Die Lage verbessere sich – langsam, erklärt sie. Sowohl bei den täglichen Ansteckungszahlen als auch bei den Todesfällen finde eine Stabilisierung statt – aber auf hohen Niveau.

Die Positivitätsrate sei mit rund 19 Prozent immer noch zu hoch. Die Genferseeregion und das Tessin habe die höchste Inzidenz. Allerdings sei dort auch der stärkste Rückgang spürbar. In anderen Regionen sei eine Tendenz der Erhöhung zu spüren. Die Situation sei in Besserung begriffen, aber immer noch angespannt, vor allem was die Spitaleinweisungen angehe.

«Die Massnahmen wirken, die Bevölkerung macht mit.» Die Situation sei aber fragil. «Wir dürfen nicht auf hohem Niveau bleiben». Man müsse weitere Ansteckungen und vor allem schwere Fälle, die zu mehr Spitaleinweisungen führen, verhindern. Die nächsten Wochen seien massgebend.

Die Ausgangslage

Die Schweiz sei bei der Bewältigung der Corona-Pandemie auf einem guten Weg, sagte Gesundheitsminister Alain Berset an einer Pressekonferenz am Donnerstag. «Die Zahlen gehen seit drei Wochen zurück, die Massnahmen der Behörden greifen, auch dank der Disziplin der Bevölkerung.» Die Situation bleibe aber sehr ernst. Insbesondere die Lage in der Deutschschweiz bereitet Berset Sorgen.

Mehr Tests nötig

Er warnte davor, die derzeit etwas tieferen Corona-Fallzahlen zu positiv zu werten. Grund dafür sei auch die Anzahl der Tests, die Positivitätsrate bleibe viel zu hoch. Man entdecke derzeit nicht alle positiven Fälle. Der Bundesrat appellierte an die Bevölkerung: «Lassen Sie sich testen, auch bei kleinsten Symptomen.»

4312 Corona-Ansteckungen meldet das Bundesamt für Gesundheit für die letzten 24 Stunden. Am Freitag vergangener Woche waren es 4946 Fälle. Die Positivitätsrate für die vergangenen zwei Wochen betrug bei den herkömmlichen Tests 20,7 Prozent und bei den Schnelltests 18,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner 670,4 laborbestätigte Infektionen gemeldet. Getestet wurden in den 14 Berichtstagen 315'838 Personen.

Diskussionen über die Wintersaison

Im Dezember diskutiert der Bundesrat darüber, ob es für die Wintersaison und die Festtage ein zusätzliches Massnahmenpaket braucht (lesen Sie, in welchen Situationen beim Skifahren Vorsicht gilt). Berset informierte auch über die Massnahmen in den Skigebieten. Diese blieben geöffnet, unabhängig davon, was in den umliegenden Ländern entschieden werde. Deutschland, Italien und Frankreich wollen erst im Januar öffnen, die Schweiz und Österreich sperren sich dagegen. (Lesen Sie auch: Wird die Schweiz zur Profiteurin des europäischen Ski-Lockdowns?)

Fachleute des Bundes informieren ab 14 Uhr zum Coronavirus:

  • Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, BAG

  • Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte

  • Erik Jakob, Leiter der Direktion für Standortförderung SECO

  • Valérie Donzel, Leiterin Ressort Regional- und Raumordnungspolitik, SECO

  • Martin Walker, Vizedirektor, Leiter Ausgabenpolitik, Eidgenössische Finanzverwaltung EFV

Beginn des Live Tickers

red