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Dieses Jahr ist die Gefahr besonders grossSo lassen Sie den Zecken keine Chance

Dieses Jahr drohen besonders viele Zeckenstiche. Die gute Nachricht: Noch ist es nicht zu spät für eine Impfung. Und auch sonst kann man einiges tun, damit einem die Blutsauger nichts anhaben können.

Bei einem Aufenthalt im Wald können lange Kleidung und ein Insektenschutzspray das Risiko eines Zeckenstiches minimieren.
Bei einem Aufenthalt im Wald können lange Kleidung und ein Insektenschutzspray das Risiko eines Zeckenstiches minimieren.
Foto: Getty

Diesen Sommer publizieren wir die besten Reportagen, Interviews und Hintergründe der letzten Monate nochmals. Dieser Artikel erschien erstmals am 12. Juli 2020.

Zuerst der milde Winter und dann die Corona-Krise: Dieses Jahr könnte es zu besonders vielen Zeckenstichen kommen. Dies teilten vor kurzem Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit. So deuten Daten, die über eine spezielle App gesammelt wurden, darauf hin, dass sich die Menschen infolge der Corona-Einschränkungen vermehrt draussen aufhalten und es dadurch öfter zu Zeckenkontakten kommt als in den Vorjahren.

Mittlerweile gilt fast die ganze Schweiz, mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin, als Risikogebiet. Im Gegensatz zum Coronavirus kann man sich aber zumindest gegen eine von Zecken übertragbare Krankheit impfen lassen: gegen das FSME-Virus, das zu einer Gehirnhautentzündung (Frühsommer-Meningoenzephalitis) führen kann.

Gemäss Schweizer Zeckenliga tragen hierzulande zwei bis drei Prozent der Insektentiere das FSME-Virus in sich. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) kommt es zu 100 bis 250 FSME-Fällen pro Jahr. Bei den meisten verläuft die Krankheit milde. Einige entwickeln nach einigen Tagen bis Wochen grippeähnliche Symptome. Bei 5 bis 15 Prozent kommt es zu einer Hirnhautentzündung, bei der Restschäden zurückbleiben können.

Monatelange Rehabilitation

Welch schwere Folgen eine FSME-Infektion haben kann, sieht Huldrych Günthard, Leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich, jedes Jahr. «Ich habe einige Fälle gesehen, die waren gelähmt und brauchten monatelange Rehabilitation», sagt Günthard. Bei einer FSME-Infektion können nur die Symptome behandelt werden. «Deshalb ist es wichtig, dass man sich gegen die Krankheit impfen lässt», so Günthard.

Wer noch in diesem Jahr einen gewissen Schutz haben möchte, kann sich im sogenannten Schnellschema impfen lassen.

Grundsätzlich empfiehlt der Infektiologe die Impfung allen Personen ab 6 Jahren. Normalerweise erfolgt eine Impfung in drei Dosen. Die zweite nach einem Monat und je nach Impfstoff eine dritte nach 6 oder 10 Monaten. Wer allerdings noch in diesem Jahr einen gewissen Schutz haben möchte, kann sich im sogenannten Schnellschema impfen lassen. Dabei wird die zweite Dosis bereits nach zwei Wochen verabreicht, danach hat man schon einen guten Schutz. Nach allen drei Dosen liegt dieser sogar bei über 95 Prozent, und das für mindestens zehn Jahre.

Laut der Informationsplattform für Impffragen (Infovac) wird die Impfung in der Regel gut vertragen. Es kann zu leichten Nebenwirkungen kommen wie Kopfweh oder Fieber. Schwere allergische Reaktionen oder neurologische Nebenwirkungen seien sehr selten.

Auch Bakterien sind gefährlich

Neben FSME können Zecken auch das Borrelia-Bakterium übertragen, das die Krankheit Lyme-Borreliose auslöst. Diese kann allerdings mit Antibiotika behandelt werden. Wichtig ist, dass die Krankheit früh erkannt wird. Deshalb sollte man sich nach einem Aufenthalt draussen nach Zecken absuchen. Wer nach einem Stich eine Rötung an der Stichstelle entdeckt, die sich ausbreitet, oder wer sich nach dem Stich schlapp fühlt oder Fieber bekommt, der sollte einen Arzt aufsuchen.

Damit es gar nicht zu einem Stich kommt, sollten im Wald lange Kleider getragen und die Socken über die Hosen gestülpt werden. Auch Insektenschutzmittel können helfen. Die Kleider sollte man nach Outdoor-Aufenthalten nicht in Innenräumen lagern, da sich darin noch Zecken befinden könnten. Am besten gleich mit hoher Temperatur waschen und dann trocknen.