Zum Hauptinhalt springen

Erde kommt Mars am nächsten So gut sehen Sie den Roten Planeten erst in 15 Jahren wieder

Erde, Mars und Sonne bewegen sich in den nächsten Tagen in eine besonders günstige Stellung für Astrofotografen und Himmelgucker. Was Sie für eine möglichst gute Sicht beachten müssen.

Bereits im September leuchtete der Mars am Abendhimmel auffällig hell im Osten. Am 2. Oktober präsentierte er zusammen mit dem Mond ein schönes Ensemble.
Bereits im September leuchtete der Mars am Abendhimmel auffällig hell im Osten. Am 2. Oktober präsentierte er zusammen mit dem Mond ein schönes Ensemble.
Foto: Daniel Garzon Herazo (Getty Images)
So gut wie im Oktober 2020 Woche wird der Mars lange nicht mehr zu sehen sein.
So gut wie im Oktober 2020 Woche wird der Mars lange nicht mehr zu sehen sein.
Bild: Nasa
1 / 2

Während derzeit mehrere Raumsonden zum Mars unterwegs sind, kann man in den nächsten Tagen den Roten Planeten auch von der Erde aus gut beobachten: Im Oktober erreicht die Mars-Sichtbarkeit ihren Höhepunkt für die nächsten 15 Jahre – dank Perihel-Opposition.

Am 6. Oktober kommt ihm die Erde am nächsten, und acht Tage später steht er der Sonne genau gegenüber und scheint damit am hellsten. Bleibt die Hoffnung auf gutes Wetter, denn ähnlich günstig wie dieses Jahr wird die Sichtbarkeit in unseren Breiten erst wieder 2035 sein. Die Kombination von Erdnähe und Position zur Sonne ist dabei entscheidend.

Alle 780 Tage nähern sich Erde und Mars einander an, dementsprechend gibt es rund alle zwei Jahre eine günstige Sichtbarkeit. «Doch günstig ist nicht gleich günstig», erklärte Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Der Grund ist die im Gegensatz zur Erdbahn stark elliptische Bahn des Mars, dessen Entfernung von der Sonne zwischen 207 und 249 Millionen Kilometer schwankt. Es kommt also ganz darauf an, an welcher Stelle sich Erde und Mars nahe kommen.

Sternkarte vom 6. Oktober: Mars, Jupiter und Saturn sind am Abendhimmel von blossem Auge sichtbar. Quelle: CalSky

Am allerbesten ist die Sichtbarkeit, wenn der Mars bei der Begegnung mit der Erde im sonnennächsten Punkt seiner Bahn steht, dem sogenannten Perihel. Die Erde kann sich dann dem Mars auf weniger als 56 Millionen Kilometer annähern.

Dieses Jahr beträgt die kürzeste Distanz 62,1 Millionen Kilometer. Das ist zwar etwas mehr als die «Bestmarken» der letzten beiden Perihel-Oppositionen – 56 Millionen Kilometer im Jahr 2003 und 57 Millionen Kilometer 2018 –, aber dank einer Kulminationshöhe von fast 50° sind die Beobachtungsbedingungen dieses Mal besser als damals. Eine solch günstige Perihel-Opposition wie heuer kommt nur alle 15 bis 17 Jahre vor.

Auch in den Städten gut zu sehen

Der Mars steht in den nächsten Wochen recht einsam am Himmel, in seiner Umgebung befinden sich kaum hellere Sterne. Am Abend geht er im Osten auf, steigt gegen Mitternacht nach Süden, erreicht dabei mehr als die halbe Himmelshöhe und strahlt heller als der im Südwesten versinkende Jupiter. Zur Morgendämmerung sinkt der Mars dann nach Westen hin ab.

Wer einen möglichst guten Blick auf den Roten Planeten erhaschen will, schaut zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens auf das Firmament. Um diese Zeit nämlich befinde sich der Mars an seinem höchsten Punkt, erklärt Daniel Karbacher von der Urania-Sternwarte in Zürich. Dabei muss man laut dem Experten nicht unbedingt auf einen Berg oder ans Meer. «Auch in den Städten ist der Mars noch gut sichtbar.» Entscheidend seien vielmehr die Wetterverhältnisse. Trockene Luft etwa begünstige die Fernsicht, Nebel wiederum verringere den Kontrast, erklärt Karbacher.

Mit freiem Auge sieht man allerdings nicht mehr als den hellen, rötlichen Lichtpunkt, für Details braucht man schon ein grösseres Fernrohr. Wer ein solches hat, kann diesmal auf freie Sicht auf die Marsoberfläche hoffen. Farbfilter würden dabei helfen, gewisse planetare Strukturen und Wetterphänomene besser erkennen zu können, schreibt der Hobbyastronom Mike Lawrence in einem Beitrag für das britische Fachmagazin «Sky at Night».

Für detailreichere Bilder rät Lawrence, eine Kamera mit schnellen Bildwiederholraten und Blende mit grosser Öffnung zu gebrauchen. «Doch auch mit dem Handy sind erstaunlich gute Bilder möglich», sagt Karbacher von der Urania-Sternwarte in Zürich. Er empfiehlt, mit möglichst vielen Einstellungen und Sujets zu experimentieren und nicht nur den nackten Himmel zu fotografieren. «Man sollte wenn möglich immer den Vordergrund miteinbeziehen. Das macht das Bild interessanter», meint Karbacher.

Mars (links) und Jupiter (rechts) flankieren die Milchstrasse. Foto: Universal Images Group/Getty Images. Ort: Alberta, Kanada.
Mars (links) und Jupiter (rechts) flankieren die Milchstrasse. Foto: Universal Images Group/Getty Images. Ort: Alberta, Kanada.
Mars und Milchstrasse (rechts). Foto: Universal Images Group/Getty Images. Ort: Waterton-Lakes-Nationalpark, Alberta, Kanada.
Mars und Milchstrasse (rechts). Foto: Universal Images Group/Getty Images. Ort: Waterton-Lakes-Nationalpark, Alberta, Kanada.
Saturn (links) und Mars am rechten Bildrand. Foto: Universal Images Group/Getty Images. Ort: Dinosaur Provincial Park, Alberta, Kanada.
Saturn (links) und Mars am rechten Bildrand. Foto: Universal Images Group/Getty Images. Ort: Dinosaur Provincial Park, Alberta, Kanada.
1 / 4

Nun muss nur noch das Wetter auf der Erde mitspielen. Schon bei der nächsten Opposition im Dezember 2022 kommt die Erde dem Roten Planeten nur mehr auf 81 Millionen Kilometer nahe, der Mars erscheint dann um 20 Prozent kleiner als heuer.

Ähnlich nahe wie 2020 kommt die Erde dem Mars erst wieder im Juni 2033. Weil es sich dabei aber um eine «Perihel-Opposition» handelt, ist der Planet von Mitteleuropa aus wieder nur nahe dem Horizont zu sehen. «Ähnlich günstig wie heuer wird die Sichtbarkeit erst wieder im September 2035 sein», so Pikhard.

sho/sda

10 Kommentare
    Jonas Keller

    Gerade in den grossen Städten, aber auch schon in grösseren Ortschaften hat man kaum noch eine Verbindung zum Kosmos. Dass der Nachthimmel nicht schwarz ist, sondern voll mit tausenden von gleissenden Sonnen und Sternhaufen, Nebeln, Galaxien und Planeten - das geht so nur zu leicht vergessen. Deshalb bin ich dankbar für solche Artikel, die zwischendurch das himmlische Theater über unseren Köpfen wieder in Erinnerung rufen! Vielleicht setzt sich mit der Zeit dann auch endlich die Erkenntnis durch, dass dauerbeleuchtete Schaufenster und andere unnötige Lichtquellen uns weniger bringen, als dass sie uns rauben, nämlich den spektakulären Blick auf unsere kosmische Nachbarschaft und hinaus in die Unendlichkeit.