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Berner KrimiSo gefährlich können Chalet-Ferien sein

Christof Gassers «Blutlauenen» spielt in einem todbringenden Chalet im Berner Oberland. Das Buch ist ein Leckerbissen für Krimifans.

Hier spielt der Krimi: Moderatorin Regula Tanner und Autor  Christof Gasser bei der Vernissage von «Blutlauenen» in Lauenen.
Hier spielt der Krimi: Moderatorin Regula Tanner und Autor Christof Gasser bei der Vernissage von «Blutlauenen» in Lauenen.
Bild: Stefan Kocherhans

«Und dann gabs keines mehr» ist der bekannteste Krimi von Agatha Christie. Er handelt von zehn Personen, die nach einer geheimnisvollen Einladung auf eine Insel eine nach der anderen ermordet werden. Es ist die bis heute meistverkaufte Kriminalgeschichte.

Der Solothurner Christof Gasser hat ein Buch geschrieben, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Aber statt in England spielt die Geschichte im Berner Oberland. Ludivine Spiegelberg lädt ihre ehemaligen Jugendfreunde in ein Chalet über dem Lauenensee ein.

Dieses trägt den Namen «Blutlauenen», was nur einer von vielen Hinweisen ist, dass Gefahr droht. Trotz übler Vorahnungen reist auch die Journalistin Cora Johannis, die Heldin des Romans, im letzten Moment noch an.

Schon am ersten Abend geht es los: Der Künstler Matteo Rizzardi stirbt beim Essen. War das seiner Herzschwäche geschuldet, oder ist er vergiftet worden? Die nun noch neunköpfige Gruppe ist beunruhigt, aber nicht alarmiert. Als dann am nächsten Morgen erneut ein Toter gefunden wird, der offensichtlich erstickt wurde, kippt die Stimmung.

Panik breitet sich aus. Den Übeltäter vermuten die meisten im komischen Kauz Brand, der in einer nahen Berghütte lebt. Nur Cora traut der schnellen Antwort nicht. Wie alle anderen schwebt auch sie in höchster Gefahr.

Das ist die Ausgangslage, und Christof Gasser schafft es, die Spannung bis zum Ende zu halten. Immer wieder präsentiert er überraschende Wendungen. Trotz verworrenem Plot überzeugt die Auflösung am Ende. Und das dramatische Finale ist ein Leckerbissen für jeden Krimifan.

Manchmal trägt der Autor allerdings etwas dick auf, und es sind unglaubwürdig viele Zufälle, welche alle Jugendfreunde gleichzeitig auf die Abschussliste des Mörders gesetzt haben. Die Figuren sind zudem ziemlich klischiert. Etwa die des Casanovas René Gamper. Cora dagegen wächst einem schnell ans Herz, auch wenn sie fast überirdisch wirkt: Sie ist schön, schlau und stark.

«Blutlauenen» ist der zweite Krimi von Christof Gasser, in dem sie die Hauptrolle übernimmt. Seine bisherigen vier Romane, die Spitzenplätze auf der Schweizer Bestsellerliste belegten, spielen im Raum Solothurn. Mit «Blutlauenen» wagt sich der 58-Jährige erstmals ins Berner Oberland vor.

Wunderbar beschreibt er die Berglandschaft, die zugleich einschüchternd wirkt und mit ihrer Schönheit überwältigt. Ein ideales Setting also. Mit einem nahezu perfekten Plot. Kurz: für Liebhaber von Kriminalromanen ein Muss.

Christof Gasser: «Blutlauenen», Emons-Verlag, 316 Seiten, ca. 19 Fr.Diese Zeitung veröffentlicht jeden Tag einen Teils des Buches als Fortsetzungsroman. Hier geht es zu den bisher erschienen Folgen.