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«Tatort»-KolumneSo arrogant können Eltern sein

Im jüngsten «Tatort» trafen überhebliche Eltern auf gelassene Polizisten. Das berührt, findet Jürg Mosimann, ehemals Sprecher der Kantonspolizei Bern.

Jürg Mosimann
Jürg Mosimann
Foto: Susanne Keller

Getrübt, bedrückend, dramatisch und frustrierend, aber ganz toll inszeniert. So sah ich den gestrigen «Tatort». Ein Aufsteller waren die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec).

Zusammen mit ihrem agilen Jungkollegen Kalli (Ferdinand Hofer) bekamen es die routinierten «Silberköpfe» in
ihrem 87. «Tatort» mit einem Fall zu tun, der für die beiden Urgesteine trotz überführter Täterschaft höchst unbefriedigend endete.

Ein 13-jähriger Knabe war tot aus der Isar geborgen worden. Er hatte sich zuletzt im Haus seines gleichaltrigen Freundes aufgehalten, einem Skater aus gutem Hause, der vor lauter Lässigkeit nicht wusste, wohin damit.

Logisch also, dass die Kommissare auch die Eltern der beiden Buben näher unter die Lupe nahmen. Obwohl sie dabei in ein Geflecht aus Lügen und Enttäuschungen stiessen, liessen sie sich nicht aus dem Konzept bringen
– im Gegenteil: Leitmayr und Batic agierten ruhig, bewiesen Fingerspitzengefühl und konnten die Täterschaft letztlich überführen.

Der Skater hatte seinen Jugendfreund erschlagen. Weil er ihn genervt hatte. Im Gegensatz zu den Kommissaren war das den Eltern des Täters allerdings längst bekannt. Eiskalt und perfid zugleich hatten sie nach der Tat versucht, ihren Sohn aus der Schusslinie zu nehmen.

Dank ihrem lädierten Gefühlshaushalt hatten sie es fertiggebracht, den Leichnam in die Isar zu werfen, und später versucht, mit billigen Tricks die Polizeiarbeit zu erschweren. Als gerechtigkeitsliebender und (meist) gesetzestreuer Mensch war ich mir zwar bewusst, dass der 13-Jährige Täter im Sinne des Gesetzes schuldunfähig war. Leicht verstimmt war ich trotzdem.

Es kam aber noch dicker: Im Sinne einer Rechtsbelehrung rezitierte die Mutter hämisch Absatz 6 aus dem deutschen Strafgesetzbuch (StGB) zum Thema «Strafvereitelung». Dieser besagt, dass straffrei ausgeht, wer die Tat zugunsten eines Angehörigen begeht.

Die Kommissare quittierten diese Arroganz mit erstaunlicher Gelassenheit. Für mich war jedoch ein Cognac fällig.