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Rekordhohe InterventionSNB kämpft im ersten Halbjahr mit 90 Milliarden gegen Franken-Aufwertung

Noch nie hat die Schweizerische Nationalbank so stark am Markt interveniert wie im laufenden Jahr. Ein Grund dafür ist auch die Coronakrise.

Neu publiziert die SNB an jedem Quartalsende das Volumen des Vorquartals: SNB-Chef Thomas Jordan. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Neu publiziert die SNB an jedem Quartalsende das Volumen des Vorquartals: SNB-Chef Thomas Jordan. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Noch nie hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) so stark am Devisenmarkt interveniert wie im laufenden Jahr. Alleine von Januar bis Juni hat sie zur Schwächung des Schweizer Frankens 90 Milliarden Franken in die Hand genommen.

Im bisherigen «Spitzenjahr» 2015 hatte die SNB nach Aufhebung des Euromindestkurses Devisen für 86,1 Milliarden Franken gekauft. 2020 waren es nun im ersten Quartal 38,5 Milliarden Franken und im zweiten Jahresviertel 51,5 Milliarden, wie aus am Mittwoch publizierten Statistiken hervorging.

Die Beschleunigung widerspiegelt auch den Verlauf der Coronakrise. Seit März betont die Notenbank, dass sie nun «verstärkt» am Devisenmarkt eingreife. Die SNB war gezwungen, ihren Kampf gegen den starken Franken zu intensivieren, da die Anleger in der Krise den «sicheren Hafen» Franken ansteuerten. Das trieb den Franken auf den höchsten Stand zum Euro seit fünf Jahren.

Viele Milliarden

Interventionen am Devisenmarkt zählen seit September 2011 zum Arsenal der SNB, als der Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro festgelegt wurde. Vor allem in den Jahren 2015 bis 2017 nach dessen Aufhebung hatte die SNB in hohem Mass intervenieren müssen, um den Franken zu schwächen bzw. die Exportwirtschaft vor einem allzu hohen Franken zu schützen.

Nach den erwähnten 86,1 Milliarden in 2015 hatte die SNB 2016 Devisen für 67,1 Milliarden und 2017 für 48,2 Milliarden Franken Devisen gekauft. Aber auch schon 2014 hatte sie schon 25,8 Milliarden Franken springen lassen. 2018 und 2019 waren dann für die SNB in dieser Beziehung relativ ruhige Jahre mit Devisenkäufen im Gegenwert von lediglich 2,3 und 13,2 Milliarden.

Das heisst auch, dass die SNB jetzt in nur sechs Monaten mehr ausgegeben hat als in den drei Jahren zuvor zusammen.

Mehr Transparenz

In früheren Jahren wurde jeweils erst im Frühjahr bekannt, für wie viele Milliarden die SNB im Jahr davor Devisen gekauft hatte. Dazwischen versuchten Experten anhand verfügbarer Bilanzdaten und Statistiken, das Eingreifen am Devisenmarkt zu schätzen.

Neu publiziert die SNB an jedem Quartalsende das Volumen des Vorquartals. Die Währungshüter begründeten den Schritt mit dem Wunsch nach mehr Transparenz. Zudem folge man den jüngsten Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die neuen Daten sind laut Beobachtern möglicherweise auch ein Versuch, Kritik zuvorzukommen. Das US-Finanzministerium hat die Schweiz Anfang dieses Jahres auf seine Beobachtungsliste für potenzielle Währungsmanipulatoren gesetzt und sie ermutigt, mehr Daten über ihre Transaktionen zu veröffentlichen.

SDA/step

39 Kommentare
    August Haller

    Ohne Not (Vollbeschäftigung, fast keine Arbeitslosen) manipuliert die „unabhängige“ Nationalbank den Wechselkurs des Schweizerfranken, wohl auf dringenden Wunsch der economiesuisse und/oder ähnlicher Interessenvertreter. Aber ohne Notwendigkeit und damit gegen die eigenen Richtlinien. Sie gibt vor im Interesse der Allgemeinheit zu handeln und hintertreibt die Zuwanderungspolitik der Schweiz. Seit mehr als 10 Jahren kommen jährlich netto 40'000 – 90'000 Einwanderer in die Schweiz und alle, die arbeiten wollen, finden Arbeit. Wenn ein Land derart floriert, kann keine „Wettbewerbsverzerrung“ und kein „überbewerteter“ Schweizer Franken vorliegen, wie die Nationalbank behauptet. Denn ein überbewerteter Franken würde voraussetzen, dass unsere Produkte im Ausland keine Abnehmer finden. Nein, zur Begünstigung der vom „Anlagenotstand“ Betroffenen werden neue Wohnungen, Strassen, Schulhäuser und Gewerbehäuser zur Unterbringung und Versorgung der Zuwanderer zu tiefsten Zinsen finanziert und gebaut; aber, wenn einmal gebaut, nicht zu tiefsten Zinsen vermietet. In unserer subtil gelenkten Presse wird uns dauernd ein Notstand „Arbeitskräftemangel“ eingeredet. Uns wird auch die Zumutung des verdichteten Bauen und Wohnen schmackhaft gemacht. Zu leiden haben AHV und Pensionskassen. Welche Zusagen haben die Linken für ihr Stillhalten erhalten? Oder haben sie in ihrer Naivität das hinterfotzige dieser Manipulationen nicht durchschaut?