Simon Margot holt Sitz im Gemeinderat auf Kosten der Sozialdemokraten

Unterseen

Nicht zwei, sondern drei neue Gesichter gibt es im Gemeinderat von Unterseen: Simon Margot schafft den Einzug in die Exekutive mit dem besten Resultat aller Kandidierenden.

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Zwölf Jahre Gemeinderat, weitere zwölf Jahre Gemeindepräsident – und nun ist Simon Margot erneut in das Siebnergremium der Unterseener Exekutive gewählt worden. Nach seinem Austritt aus der SP trat Margot mit einer eigenen Liste, der Wählergruppe Simon Margot als deren einziger Kandidat an. Und holt gemäss Proporzverteilung einen Sitz.

Von sämtlichen Bewerbern in Unterseen schafft Margot mit 1032 das beste persönliche Resultat. Die Stimmbeteiligung in Unterseen betrug für die Wahlen 42,82 Prozent.«Diese deutliche Wahl freut mich natürlich sehr», sagt Simon Margot auf Anfrage. Im Vorfeld sei man der Meinung gewesen, dass seine Art von Kandidatur in einer Proporzwahl keinen Erfolg verspreche. «Doch für mich ist eine eigene Liste die einzige Lösung.»

SP ist Wahlverliererin

Margot gewinnt den Sitz ausgerechnet auf Kosten seiner ehemaligen Partei, der SP. «Allerdings akzeptiere ich es nicht, wenn man sagt, ich hätte der SP einen Sitz weggenommen.» Ein paar «Fantasten» der SP, wie sie Margot nennt, seien für diese Situation verantwortlich. Die Parteizugehörigkeit sei wichtig für die Wahlen, nicht aber für die Arbeit im Gemeinderat. «Hier wird Sachpolitik betrieben – und ich werde mich für eine gute Sachpolitik einsetzen.» Sehr interessieren würde ihn das Bauressort. Er könnte aber mit jedem Ressort leben, mit Ausnahme des Bildungsressorts. «Als ehemaliger Lehrer gehört sich dies nicht.»

Für die SP sitzt nur noch Verena Roder im Gemeinderat (der bisherige René Berthoud trat wegen Amtszeitbeschränkung nicht mehr an). SP-Präsident Jürg Müller-Muralt gesteht die Niederlage seiner Partei ein. «Wir hatten eine ausgewogene Liste nach Geschlecht, Alter und Berufen. Wir bedauern unseren Sitzverlust sehr.» Ebenfalls bedauerlich sei für die SP als frauenfördernde Partei, dass im Gemeinderat nur noch eine Frau sitzt. Müller gibt sich aber kämpferisch: «In vier Jahren wollen wir den Sitz wieder zurückgewinnen.»

Die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) hält ihren Sitz, obwohl der bisherige Werner Feuz wegen Amtszeitbeschränkung ausschied. «Ein Erfolgserlebnis», sagt Feuz als Parteipräsident. Dieser Erfolg sei auch dem Resultat von Simon Margot zu verdanken: «Wenn nur vier Parteien Kandidaten gestellt hätten, wäre für uns die Proporzhürde klar höher gewesen.» Für die EDU macht wie erwartet der einzige kumulierte Kandidat Christoph Perron das beste Resultat und ist damit neuer Gemeinderat.

Brigitta Wyss abgewählt

Die SVP stellt neben dem still gewählten Gemeindepräsidenten Jürgen Ritschard weiterhin zwei Sitze im Gemeinderat. Allerdings – und dies ist eine leise Überraschung – verpasst die bisherige Bildungsvorsteherin Brigitta Wyss die Wiederwahl deutlich. Die Präsidentin der SVP Unterseen erreicht in ihrer Partei mit 416 Stimmen nur das viertbeste Resultat. Überflügelt wird sie ausser von den gewählten Max Ritter (neu) und Ernst Voegeli (bisher) auch von Hans Ulrich Vögeli mit 453 Stimmen. Wyss ist über ihr persönliches Resultat enttäuscht. «Es waren vier interessante Jahre. Ich hätte gerne weiter im Gemeinderat mitgearbeitet. Aber das Volk hat entschieden.» Immerhin habe man das Minimalziel der SVP, ihre zwei Sitze zu halten, erreicht.

Wyss’ Abwahl lässt sich möglicherweise damit erklären, dass die SVP als einzige Partei ohne kumulierte Kandidaten antrat, sondern sechs verschiedene Personen portierte. Bei der FDP, mit der die SVP eine Listenverbindung einging, schafft Stefan Zurbuchen als Bisheriger die Wiederwahl problemlos. Sektionspräsident Rolf Hänni holte als Kumulierter aber zu wenige Stimmen für eine Wahl, wie er eingesteht. «Ich hätte mehr erwartet», gibt Hänni zu. Er freue sich aber über das gute Resultat von Stefan Zurbuchen. Chancenlos blieb übrigens der Solokandidat der BDP, Jürg Etter, mit 316 Stimmen.

Das Resultat der Gemeindewahlen bestimmt nicht nur die Sitzverteilung im Gemeinderat, sondern auch in sechs ständigen Kommissionen. So ist Simon Margot nun gezwungen, auf die Suche nach Kommissionsmitgliedern zu gehen. «Dies wurde mir erst nach meiner Kandidatur bewusst», gibt Margot zu. Er sei aber überzeugt, genügend motivierte Personen zu finden.

Liste 1, Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP). Nicht gewählt: Jürg Etter (316 Stimmen).

Liste 2, FDP: Gewählt: Stefan Zurbuchen (861). Nicht gewählt: Rolf Hänni (398), Andreas Koschak (248), Thomas Ruchti (201).

Liste 3, Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU). Gewählt: Christoph Perron (397). Nicht gewählt: Nicole Frauchiger-Feuz (220), Barbara Kurt-Vögtlin (184), Hans Rudolf Schranz (183), Stefan von Känel (166).

Liste 4, Schweizerische Volkspartei (SVP). Gewählt: Max Ritter (514), Ernst Voegeli (510). Nicht gewählt: Hans Ulrich Vögeli (453), Brigitta Wyss-Rieder (416), Daniel Bieri (397), Monika Lorenz-Bhend (259).

Liste 5, Wählergruppe Simon Margot. Gewählt: Simon Margot (1032).

Liste 6, Sozialdemokratische Partei. Gewählt: Verena Beer Roder (813), Oliver Grunder (702), Angela Weibel-Ritschard (304), Gani Demi (251).

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