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Phantastischer Schritt Richtung RekordSimon Ehammer kürt sich zum besten Zehnkämpfer des Jahres

Der Appenzeller brilliert erneut, stellt mit 8231 Punkten eine Jahresweltbestleistung auf und schrammt ganz knapp am Schweizer Rekord vorbei.

52,88 Meter im Speerwurf: Simon Ehammer gewinnt an der Mehrkampf-Schweizermeisterschaft und knackt zum zweiten Mal die Marke von 8000 Punkten.
52,88 Meter im Speerwurf: Simon Ehammer gewinnt an der Mehrkampf-Schweizermeisterschaft und knackt zum zweiten Mal die Marke von 8000 Punkten.
Foto: Anthony Anex/Keystone

Reden kann er jetzt noch nicht, bilanzieren, was er in den letzten beiden Tagen geleistet hat, nein, dafür sind die Emotionen nur eine Stunde nach dem fantastischen Wettkampf zu gross. Jetzt wird zuerst gefeiert, und da wartet – nach getaner Arbeit – das obligate alkoholfreie Bier. So schliesst Zehnkämpfer Simon Ehammer seine Wettkampftage immer ab. Mit viel Kalium, vielen Nährstoffen, also ideal zum Regenerieren.

Sechs Bestleistungen in zehn Disziplinen: Dem Appenzeller gelang an den Mehrkampf-Meisterschaften in Langenthal «ein genialer Wettkampf», wie sein Trainer Karl Wyler sagt. Der erst 20-Jährige trotzte sich und dem Hitze-Wochenende eine Spitzenleistung nach der andern ab und totalisierte 8231 Punkte – Jahresweltbestleistung. Allzu viele Athleten hatten in diesem speziellen Jahr zwar noch nicht die Gelegenheit für einen solchen Wettkampf – aber dennoch. Und mit dieser Punktzahl verpasste Ehammer den Schweizer Rekord von Beat Gähwiler um lediglich 13 Punkte. Oder anders ausgedrückt: um 6 cm im Weitsprung (7,81 m). Der Verband hat Gähwilers Leistung aus dem Jahr 1988 zum Rekord erklärt, weil damals das Gewicht des Speers änderte. Zuvor hielt Stephan Niklaus mit 8334 Punkten die Marke.

Überragende Sprints

Nur drei Wochen nach seinem ersten 8000-Punkte-Zehnkampf vermochte Ehammer nachzudoppeln: Er startete am Samstag mit grandiosen 10,50 Sekunden über 100 m ins Titelrennen. Die Steigerung (um zwei Zehntel) war letztlich aber nur eine von einem ganzen Sixpack an diesem Wochenende. Im Kugelstossen (13,75) und über 400 m (47,27) verbesserte er sich am ersten Tag ebenfalls markant. Und nahm den Schwung mit. Denn am Sonntag gelang dem äusserst schnellkräftigen Athleten gleich zu Beginn der nächste Coup: In 13,73 über 110 m Hürden verbesserte er sich um 18 Hundertstel, dem Schweizer Rekord von Spezialist Jason Joseph näherte er sich bis auf 39 Hundertstel. Und, was er seit dem Bronzegewinn an der U-18-WM weiss: Wenn er einmal im Flow ist und locker bleibt, gelingt fast alles.

So auch am Sonntag. Nach dem Bestwert im Diskus (36,19) brillierte er zum Abschluss eines kräftezehrenden und schweisstreibenden Wettkampfs noch einmal: Ehammer lief die 1500m offensiv und erzielte in 4:42,54 eine um fünf Sekunden verbesserte Marke. «Es zeichnet sich ab, dass er den Schweizer Rekord einmal knacken wird. Dass es nicht jetzt war, spielt keine Rolle», sagte ein zufriedener Trainer. Immerhin hat sich sein Athlet um 202 Punkte gesteigert.

Gedanken an Olympia

Wyler sagt, man orientiere sich nicht an nationalen Marken, sondern an internationalen. Und dass mit 8231 Punkten die Olympiaqualifikation in den Fokus rücke (8350). Das ist für einen 20-jährigen Mehrkämpfer, der eben seinen erst dritten Wettkampf bei der Elite absolvierte, sehr aussergewöhnlich. Doch berechtigt: Arthur Abele (GER) wurde 2018 mit 8431 Punkten Europameister, Niklas Kaul (GER) 2019 mit 8691 Weltmeister. Allerdings: Ein Sixpack wird auch Ehammer nicht immer gelingen.

Bei den Frauen verteidigte die Bündnerin Annik Kälin in Abwesenheit von Géraldine Ruckstuhl (verletzt) mit 6167 Punkten den Titel. Die 20-Jährige blieb damit nur drei Punkte unter ihrer Bestleistung von vor drei Wochen. Kälin hatte am Samstag im Hochsprung erstmals 1,81 m überquert und damit ebenfalls auf Bestwert-Kurs gelegen, von dem sie dann am Sonntag leicht abkam.