Vier bis fünf Zentren für die PID

Bis in der Schweiz die Präimplantationsdiagnostik möglich ist, dauert es auch nach dem sonntäglichen Ja noch einige Zeit. Die klar angenommene Gesetzesänderung tritt frühestens in einem Jahr in Kraft. Der Bundesrat rechnet mit vier bis fünf PID-Zentren.

Obwalden und Appenzell sagten Nein.

Obwalden und Appenzell sagten Nein. Bild: db

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Ein zweites Mal hat das Stimmvolk Ja gesagt zur Präimplantationsdiagnostik (PID). Vor einem Jahr lag der Ja-Anteil zur Verfassungsänderung bei 61,9 Prozent, gestern wurde die entsprechende Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes gar mit 62,4 Prozent Ja-Anteil angenommen. Damit können im Reagenzglas gezeugte Embryonen vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter genetisch untersucht werden – allerdings nicht ab sofort.

Bevor die Gesetzesänderung in Kraft tritt und spezialisierte Kliniken in der Schweiz die PID anbieten können, müssen zwei Verordnungen angepasst werden. In diesen wird das Gesetz weiter konkretisiert. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht es dabei vor allem um Vollzugsfragen, etwa darum, welche Voraussetzungen ein Laborleiter erfüllen muss. Wie Gesundheitsminister Alain Berset gestern vor den Medien sagte, wird das abgeänderte Gesetz in rund einem Jahr in Kraft treten. Ab dann können Zentren, welche die Voraussetzung erfüllen, die PID anbieten.

Zürich und Bern dabei

In der Schweiz gibt es rund 30 Kliniken, welche Befruchtungen im Reagenzglas – sogenannte In-vitro-Fertilisationen (IVF) – durchführen. Längst nicht alle werden auch die PID anbieten. In seiner Botschaft aus dem Jahr 2013 ging der Bundesrat von fünf bis zehn Zentren aus. Gestern sprach Berset von vier bis fünf Zentren. In Bern und Zürich soll die PID möglich sein. In Bern etwa an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde des Inselspitals.

Man führe inzwischen die Polkörperdiagnostik durch, teilt Michael von Wolff, Abteilungsleiter Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, auf Anfrage mit. Dabei handelt es sich um schon vor der PID-Abstimmung erlaubte genetische Untersuchungen der Eizellen. Mit Inkrafttreten der entsprechenden Gesetzesartikel könne man auch mit der PID starten, so von Wolff.

Das Universitätsspital Zürich (USZ) bietet die erlaubte Polkörperdiagnostik sogar schon seit über zehn Jahren an, deshalb geht Bruno Imthurn, Direktor der Klinik für Reproduktions­endokrinologie, davon aus, dass auch das USZ die nötigen Kriterien für die PID erfüllt.

Bewilligung und Evaluation

IVF-Zentren, welche die PID anbieten wollen, benötigen eine Bewilligung des Kantons. Sie müssen der kantonalen Behörde jährlich einen Bericht über ihre Tätigkeit sowie Daten abliefern, welche anschliessend vom Bundesamt für Statistik veröffentlicht werden. Die Labors, in welchen die genetischen Untersuchungen stattfinden, müssen vom BAG bewilligt sein.

Dieses sorgt auch dafür, dass die Auswirkungen der PID evaluiert werden. Im Anschluss an diese Auswertung wird dem Bundesrat ­darüber Bericht erstattet. So ist es im revidierten Gesetz festgehalten.

Ja-Stimmen: 62,4 Prozent, Nein-Stimmen: 37,6 Prozent (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.06.2016, 20:48 Uhr

Reaktionen

«Grossartig», sagte Nationalrätin Regine Sauter (FDP, ZH) vom Ja-Komitee zum deutlichen Ja zum Fortpflanzungsmedizingesetz. Es sei ein toller Vertrauensbeweis und zeige, dass das Stimmvolk die verantwortungsvolle Arbeit des Parlaments honoriere.

Zum Bedenken der Gegner, bei der PID könne ein Missbrauch nicht ausgeschlossen werden, sagte sie: «Es ist ganz klar, was erlaubt und was verboten ist.» Erfreut zeigte sich auch die Ärzteverbindung FMH. Das Gesetz verbessere die Behandlungsmöglichkeit von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, vermindere Mehrlingsschwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche, schrieb die FMH in einer Mitteilung.

Die Gegner äusserten allerdings Bedenken: «Es wird schwierig sein, bei der Anwendung der PID Missbrauch zu kontrollieren», sagte Nationalrätin Marianne Streiff-Feller (EVP, BE), die sich gegen das Fortpflanzungsmedizingesetz eingesetzt hatte. Sie befürchtet eine schleichende Ausweitung in der Praxis. In einer Mitteilung fordert die EVP strenge Kontrollen bei der PID-Anwendung.
Behindertenorganisationen zeigten sich enttäuscht. Christa Schönbächler von Insieme sagte: «Wir sind nicht zufrieden mit dem Resultat, aber froh um die breite Debatte, welche im Vorfeld der Abstimmung stattfand.»

Für die Schweizer Bischofskonferenz ist das revidierte Gesetz gemäss Mitteilung ein Rückschritt. Es gefährde den vollständigen Schutz des menschlichen Lebens vom Anfang bis zum Ende, von der Zeugung bis zum natürlichen Tod.

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