Zürich kauft Terror-Sperre für Grossanlässe

Bern und St. Gallen prüfen Pollersysteme, Zürich rüstet derzeit für die Street Parade auf und Basel hat bereits eine Sperre für die Innenstadt.
An der Zürcher Street Parade sichert die Polizei die Zufahrtstrassen derzeit mit Sperren und Fahrzeugen ab. Nun will die Stadt ein «Fahrzeugrückhaltesystem» kaufen.

An der Zürcher Street Parade sichert die Polizei die Zufahrtstrassen derzeit mit Sperren und Fahrzeugen ab. Nun will die Stadt ein «Fahrzeugrückhaltesystem» kaufen.

(Bild: Keystone Christian Merz)

Roland Gamp@sonntagszeitung

Es geschah am Berliner Weihnachtsmarkt, an der Strandpromenade von Nizza, auf den Ramblas in Barcelona und auf der Londoner Tower Bridge. Aber es soll nicht in Zürich passieren. Die Stadt will verhindern, dass Attentäter mit Autos oder LKW in Menschenmengen rasen. «Es ist geplant, dass wir im August die Beschaffung eines Fahrzeugrückhaltesystems öffentlich ausschreiben», sagt Marco Cortesi von der Stadtpolizei. «Eine Kommission prüft derzeit, welche Anforderungen erfüllt sein müssen.»

Schutz bieten soll die Sperre während Grossanlässen. Cortesi nennt Züri-Fäscht, Sechseläuten, Knabenschiessen oder Street Parade. «Wichtig ist, dass das System flexibel ist, also an diversen Orten eingesetzt werden kann.» Bisher habe die Stadtpolizei zum Beispiel die Zufahrt zur Street Parade mit Fahrzeugen blockiert. «Betonelemente setzen wir nicht ein, weil dann Zubringer nicht mehr auf das Gelände kommen und teils auch Fluchtwege versperrt werden.»

Augsburger Sommernächte oder die Oltner Chilbi

In Basel-Stadt regelt am Spalenberg schon jetzt ein Pollersystem die Zufahrt zur Innenstadt. Je nach Bedarf lassen sich die massiven Metallbolzen an die Oberfläche holen oder im Boden versenken. In erster Linie eine Massnahme zur Regulierung des Verkehrs. Aber die Anlagen können auch «wirksam zur Gefahrenabwehr, etwa von terroristischen Anschlägen mit Fahrzeugen, eingesetzt werden», wie der Regierungsrat im April mitteilte. Er beantragte den Kauf sechs weiterer Exemplare.

Dionys Widmer von der Stadtpolizei St. Gallen sagt: «Zurzeit laufen Abklärungen mit anderen Stellen, ob und wo solche Pollersysteme eingesetzt werden könnten.» Bis anhin habe man noch nichts entschieden. So ist es auch in Bern. «Seit der weltweit veränderten Sicherheitslage werden bei Demonstrationen und Veranstaltungen mobile Schutzvorrichtungen aufgebaut», sagt Léa Zürcher von der Sicherheitsdirektion. Nun sei in der Stadt ein Konzept zum Thema Pollersysteme in Arbeit.

Anbieter spüren das steigende Interesse. Die Consel Group aus Buchs ZH entwickelte deshalb ein mobiles, modulares Pollersystem, das nun auch vermietet wird. Letzte Woche etwa bei den Augsburger Sommernächten. «Wir haben nun innerhalb weniger Tage 16 weitere Anfragen erhalten, auch aus der Schweiz», sagt Consel-Chef Francis Seijas. So werde das System im August an der Oltner Chilbi aufgebaut. «Dort planen wir eine Präsentation für Kantonspolizeien und Sicherheitsplaner, um das System im Einsatz anzuschauen.» Hinzu kommen Projekte für Private. «Vor dem Roche Tower oder beim Bürgenstock Resort haben wir zum Beispiel schon Poller eingesetzt», sagt Seijas.

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