Zürcher S-Bahn-Schubser muss für fünf Jahre ins Gefängnis

Das Bundesgericht bestätigt ein entsprechendes Urteil des Obergerichts. Der 35-Jährige hatte eine Frau im Hauptbahnhof gegen einen Zug geworfen.

Das Opfer landete nach dem Stoss in der Lücke zwischen Bahn und Perron. Der abfahrende Zug erfasste sie und sie verlor den linken Unterarm. (Symbolbild)

Das Opfer landete nach dem Stoss in der Lücke zwischen Bahn und Perron. Der abfahrende Zug erfasste sie und sie verlor den linken Unterarm. (Symbolbild)

Der Vorfall hatte sich im Dezember 2015 im Zürcher Hauptbahnhof ereignet. In den frühen Morgenstunden waren der Mann und eine Frau, die sich nicht kannten, auf dem Bahnsteig in Streit ­geraten. Beide waren betrunken und hatten Drogen konsumiert.

Nach einem ersten verbalen Streit hatte sich die Frau be­ruhigt, der Mann suchte jedoch weiter ihre Nähe. Schliesslich trat sie auf ihn zu und hob die Hand. Der Mann stiess sie mit so ­grosser Wucht weg, dass die Frau gegen einen ab­fahrenden ­S-­Bahn­-Zug stürzte. Darauf fiel sie in die Lücke zwischen Perronkante und Zug und ­wurde teilweise überrollt. Dabei wurde ihr der linke Unterarm auf Höhe des Ellenbogens abgetrennt. Der ganze Vorfall wurde von einer Überwachungskamera gefilmt.

Keine Notwehr

Das Bezirksgericht Zürich hatte die Tat als versuchte vorsätzliche Tötung bewertet, was anschliessend vom Obergericht bestätigt wurde. Allerdings verschärfte es das erstinstanzliche Urteil. Das Bezirksgericht hatte dem Angeklagten zuvor noch einen Notwehrexzess zugestanden.

Damit war der Mann nicht ­zufrieden und beantragte beim Bundesgericht die Aufhebung des Obergerichtsurteils und die Rückweisung ans Bezirksgericht. Einen ausdrücklichen Antrag zur Sache machte er zwar nicht. Der Beschwerdebegründung lasse sich jedoch entnehmen, dass der Mann eine Verhandlung über ein Fahrlässigkeitsdelikt verlange, schreibt das Gericht in seinem gestern publizierten Urteil.

Der Mann argumentierte, das Obergericht habe die Vorgeschichte nicht berücksichtigt. ­Er sei in Bedrängnis gewesen und habe vor der Konfrontation bloss einen stehenden Zug wahrgenommen. Das Obergericht hat­­­te den heftigen Stoss jedoch als ­völlig unangemessen bezeichnet. Die Beteuerung des Mannes, den fahrenden Zug nicht wahrgenommen zu haben, hielt das Gericht für nicht plausibel.

Ein klarer Fall

Das Bundesgericht stellte sich hinter das Obergericht. Die ­Videoaufzeichnung zeige, dass der Mann die Frau mit derart grosser Wucht in Richtung des abfahrenden Zuges gestossen habe, dass sie unaufhaltbar gegen ­diesen geschlittert sei. ­Sie habe offensichtlich «keine Abwehr­chance» gehabt.

Es sei folgerichtig, wenn die Vorinstanz davon ausgehe, dass es nur dem Zufall zu verdanken sei, dass die Frau den Sturz in den Gleisschacht überlebt habe. Die Schlussfolgerung der Vor­instanz sei nicht zu beanstanden, schreibt das Bundesgericht. Die Beschwerde des Mannes wird deshalb abgewiesen. Und es bleibt bei einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Zudem muss der Mann Gerichtskosten in Höhe von 3000 Franken tragen.

Bundesgerichtsurteil: 6B_213/2019

sch

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