Zentralrat ruft zum Kampf gegen das Burka-Verbot auf

Der Islamische Zentralrat Schweiz lanciert schon wieder eine umstrittene Aktion: Ein Vorstandsmitglied fordert Frauen auf, gegen ein mögliches Verbot zu kämpfen.

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Mischa Aebi@sonntagszeitung

Cleverness ist dem umstrittenen Vorstand des Islamischen Zentralrates nicht abzusprechen. Der Vorstand besteht aus sieben Männern. Mindestens der Präsident, Nicolas Blancho, beteuert immer wieder, dass er und sein Verein eigentlich zu den gemässigten, Konsens suchenden Muslimen gehören.

Indessen: Der Zentralrat will jetzt auch an vorderster Front gegen ein Verbot der Gesichtsverschleierung muslimischer Frauen kämpfen. Das zeigt eine auf der Homepage des Vereins neu aufgeschaltete Audiodatei. Zu erkennen ist die Stimme des Vorstandmitglieds Qaasim Illi.

Illi und seine Entourage gehen die Sache raffiniert an. Man ist sich im Zentralrat offensichtlich im Klaren, dass sofort der Vorwurf der Unterdrückung der Frauen laut würde, wenn der rein männlich besetzte Vorstand den Kampf gegen das Gesichtsverschleierungs-Verbot selber führen würde. Deshalb schicken Illi und seine Glaubensbrüder nun ausnahmsweise Frauen an die Front. Illi redet in seinem Aufruf den Frauen ins Gewissen.

«Seid kampfbereit»

Illi spricht explizit auch Musliminnen an, die keinen Gesichtsschleier tragen. Die Frauen seien es, die im Namen Allahs den Kampf gegen ein Burka-Verbot führen müssen, sagt er auf der Audiodatei. Wörtlich: «Es kann nicht sein, dass Männer in der Öffentlichkeit auftreten und mit Vehemenz das Kultusrecht auf Niqab- oder Kopftuchtragen einfordern.» Dies sei «nun definitiv Aufgabe der Frauen».

Es gehe nun darum, zu überlegen, «in welcher Art und Weise wir einem möglichen Gesamtschleierverbot in der Schweiz entgegenwirken können». «Seid im Namen Allahs standhaft aber auch kampfbereit», ruft Illi seiner Anhängerschaft zu.

Als Chefkämpferin stellt Illi in seinem Onlinevortrag seine Frau Nora vor: «So ergeht die Empfehlung des Islamischen Zentralrates Schweiz, dass sich Musliminnen ab sofort beginnen zu organisieren.» Und weiter erklärt Illi auf der Tonspur: Die Frauen «sollten sich auf die mögliche Debatte vorbereiten. Und um dies am besten zusammen zu tun, sollten sie sich bei unserer Frauenbeauftragten Nora Illi melden.»

Verhüllte Vorkämpferin

Illis Frau Nora ist wie ihr Ehemann selber auch nicht von Geburt auf Muslimin. Die heute 26-Jährige ist mit 19 zum Islam konvertiert. Sie verlässt ihre vier Wände nur mit jenem Gesichtsschleier, den Muslime Niqab nennen. Auf Anfrage dieser Zeitung schildert sie, wie wichtig ihr der Schleier ist: «Er ist für uns vergleichbar mit einer gottesdienstlichen Handlung der Christen.» Der Gesichtsschleier sei nicht, wie Politiker behaupten, ein mobiles Gefängnis. Im Gegenteil. Wenn es in der Schweiz ein Schleierverbot gäbe, käme dies für sie einem Ausgehverbot gleich. Denn ohne Schleier wolle sie das Haus nicht verlassen, sagt Nora Illi. Das sei für sie Gebot Allahs. Indem sie an die Öffentlichkeit trete, wolle sie zeigen, dass Musliminnen mit Gesichtsschleier nicht «Huschis» seien, sondern selbstbewusste Frauen, die tun, was sie selber für richtig halten.

Berner Zeitung

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