Zeit, zu handeln

Die Schweiz als Depositärstaat der Genfer Konventionen sollte ein ausreichend grosses Kontingent an syrischen Flüchtlingen aufnehmen.

Daniel Foppa@DFoppa

2,8 Millionen Menschen sind bisher aus Syrien geflüchtet. Sie flohen vor einem Krieg, in dem Artillerie, Giftgas sowie mit Eisenteilen und Sprengstoff gefüllte Fassbomben gegen Zivilisten eingesetzt werden. Die Schlachterei hat bereits 170'000 Todesopfer gefordert. Die Weltgemeinschaft schaut zu. Von den 2,8 Millionen haben sich bloss 123'000 auf den Weg nach Europa gemacht. Die meisten Flüchtlinge müssen notdürftig im Libanon, in der Türkei und in Jordanien untergebracht werden.

Die Schweiz hat bisher 3000 Syrern die erleichterte Einreise gewährt. Innert dreier Jahre sollen zudem 500 anerkannte Flüchtlinge aufgenommen werden. Eine bescheidene Zahl angesichts der humanitären Katastrophe. So hat das 9,5-Millionen-Land Schweden bereits über 20'000 Syrer aufgenommen. Auch die Schweiz war früher grosszügiger: Allein 1956 erhielten über 13'000 Ungarn hier eine neue Heimat.

Um den Flüchtlingen die oft tödliche Reise über das Mittelmeer zu ersparen, sollte die Schweiz wie von der UNO vorgeschlagen einem grösseren Kontingent syrischer Flüchtlinge die legale Einreise ermöglichen. An der Zivilgesellschaft ist es derweil, Verständnis zu wecken, dass der Zustrom Hilfesuchender grösser wird und dass diese Menschen hier bleiben und integriert werden müssen. Wenn nun auch Private Flüchtlinge aufnehmen, ist das zwar eine sympathische Geste. Es entbindet Bund und Kantone jedoch nicht davon, die Suche nach Unterkünften trotz lokaler Widerstände entschiedener anzugehen.

Dies ist nicht die Zeit für an Zynismus kaum zu überbietende Grillabende gegen Asylsuchende, wie sie im Aargau stattfinden. Sondern die Zeit, in der die Schweiz als Depositärstaat der Genfer Konventionen handeln und ein ausreichend grosses Kontingent an syrischen Flüchtlingen aufnehmen muss. Im Wissen darum, dass es mit der Geste der Aufnahme unter dem Eindruck des Kriegselends nicht getan ist. Sondern dass sich erst im Umgang mit den Flüchtlingen in den Dörfern und Städten zeigen wird, welchen Wert die humanitäre Tradition dieses Landes tatsächlich noch besitzt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt