Wo die Schweizer ihre Sommerferien verbringen

Politische ­Unruhen in einigen Reise­ländern leiten die Touristenströme um. Profiteure sind in diesem Jahr wieder Griechenland und ­Spanien. Schweizer meiden dagegen die Türkei.

Griechenland gehört diesen Sommer zu den beliebtesten Reisezielen der Schweizerinnen und Schweizer.

Griechenland gehört diesen Sommer zu den beliebtesten Reisezielen der Schweizerinnen und Schweizer. Bild: Fotolia

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Die Sommerferien stehen vor der Tür. «Die wichtige Phase im ­Geschäft mit den kurzfristigen ­Buchungen beginnt jetzt», sagt Kurt Eberhard, Chef bei Hotelplan Schweiz. Er stelle fest, dass die Reisefreudigkeit der Schweizer wieder zugenommen habe. Zudem würden sie mehr Geld für Reisen ausgeben. So zieht die Migros-Tochter Hotelplan schon vor der Sommersaison eine positive Zwischenbilanz. Letztes Jahr sah es anders aus: Die Kunden buchten damals aufgrund verschiedener Terroranschläge eher zurückhaltend.

«Man kann kurzfristig Reisen nach Griechenland, ­Zypern, Spanien oder in die Türkei ­bu­chen», sagt Eberhard. Beim Reisebüro Tui sind Kreta, Mallorca, Zypern oder Kroatien als Last-Minute-Destinationen beliebt. Schwieriger ist es bei Kuoni: «Für die sehr gut laufenden Destinationen Mallorca, Kreta oder Griechenland werden Kunden kaum Last-Minute-Angebote finden», sagt Sprecher Marcel Schlatter.

Südeuropa ist stark gefragt

Bei Kuoni, Hotelplan und Tui sind diesen Sommer wie letztes Jahr wieder Griechenland und Spanien die Spitzendestinationen. Das hat einen Nachteil: Mit der enormen Nachfrage steigen die Preise. Die Balearen und das spanische Festland liegen laut Hotelplan preislich im Schnitt um 10 Prozent höher als letztes Jahr. Dies, nachdem Spanien bereits im Vorjahr spürbar teurer geworden war.

Das einstige Massenreiseziel Türkei dagegen liegt am Boden. Bei Hotelplan sind die Buchungen im Vorjahresvergleich um 34 Prozent zurückgegangen, bei Tui um 40 und bei Kuoni sogar um 45 Prozent. «Die politische Un­sicherheit und die ­Anschläge ­lähmen das Buchungsgeschäft. Die Türkei-Ferien gibt es zu Schnäppchenpreisen, aber das Imageproblem ist gross», so Eberhard. Er ist aber zuversichtlich: Wenn es in die Türkei ruhiger werde, könne es sein, dass im Herbst das Last-Minute-Geschäft wieder laufe. Der Grund: Die Alternativen auf diesem Preisniveau sind nicht zahlreich. «Die Preise in der Türkei sind sehr stark gefallen.»

Touristen vergessen jeweils relativ schnell, dass es in bestimmten Ländern zu Terroranschlägen gekommen ist. «Tunesien oder auch Ägypten erleben ­momentan ein kleines Comeback», sagt Bianca Schmidt von Tui. Vor allem die Destinationen Djerba in ­Tunesien und Hurghada in Ägypten würden wieder über den Vorjahreswerten gebucht.

Sicherheit bleibt bestimmend

«Tendenziell verreist man heutzutage lieber mehrmals im Jahr und kürzer als bloss einmal länger», sagt Marcel Schlatter von Kuoni. In diesem Jahr boomen auch wieder Kreuzfahrten. Keine Ferienart wächst so rasant wie das Reisen auf dem Wasser. ­«Gestiegene Preise an populä­ren europäischen Destinationen, aber auch Sicherheitsfragen un­terstützen den Trend zu Fernreisen und Kreuzfahrten», erklärt Schlatter. Die Kreuzfahrtindustrie erwartet im Jahr 2017 25,3 Millionen Passagiere. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es nur 15 Millionen.

Fernziele sind laut Marcel Schlatter attraktiv, weil die Flugpreise sehr tief sind. So werden beispielsweise Flüge nach Thailand oder Singapur zeitweise für nicht einmal mehr 500 Franken angeboten. Es sei heute nicht mehr aussergewöhnlich, bloss für eine Woche nach Übersee zu verreisen.

Einen sogenannten Trump-Effekt in dem Sinne, dass seit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Trump weniger USA-Reisen gebucht würden, stellen die Reiseveranstalter nicht fest.

Pauschalreisen sind im Trend

Ob Terroranschläge, politische Unruhen oder Streiks: In un­sicheren Zeiten setzen viele Schweizer lieber auf klassische Paketangebote, als dass sie ihre Reise selber buchen. Sollte un­terwegs etwas passieren, müssen die Reisebüros den Kunden bei Umbuchungen, Annullationen oder Rückführungen helfen. ­Diese ­Sicherheit bietet kein ­Onlineanbieter. Wichtig ist die Wahl des Reisebüros: «Man soll­te sich vor der Buchung erkun­digen, ob das Reisebüro über eine Kundengeldabsicherung verfügt. Wenn nicht, dann sollte man die Finger davon lassen.» Das sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands. Geht das Reisebüro nämlich in Konkurs, verliert man das Geld.

Paris wird wieder attraktiver

Städtereisen werden vor allem für die Frühlings- und die Herbstferien gebucht oder für ein verlängertes Wochenende im Sommer. «Nachdem London und auch Paris letztes Jahr weniger besucht wurden, ziehen diese beide Städte wieder mehr», sagt Kurt Eberhard von Hotelplan. Das schwache Pfund überlagere offensichtlich die Angst vor Terror. Die Reaktionen auf die jüngsten Ereignisse müsse man aber erst abwarten.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.06.2017, 12:05 Uhr

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