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Wieso eigentlich der Gripen?

Hat sich der dringend auf einen Gripen-Abnehmer angewiesene Saab-Konzern verpflichtet, Ruag Aviation zu übernehmen? Manches deutet darauf hin.

Hier könnte schon bald Saab das Zepter übernehmen: Ruag-Hangar in Emmen. (Archivbild)
Hier könnte schon bald Saab das Zepter übernehmen: Ruag-Hangar in Emmen. (Archivbild)
Keystone

Geht es den Spitzen von Verteidigungsdepartement und Armee beim risikobehafteten und unlogischen Gripen-Deal gar nicht in erster Linie darum, welches das geeignetste Flugzeug für die Armee ist? Auf diese Frage kommt, wer sich den widersprüchlichen Verlauf der Beschaffung vergegenwärtigt, wie er im Untersuchungsbericht der nationalrätlichen Subkommission festgehalten ist. Gibt es versteckte Motive, die erklären, weshalb sich Bundesrat Ueli Maurer und Armeechef André Blattmann ausgerechnet für den Gripen entschieden haben, der in der Evaluation schlecht abschnitt und mit Abstand das grösste finanzielle, technische und zeitliche ­Risiko beinhaltet?

Klar ist bisher lediglich, dass sich die Schweiz so schnell wie möglich für den Kauf eines Flugzeugs verpflichten soll, das weder als Prototyp noch als Vor­serienmuster existiert und das erst im Verlaufe der nächsten Jahre fertig entwickelt und gebaut werden soll. Weder der neue Radar noch die angepriesene Lenkwaffe mit grosser Reichweite vom Typ Meteor sind im Gripen E integriert und erprobt. Die Staatsgarantie Schwedens kann nach Angaben von Vertei­digungsminister Maurer nicht abge­sichert werden. Das Kostenargument kann nicht überprüft werden, weil die Betriebskosten geheim sind. Trotz negativen Erfahrungen der weltgrössten Flugzeughersteller Boeing und Airbus soll der Zeitplan für Entwicklung und Herstellung einer neuen Militärmaschine ausgerechnet für den kleinen Jet­produzenten Saab kein Problem sein. So jedenfalls stellen es Maurer und Korpskommandant Blattmann dar. ­Dieses Vorgehen rational zu erklären, fällt schwer – aber nur, wenn die Jet­beschaffung isoliert betrachtet wird.

Kooperationsprojekte angetönt

Politisch und öffentlich bisher wenig beachtet wurden in diesem Zusammenhang Aussagen über eine Kooperation zwischen der Schweiz und Schweden, die über den reinen Jetkauf hinaus reichen. Bei einem Besuch des schwedischen Oberkommandierenden Sverker Göranson bei Armeechef André Blattmann wurde eine entsprechende Vereinbarung getroffen, wie verlautete. Die «Sonntagszeitung» zitierte dazu Anfang Juni Blattmann: «Möglicherweise sehen wir bei der Weiterentwicklung von Systemen Kooperationspotenzial, die beide Armeen in ihren Beständen haben.»

Kooperationsprojekte ausserhalb der Gripen-Vereinbarung hat Bundesrat Maurer Ende Juni auch mit seiner schwedischen Amtskollegin Karen Enström erörtert, wie bekannt wurde. Bei anderer Gelegenheit sprach Maurer von einer «strategischen Zusammenarbeit», die man mit Schweden anstrebe. Was steckt dahinter?

Ruag muss irgendwie überleben

Mit der massiven Reduktion der ­Armee von ursprünglich über 600 000 auf demnächst noch 100 000 Soldaten sowie der Budgetbeschneidungen von über sechs auf gegenwärtig 4,4 Milliarden Franken handelt sich der Bund ein Problem beim Rüstungskonzern Ruag ein. Zwar bemüht sich das Unter­nehmen mit Alleinaktionär Bund um vermehrte zivile Aufträge. Doch diese konnten wegfallende Aufträge der ­Armee nur teilweise kompensieren. In wesentlichen Teilen (Ruag Aviation und Ruag Defence), die sich mit Armee­aufträgen in den Bereichen Luftfahrt sowie Sicherheits- und Wehrtechnik über Wasser halten, ist ein langfristiges Überleben bei einer massiv kleineren Armee infrage gestellt. Bei der Ruag ­arbeiten total über 7700 Angestellte.

Manches deutet nun darauf hin, dass zwischen der Schweiz und Schweden diesbezügliche Planungen erarbeitet werden oder bereits Abmachungen bestehen. Eine Erklärung könnte folgendes Motiv liefern, das versteckt ist: Der dringend auf einen Gripen-Ab­nehmer angewiesene Saab-Konzern hat sich verpflichtet, Ruag Aviation mittelfristig ganz oder mehrheitlich zu übernehmen. Bedingung: Die Schweiz kauft den Gripen. Der hohe Mietpreis von 44 Millionen Franken jährlich für eine Staffel Gripen des alten Typs C als Übergangslösung könnte seine Begründung in der Forderung von Saab finden, dass für eine Übernahme der Ruag Aviation die Schweiz raschmöglichst den Gripen einführt.

Eine ähnliche Lösung könnte sich im Ruag-Bereich Defence abzeichnen. Wie Bundesrat Maurer anlässlich der Präsentation seines neuen Luftwaffenchefs, eines Ökonoms, bekannt gab, soll bald einmal die bodengestützte Luft­abwehr der Armee gänzlich erneuert werden. Die Rüstungsfirma Rhein­metall, die in Fachzeitschriften bereits grosse Inserate über ihr Boden-Luft-­Abwehrsystem (Bodluv) geschaltet hat, erklärt sich bereit, Teile der Ruag-­Defence zu übernehmen, die mit Auslastungsproblemen ab dem Jahr 2013 kämpft. Es existieren augenfällige Schnittstellen bei Waffensystemen und bereits bestehenden Beteiligungen zwischen Saab, Ruag und Rheinmetall.

Klar ist, dass Saab für die Ruag kein starker Partner wäre, käme es zu einer solchen Lösung. Die Schweden blicken im Jetbau einer unsicheren Zukunft entgegen. Das Verteidigungsdepartement will gestern gestellte Fragen der BaZ zum Thema heute beantworten.

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