Wie unterschiedlich die Schweiz und China sind

Wie kann die Schweiz mit China mithalten – und umgekehrt? Zahlreiche Grafiken zeigen es Ihnen.

Andreas Flütsch@tagesanzeiger

Das Freihandelsabkommen mit China bringt für 84 Prozent der aus der Schweiz angelieferten Güter eine stufenweise Abschaffung der Zölle. Bei der grossen Mehrheit dieser Güter dauert es jedoch fünf oder gar zehn Jahre, bis die Zölle bei null angelangt sind. Bis der Mitte 2014 in Kraft gesetzte Zolldeal seine volle Wirkung entfaltet, dauert es also noch. «Die Einsparungen repräsentieren rund 1 bis 2 Prozent der abgewickelten Geschäfte mit China», rechnet Nick Hayek, Chef der Swatch Group. Jede Einsparung ist aber besser als gar keine, darum möchte die Exportindustrie den Deal nicht missen. «Wir sind mit dem Freihandelsabkommen grundsätzlich zufrieden, auch wenn der Einfluss nicht sehr signifikant ist», sagt Hayek.

Die Ausfuhren der Uhrenindustrie nach China sind seit 2013 rückläufig. Das habe mit dem Freihandel aber nichts zu tun, sagt Jean-Claude Biver, Chef der Uhrensparte von LVMH mit Marken wie TAG Heuer und Hublot: «Der Absatz ging wegen des schwächeren Wachstums in China zurück.» Dem Geschäft mit Luxusuhren habe zudem das Korruptionsbekämpfungsprogramm der Regierung geschadet. Dass Bern es nicht schaffte, Peking zur Abschaffung oder wenigstens zu einer Reduktion der Luxussteuer von 20 Prozent zu bewegen, hilft ebenfalls nicht. Insgesamt habe das Abkommen «die Beziehung zu China verbessert», sagt Biver. Er wünschte sich aber, sagt Hayek, dass der Bundesrat sich in Brüssel dafür einsetze, dass Chinesen visafrei nach Europa reisen können – damit mehr von ihnen hier Schweizer Uhren kaufen können.

Die Exporte der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie nach China gehen seit 2015 zurück. Auch hier sei die Abkühlung in China der Auslöser, heisst es beim Branchenverband Swissmem. Die Abfertigungsprobleme beim chinesischen Zoll, die dazu führten, dass Waren öfter bei geringsten Abweichungen von der Deklaration liegen blieben, seien inzwischen weitgehend behoben. Obwohl die Zollsenkungen erst mit der Zeit grössere Einsparungen bringen, stuft Swissmem-Präsident Hans Hess das Abkommen mit Peking als «ausserordentlich wichtig» ein. Es sei psychologisch wichtig und bringe der Schweiz einen «Sympathiebonus, den wir auch ausspielen». All das sei wichtig, da China als Markt in den nächsten zehn Jahren für die Schweiz noch viel bedeutender werde.

Die Schweizer Pharmaindustrie muss ebenfalls mit nur stufenweise sinkenden Zöllen leben. Dennoch konnte sie 2016 bis Ende November Produkte für 3,5 Milliarden Franken in China absetzen, mehr als doppelt so viel wie 2013. Dies gelang trotz Wachstumsschwäche in China und trotz starkem Franken. Der Freihandel mit China helfe dem Pharmasektor, die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Konkurrenten aus der EU und den USA zu stärken, sagt ein Sprecher des Branchenverbandes Scienceindustries.

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